Selmeczi László szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1982-83)

I. Bóna: Die grossen Avarenfunde des 19. Jahrhunderts

heruntergehangen, deren in Gold gefaßter Kristallan­hänger gut bekannt ist, jedoch sind auch ihre anderen Anhängerzierden erhalten geblieben (Taf. 2. 3-5, 7). An je vier Fingern waren aus Goldblech gepreßte Totenrin­ge, die gleichfalls vorhanden sind (Taf. 2. 8-15). Der Waffengürtel war von 14 Goldbeschlägen verziert, vom Gürtel ist das mit Goldtüllenbeschlag verzierte einzige Messer oder ein Dolch heruntergehangen, der Gürtel hatte eine gegossene Bronzeschnalle (Taf. 2.16-31). Das mit Gold beschlagene, lange, zweischneidige Schwert war auf einem Doppelriemen mit zwei kleineren Bronzesch­nallen auf den Gürtel angeschnallt (Taf 3. 1-11). Die Grabbeigabe bildete ein einziger Henkelkrug aus Silber und ein Silberkelch, der Fuß des Kelches vermoderte wahrscheinlich im Grabe oder ist nicht zum Vorschein gekommen (Taf 3.12-13). Das Geschirr des neben dem Mann bestatteten Pferdes ist in der Frühawarenzeit üb­lich (Taf 4. 1-23). Anläßlich der verschiedenen Ausstellungen kamen auch solche Gegenstände zu den Funden von Kunágota, die in der prähampelschen Literatur noch zu jeder Zeit als solche mit unbekanntem Fundort registriert wurden. Diese sind: eine filigranverzierte römerzeitliche goldene Scheibenfibel, ein mittelalterliches knöchernes Messer­heft, ein trichterförmiger Silbergegenstand, wahrschein­lich eine Pferdemähnenverzierung aus dem 8. bis. 9. Jh., ein rundes Silberblech (Krugboden?), ein gegossener vier­armiger Riemenverteiler aus Silber mit Lederresten, wahrscheinlich aus einem awarischen Fund aus dem 6. bis 7. Jh. und 2 prähistorische Armringe aus Silber. Vielleicht aus der Umgebung von Boldog stammt ein „zweiter" Messertüllenbeschlag, eine typische byzanti­nische Arbeit, schließlich wurde am spätesten vom Jahre 1881 an als Fund von Kunágota die Silberkanne aus dem Männergrab von Ozora-Totipuszta betrachtet (der „zweite" Silberkrug von Kunágota), indessen sein Hen­kel und sein rundes Bodenblech bei den Funden von Ozora geblieben sind (siehe dort). - Die aufgezählten Funde spielten fast ohne Ausnahme bei den späteren falschen Beurteilungen des Grabfundes von Kunágota eine hervorrangende Rolle. Von den Funden von Kunágota hat Gy. László bravourvoll zuerst die byzantinischen Goldbleche re­konstruiert (László 1938), sodann mit Hilfe der Bleche auch das Schwert (László 1950,1955). Die Rekonstrukti­on eines netzartigen (gotischen) Hintergeschirrs können wir hingegen nicht akzeptieren, laut des eindeutigen Be­weises der seitdem erschlossenen, beobachteten und gut dokumentierten zahlreichen frühawarischen Pferdebe­stattungen verzierten die 6 kleeblattförmigen Anhänger­beschläge mit Fransendekor das Riemenzeug der Zäu­mung. Zur Zäumung gehörten die kleineren, halbkugeli­gen Silberbeschläge (von diesen gelangten nur 8 St. in das Museum), während die größeren ähnlichen Stücke (da­von sind nur 9 St. im Museum) verzierten das aus einem einzigen Riemen bestehende Hintergeschirr. Auf einen Brustriemen verweist kein Fund (Taf. 4. 24). Weder die Rekonstruktion des auf die hampelsche „Vermehrung" aufgebauten Doppelmessers von Kunágota, noch die des mit Silbertrichter von unbekannter Herkunft zusammen­kombinierten Kelches von Kunágota kann akzeptiert werden. Das Grab ist von dem leichten Solidus von 20 siliqua (3,80 g) des Iustinianus I. datiert, diese wurden zwischen 545 und 565 im allgemeinen für die nördlichen Barba­ren geprägt (Taf 2. 6) Der Solidus von Kunágota konn­te vor 558 nicht in die Hände der Awaren gelangen, also stammt aus einer späteren Zeit, die selbst auch 565 sein kann. Die Münze ist leicht abgenutzt, also gelangte ver­mutlich erst in der zweiten Hälfte des 6. Jh. zu den Awaren, eignet sich daher nicht zur Scharfdatierung. Das Grab von Kunágota ist also von der Münze nicht direkt datiert, die Bestattung kann auf Grund des Fundkomplex­es auf den Beginn des 7. Jh. gesetzt werden. Szentendre Die Fundumstände der zwischen dem 14-17. August 1871 in der Grube einer damaligen Ziegelfabrik gefundenen 3 Gräber sind uns aus den am 18. August an Ort und Stelle gemachten - leider unveröffentlicht geblie­benen - Aufzeichnungen von F. Romer bekannt. Die Funde des Grabes 3 (darunter einen seitdem abhanden gekommenen Filterlöffel) hat Romer noch in der Ziegel­fabrik abgezeichnet. Romer ließ am 23-24. August den Fundort der 3 Goldgräber gründlich umgraben, doch stieß er auf keine weiteren Bestattungen, die reichen Gräber können als Bestattungen eines frühen, vorneh­men Auls ausgewertet werden. Die im Oktober 1871 in das Nationalmuseum ge­langten Funde wurden sorgfältig inventarisiert, jedoch nie wieder im Inventarbuch kontrolliert. I. Henszlmann hat 1873, F. Pulszky 1873/4 aber noch die tatsächlichen Funde von Szentendre beschrieben. Die drei verschiedenen goldenen Ohrgehängepaare zeugen klar von drei Bestattungen: Grab 1. Mit seinem Pferd gemeinsam bestatteter Mann, neben dem Pferd Steigbügelpaar mit langer Öse, Speerspitze und morsches silbernes Pferdegeschirr. Der Mann trug ein mittelgro­ßes, filigranverziertes Ohrgehängepaar mit großem Ku­gelanhänger, an dem einen Finger einen Goldring mit Edelstein (Taf 5). Grab 2. Vornehme Frau mit goldenen Ohrgehängen mit großen pyramidenförmigen Anhän­gern von „Szentendre-Typüs" sowie mit silbernem Kol­benarnmngpaar und aus farbigen Augenperlen bestehen­der Halskette (Taf 6.). Grab 3. Durchschnittlich wohl­habende, frühawarische Frau, mit goldenem Ohrgehän­gepaar mit großem Kugelanhänger in kleinem Format und mit Halskette aus Augenperlen. Aus ihrem Grab stammt der Solidus von Fokas (Taf 7. 3), der offenkun­dig als Totenobolus gedient hat. Ein silberner Filterlöffel und ein Putzmesser sowie das Gefäß des Grabes sind nicht in das Museum gelangt (Taf 7). Aus Grab 1 (oder 2) stammt die Goldtremmissis von Iustinus IL, die nicht durchgebohrt, also gleichfalls ein Totenobolus war (Taf. 5. 7). Die aus den Jahren 1870 erhalten gebliebenen Beschreibungen und Fundverzeichnisse erwähnen ein­stimmig diese auch im Inventar stehenden Gegenstände, die Familienbestattung hat damals noch keinen „fürstli­chen" Charakter gehabt. Die Funde von Szentendre begannen sich anläßlich der verschiedenen Ausstellungen zu „vermehren". Zuerst 140

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