Selmeczi László szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1982-83)

I. Bóna: Die grossen Avarenfunde des 19. Jahrhunderts

Da die Forschung des vorigen Jahrhunderts mit den Jankovich-Golden nichts anfangen und selbst ihr Alter nicht bestimmen konnte, ist es auch kein allzu großes Wunder, daß das kleinste Stück der Gürtelverzierungen von ihnen bald abgetrennt und im Laufe unseres Jahr­hunderts als ein Fund mit unbekanntem Ursprung behan­delt wurde (Fettich 1926, Taf. II 29). Einige Zeilen weiter unten wurde unter dem Posten 56 die goldene Pseudoschnalle der Jankovich-Sammlung in­ventarisiert (Taf. 1. 5) Unter-Beachtung der Struktur des Inventars und sonstiger ausschließender Umstände kann es fast als sicher betrachtet werden, daß die Pseudo­schnalle das fünfte Stück des fürstlichen Fundes unbe­kannten Fundortes ist. Es ist nämlich der Zufall fast ausgeschlossen, daß M. Jankovich die Goldschmücke in den Jahren vor 1820 aus zwei verschiedenen awarischen Fürstenfunden erworben hätte. Nach dem Foto des Jah­res 1889 war dieses Stück mit den weiter oben erwähnten vier Stücken gemeinsam ausgestellt. Die zuerst nur in unserem Jahrhundert veröffentlichte Pseudoschnalle (Supka 1913) wurde später abgesondert, zuerst mit der Pseudoschnalle von Tépe, sodann mit denen von Bocsa usw. zusammen behandelt. Seit der Entdeckung des Fürstengrabes von Kunszent­miklós-Kunbábony ist es evident, daß mit je einem Für­sten sogar 3 goldbeschlagene Gürtel begraben gewesen sein konnten. Nach dem Beweis der Grabfunde von Té­pe, Bocsa, Kunmadaras, Pápa-Úrdomb, Kiskunfélegy­háza-Pákapuszta, Csanytelek und nicht zuletzt von Kunszentmiklós-Kunbábony ist es nicht ausgeschlossen, daß ein mit Pseudoschnallen verzierter Gürtel mit dem gezähnten Muster von Stil II gemeinsam angetroffen werden kann. Von besonderer Bedeutung ist die Verbin­dung der Ornamentik der Jankovichschen Pseudoschnal­le mit dem Dolch von Tépe, so wie dies bereits Supka beobachtet hat. Die Entstehung des Stils II datierte die Forschung früher in die Jahre um 600 und er tritt im langobardischen Italien unseren bisherigen Kenntnissen nach auch nicht viel früher auf. Es gibt aber kein Beweis dafür, daß der im Gebiet des Awarenreiches zu jeder Zeit in gezähnter Variante ausgeführte Stil II aus Italien oder von den Langobarden zu den Awaren gelangt wäre. Die Jan­kovich-Golde sprechen vielmehr über Beziehungen zu den Ländern der Merowinger und zeigen eine weite Ver­wandtschaft mit den Schnallen und Riemenzungen der vor 567 bestatteten Königin Arnegundis, die mit einer Ornamentik von Stil II verziert waren. In Kölked hat A. Kiss im Grab einer awarischen „Fürstin" mit den Gold­münzen des Iustinus I. und Mauricius Tiberius gemein­sam Schmuck von Stil II gefunden, die gleichfalls westli­chen Ursprunges oder vom Westen beeinflußt waren. Der gezähnte Stil II erscheint zuerst im letzten Drittel des 6. Jhs und kann in sich stets verschlechternder Ausfüh­rung ganz bis in die zweite Hälfte des 7. Jhs verfolgt werden, sein spätestes Stück ist die Schnalle des Grabes III von Igar. Auf Grund des Gesagten ist der prachtvolle awarische Fürstenfund der Jankovich-Sammlung nicht nur der äl­teste, sondern auch der früheste, der aus dem letzten Drittel des 6. Jh. stammt (auch schon bei Fettich so in: Marosi-Fettich 1936, 62). Dies bezieht sich auch auf die verhältnismäßig einfach ausgeführte goldene Pseudo­schnalle. DIE DREI GROSSEN FUNDE Kunágota Die Geschichte des im Januar 1857 vom I. Balázs ausgegrabenen Pferdegrabes ist romantisch packend, sein halbes Jahrhundert lang anhaltendes „Vorleben" hat aber die Publikation von Hampel im Jahre 1905 restlos saniert. Statt der Befunde und inventarisierter Funde tischte er in der Publikation ein Gemansche auf, in 30% fremde, nicht zum Fund von Kunágota gehörende Ge­genstände, indessen er im Inventar bzw. in den frühen Beschreibungen über die noch vorkommenden anderen Posten keine Erwähnung machte. Dieses falsche und irrtümliche „Kunágota" hat bis zum letzten Jahrzehnt einschließend zu einer ganzen Anhäufung von falschen Theorien in solcher Hülle und Fülle geführt, daß nicht einmal für ihre Aufzählung hier Raum geschaffen werden könnte. Der Fund und die Fundumstände wurden bereits am 27. Januar 1857 vom S. Ferenczy beschrieben (er­schien im Sonntagsblatt „Délibáb" 15. Febr.). Eine fast genaue Übersetzung des ungarischen Originalberichtes wurde am 19. Februar in der K. K. Wiener Zeitung veröffentlicht (s. im Haupttext), aus den letzteren hat F. Kenner seinen unglücklich verkürzten Auszug ge­schrieben (s. ebda). Die Funde selbst wurden nach einer 22 monatlichen Amtshandlung nur am 7. Dezember 1858 an das Ung. Nationalmuseum geschenkt. Die Eintragung in das Inventarbuch der Altertumsabteilung des Na­tionalmuseums im Jahre 1858 ist außerordentlich präzis und anschaulich. Aus den Daten geht hervor, daß die Funde aus einem einzigen Grab eines mit zwei Pferden gemeinsam bestatteten Mannes zum Vorschein gekom­men und dann mit Ausnahme der Eisengegenstände und morschen Silberreste restlos in das Museum gelangt sind. Von einer anderen, nämlich einer Frauenbestattung lie­gen keine Angaben vor, zwischen den Funden gibt es keine auf Frauenbestattung hinweisende Gegenstände. Die Daten des Inventarbuches der Altertumsabteilung wurden von der Forschung weder kontrolliert, noch ge­braucht, der Publikation von Hampel wurden ein Quel­lenwert zugeschrieben. Die Daten des Inventarbuches sowie der zwischen 1857 und 1897 das Tageslicht erblickten Berichte, Be­schreibungen und Kataloge kurz zusammengefaßt, kann folgendes festgestellt werden: Der Mann von Kunágota - so wie alle anderen vornehmen awarischen Herren derselben Zeit - hat Gol­dohrgehänge mit großem Kugelanhänger in kleinem Format getragen, - diese können heute nur mit Vorbe­halt identifizieren (Taf. 2.1-2). Von seinem Hals ist aus Silber oder einer organischen Materie eine Halskette 139

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