A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1966-1967 (Debrecen, 1968)

Béres András: A furtai hímzés

András Béres Die Stickerei von Fúrta Unter den ungarischen Bauernstickereien wird die Aufmerksamkeit mit Recht auf den cha­rakteristischen Formenreichtum und die Ornamentik der Stickerei von Fúrta (Komitat Hajdú­Bihar) gelenkt. Merkwürdigerweise entging sie sozusagen bis zum heutigen Tag der Aufmerksam­keit der Forscher, nur in Verbindung mit der Volkstracht findet man hie und da Hinweise auf die Stickerei, die Verzierung der Textilien in Furta, deren Hauptzug ist, daß sie auf blauem Grund mit weißem Faden ausgeführt wird. Obwohl die Stickerei von Furta um die Jahrhundertwende noch sehr verbreitet war, sind Überreste davon nur spärlich nach dem zweiten Weltkrieg erhalten. Die Stickerei diente meistens zur Verzierung der Kleidungsstücke der Männer, des Hemds, des Schurzes, aber der untere Rand der Frauenkleider, der Wäsche und die Schnürbrust wurden auch gestickt. Bei der Verlobung wurde ein besonderes Brauttuch verfertigt, dessen Mitte gestickt und an dem Rand mit Spitze versehen war. Die ältesten Stücke der ethnographischen Sammlung des Museums Déri aus Furta legt ein Zeugnis davon ab, daß seine Anwendung und Verbreitung um die Mitte des vorigen Jahrhunderts seine Blütezeit erreichte. Die Braut bescherte den Bräutigam nicht nur mit dem Brauttuch, sondern sie verfertigte auch einen auf Blaufarbstoff oder auf Schurz­leinwand reich gestickten Schurz und ein weißes Bräutigamshemd mit reicher weißer Stickerei. Leider war es sehr schwer ein einziges Stück davon zu erwerben, weil die Besitzer daran, als an ihrem einzigen Stück festhielten, sie nahmen es meistens in das Grab mit. Die Neigung zur Anwen­dung der Ornamentik äußerte sich in der Verzierung der inneren Räume des Wohnhauses, nach­dem die Volkstracht in den Hintergrund gedrängt wurde. Um das Jahr 1920 verbreiteten sich die Handarbeiten wieder, man stickte Handtücher, Taschentücher und neben der weißen Farbe wurden Blau und Rot bevorzugt. Die Muster wurden traditionell durch Kopierung weitergegeben, aber auch neue Varianten kamen durch Veränderung der Motive in den Händen der Frauen mit schöpferischer Kraft zus­tande. Bei der Untersuchung der einzelnen Stücke kann man feststellen, daß eine befähigte Frau zeitweise auftritt, deren Stil, Formen in der Ornamentik in einer Periode vorherrschen. Solche Frau­en unternehmen neben ihrer Tagesarbeit gern die Vorzeichnung, sogar helfen sie am Anfang auch bei der Stickerei hilfsbereit mit Rat und Tat mit. Die örtlichen Überlieferungen werden in Furta noch geschätzt. Aus diesem Grund ist hier ein Zirkel für Stickerein tätig, der sich im Rahmen des Kulturhauses zum Ziel steckte, den For­menreichtum anderer Gebiete kennenzulernen und vornehmlich die einheimischen Muster der Stickerei in möglichst weitem Kreise zu verbreiten. Daher kommt es in Furta oft vor, daß Texti­lien mit Furtaer Stickerei zur Verzierung des Wohnhauses angewandt werden. Die Ornamentik wird dem veränderlichen Geschmack angepaßt, und die Beständigkeit eben durch die Anpassung an den neuen Geschmack gesichert. Die mit der Stickerei von Furta verfertigten Kleidungsstücke kann man in fünf Gruppen verteilen: 1. Kleidungsstücke der Männer, 2. Kleidungsstücke der Frauen, 3. GelegenheitstextUien, 4. Gebrauchsgegenstände, 5. Verzierungselemente. Es gibt natürlich Übergänge zwischen den einzelnen Gruppen, durch die aber die Hauptpha­sen der Abgrenzung nicht besonders beeinflußt werden. Unter den ältesten Stücken findet man fast ausschließlich weißen Grundstoff, Batist, Haus­leinen und Linnen mit weißer Baumwollstickerei, das war sozusagen die einzige Form bis zum Anfang unseres Jahrhunderts. Um 1880 erscheint die blaue Schurzleinwand mit weißer Baum­wollstickerei, die an einzelnen, vor allem männlichen Kleidungsstücken bis zur Mitte der 30-er Jahre vorzufinden ist. Um das Jahr 1920 beginnt die Verbreitung der roten Baumwollstickerei auf weißem Grund, später die Anwendung von 4-5 Farben (Rot, Grün, Blau, Gelb und Feuerrosa). Damit löste sich die traditionelle Ordnung der Stickerei von Furta auf, die Wirkung der vorge­druckten Handarbeitsformen und Farben kommt immer mehr zur Geltung, infolgedessen er­folgt die Anpassung zu dem allgemeinen Geschmack mit der Veränderung der Funktion in dem Brauchtumssystem des Volkes. 476

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