Selmeczi László szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1982-83)
I. Bóna: Die grossen Avarenfunde des 19. Jahrhunderts
J. Bona: DIE GROSSEN AWARENFUNDE DES 19. JAHRHUNDERTS (Zusammenfassung) Die Arbeit analysiert die zwischen 1810 und 1908 zum Vorschein gekommenen wichtigsten Awarenfunde des 6. bis 7. Jh. Die ersten vier waren Ende 1871 schon im Ungarischen Nationalmuseum (MNM), von diesen bestimmte F. Pulszky im Januar 1874 mit Hilfe der samt den byzantinischen Goldmünzen zum Vorschein gekommenen Funde von Kunágota, Szentendre und Ozora das Zeitalter der Funde (6. bis 7. Jh.) und knüpfte sie an das Volk der Awaren. Die anderen vier sind Funde der „Hampeischen Epoche", aus ihrem Schicksal, aus ihrer Publikation gehen die Fehler dieser Epoche ebenso hervor, wie auch ihre Tugenden. Die großen Awarenfunde wurden unzähligemal ausgestellt, wobei sie einmal abgenommen, dann wiederum zugenommen haben, weshalb ihre international bekannte Publikation (Hampel 1905) schon ohne Ausnahme falsch und fehlerhaft ist. Auf diese Fundamente wurden die Forschung unseres Jahrhunderts und ihre zahlreichen, übereilten Theorien aufgezogen. Verfasser stützt sich in seiner Arbeit vor allem auf die einstigen Eintragungen im Inventar der Altertumsabteilung, jedoch benützte er auch alle anderen erreichbaren, zeitgenössischen Daten, Handschriften Mitteilungen, Fotos zur Rekonstruktion des ursprünglichen Bestandes der Fundkomplexe. Unter diesen auch solche, die von der Forschung bisher nicht herangezogen wurden: die Listen der im In- und Ausland veranstalteten Sonderausstelungen sowie die zwischen 1870 und 1912 vom Ungarischen Nationalmuseum ausgegebenen illustrierten Führer. Der größere Teil der Arbeit ist von wissenschaftsgeschichtlicher Bedeutung und kann in erster Reihe auf ein inländisches Interesse Anspruch erheben, im Auszug handelt es sich nur über allgemein gültige awarische archäologische Ergebnisse. Von den erwähnten großen Grabfunden sind drei durch byzantinische Goldmünzen, zwei Grabfunde hingegen von gleichfalls als Totenoboli gebrauchten Goldmünzennachahmungen datiert. Es ist heute eine Mode geworden, die Bedeutung der münzdatierten Gräber zu bezweifeln. Die Methodologie der Archäologie außer acht lassend, wird mit falscher Logik die Zahl der münzdatierten Gräber im Awarenreich mit der Zahl der während den ganzen 250 Jahren der Awarenzeit gefundenen vielen zehntausend Gräber konfrontiert. Jedoch werden von je einer Münze nicht bloß ein einziges Grab, sondern die im Grab vorkommenden Fundtypen, in glücklichem Falle 30 bis 50 verschiedene Gegenstandtypen datiert. Die 6 bis 8 münzdatierten, reichen Gräber von bestem Erhaltungszustand datieren Zweifünftel der aus dem 6. bis 7. Jh. bekannten etwa 500 Fundtypen, die münzdatierten sämtlichen Grabfunde fast die Hälfte der Fundtypen. Wenn auch nicht up to date, da ja die Datierung vom Emissionsjahr der Münze, von ihrem Erhaltungszustand, ihrer Anwendungsweise, andererseits von dem neuen oder abgenutzten Zustand der Grabbeigaben abhängt, - dennoch annähernd. Ähnliches Bild zeigt das neue Horizont der nur eine kurze Zeit lang gebrauchten, runden Goldblanken (vgl. Abschnitt Dunapentele 1908), das in archäologischem Sinne genommen selbst auch im Vergleich mit der vorangehenden Periode massiver und einheitlicher ist. Die Datierung durch Münze oder Münznachahmung ist also keine quantitative, sonder eine qualitative Frage, im Falle ihres Vergleiches ist die Zahl der Gräber fast indifferent, das Wesentliche ist die Zahl der in den Gräbern zum Vorschein gekommenen Funde und Fundtypen. AWARISCHER FÜRSTENFUND VOM BEGINN DES 19. JAHRHUNDERTS Mit Hilfe der Inventarangaben der 1832 in das Ungarische Nationalmuseum gelangten, 1838 bereits inventarisierten Jankovich-Sammlung sowie eines aus 1889 erhalten gebliebenen Fotos, das die eine Vitrine der im J. 1885 veranstalteten Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums darstellt, gelang es die Details eines großen frühawarischen Fundes zusammenzustellen. Der Fund ist noch vor 1820 in den Besitz von M. Jankovich gelangt, den Fundort hat er nämlich noch nicht registriert. Von den Jahren 1820 kommen bei ihm die Fundorte nicht nur vor, sondern er hat des öfteren selbst den Fundumständen nachgeforscht. Aus den Eintragungen des in lateinischer Sprache verfaßten Inventars, in Ornatus Jank. Nr. 49-51 geht es klar hervor, daß dort nicht nur die bis heute bekannten und mehrmals abgebildeten drei Goldgegenstände: das zoomorphe Sattelknopfdekor, die mit der gezähnten Ornamentik Stil II verzierte prächtige Goldschnalle und die dazugehörende, ebenso verzierte Goldriemenzunge vorkommen (Taf. 1. 1-2,4), sondern auch ein in ähnlichem Stil verzierter viereckiger goldener Gürtelbeschlag, das Quadratum (Taf. 1.3). Das Quadratum war vor 1889 noch mit den übrigen Jankovich-Golden ausgestellt (auf dem Tableau der Reihe nach sogar die Nr. 16 bis 19), an der alten Fotoaufnahme kann sogar noch die Inventarnummer entziffert werden. Das im Inventar auf die Gegenstände Nr. 49-51 angegebene Gesamtgewicht entspricht heute mit dem Quadratum dem Grammgewicht der Jankovich-Golde. 138