Madaras László – Szabó László – Tálas László szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 8. (1993)
Madaras László: Avar temetőrészlet Öcsöd határában
LÁSZLÓ MADARAS DIE BESTATTUNG IN NISCHENGRABERN IN DER GEMARKUNG VON ÖCSÖD Im Frühling 1986 wurden 34 Gräber eines Gräberfeldes aus der Zeit der Awaren (7-8. Jh.) in der Gemarkung von Öcsöd geöffnet. Unter den Gräbern waren zwei Reitergräber, vier vollständige Gürtelgarnituren (mit später gepressten und gegossenen Beschlägen), runde und ovale Bronzenringe mit Glasperlen, Melonenkern-Perlen , Nadejhalter, Eisen- und Bronzenarmreifen, Spindelknöpfe, Messer u. Gefässe. Im 13. Grab wurde eine Bruchbinde freigelegt. Der Grab 32 ist ein Nischengrab. Sein Vorraum ist eine rechteckige Grube mit abgerundeten Ecken, wo ein auf die Knie gezwungenes Pferd mit vollem Pferdegeschirr (Eisenphalera, Steigbügelpaar, Trense, Riemenschnalle) lag. Daraus öffnete sich die Nische schräg, wo der gestorbene Mann lag. Unter seinen Beigaben wurden eine volle, gegossene Gürtelgarnitur, eine Spitzhacke mit gewölbtem Rücken, Eisenmesser und ein schwarzes streifbemaltes Geschirr gefunden. Die Nischengrabenbestattungen können — laut unserer heutigen Kenntnisse — in einem gut abgrenzbaren Raum der Tiefebene beobachtet werden. Die Ursache, warum die Graben so gegraben wurden, ist der besondere Schutz des Gestorbenen. Neben den von Dezső Csallány bekannt gemachten Fundorten sind Graben neulich auch von Orosháza, Székkutas, Szegvár, Rákóczifalva zu erwähnen. Unter ihnen sind die Beigaben sowohl aus der Zeit der früheren Awaren als auch mit Greifvogel und Ranken zu finden. Wir erklären das so, dass die frühere aware Bewohnerschaft mit dem Beginn der neuen Epoche wahrscheinlich nicht verschwand, ganz im Gegenteil, sie nahm an der Formulierung der Sittenwelt der neuen Kultur teil. Die Bestattungssitte kann vorläufig mit keinem Volk verbunden werden. Die zwei wichtigsten Ursachen dafür sind, dass die genauen orientischen Paralellen dieser Sitte leider nicht bekannt sind (die Katakombenbestattung kann mit der Nischengräbern in eine Parallellen nicht genau gestellt werden), zweitens ist das Befundmaterial eben dasgleiche wie es der einfachen Grubenbestattungen. Man kann diese Faltung nicht einmal mit verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verbinden, da es unter den Graben sowohl reiche als auch ärmere Beigaben gibt. Diese Widersprüche können unserer Meinung nach durch eine komplexe Untersuchung der etnischen Verhältnisse in der Epoche der frühen Awaren aufgelöst werden. 224