Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)
Tomka Péter: Az avarok kora
Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen untersuchen. Unsere Fachdebatten finden im Interesse noch genauerer Bestimmungsergebnisse statt. Das awarenzeitliche archäologische Material wird neuestens in drei große Zeitabschnitte geteilt, innerhalb dieser in kleinere zeitliche Einheiten. Die erste Hälfte der frühen Awarenzeit dauerte bis zur Krise im 1. Drittel des 7. Jh.s, die zweite erstreckt sich auf das 2. Drittel des 7. Jh.s. Die folgenden 60-70 Jahre bezeichnen wir als mittelawarische Zeit, die späte Awarenzeit dauert bis Ende 8. Jh. (ihre volkstümliche Bezeichnung lautet Zeit der Greifen-Ranken-Kultur), neuerdings bezeichnen wir den sich in die Karolingerzeit hinein erstreckenden, abschließenden Abschnitt auch als „Awarenzeitende”. In der frühen Awarenzeit ist das Fundmaterial durch starke byzantinische Kontakte geprägt - nicht zu verleugnen sind Einflüsse der italischen Langobarden und solche aus dem fränkisch-alemannischen Westen. Dieser Umstand differenziert die Einseitigkeit historischer Quellen enorm. Man stellt sich die Awaren als Zeltbewohner und Großtierhalter aus dem Osten vor. Die Hauptelemente ihrer Tracht haben sie mitgebracht (beschlagene Gürtel, Männerohrenschmuck), sie bewahren ihre Sitten und Bräuche (Totenopfer bestehend aus dem Ensemble von Waffen-Pferdegeschirr). Dann kamen sie aber auf „Kulturgebiet”, wo die Völker Dörfer bewohnten und den Boden bearbeiteten. Bald haben sie sich der Tatsache gegenüber gesehen, dass der Großteil des Karpatenbeckens für die Nomadisierung ungeeignet ist. Es gab zwar Gruppen, die an geeigneten Stellen noch lange ihrer traditionellen Lebensweise folgten, andere passten sich anderswo sehr schnell der Lebensform der siedelnden Bevölkerung an. Von der kämpferischen Erscheinung der Tierhalter ließen sie jedoch kaum ab: ihre Toten versahen sie reichlich mit Waffen, wovon Knochenplatten von Bogenenden und -griffen, Köcherverzierungen, Pfeilbündel, der Reiterkampfweise angepasste schmale, lange Schwerter und leichte Lanzen, und Stücke wertvoller Panzerhemden zeugen. Die Awaren brachten den Eisensteigbügel nach Europa. Schmuck und Waffen wurden von angesehenen Schmieden hergestellt, das Raseneisenerz von Spezialisten geschmolzen. Wurden die alltäglich gebrauchten Gefäße „hausgemacht”, so zeugen doch Ziergefäße vom hohen Wissen der Töpfer. Dass es Pferde-, Rinder- und Schafherden gab, davon zeugen in den Grabbeilagen die vielen Tierknochen. Getränke in Lederschläuchen und Holzgefäßen, in Keramik von orientalischer Form, ausnahmsweise in byzantinischen Amforen, und im Falle wirklich vornehmer Toter in Gefäßen aus Edelmetall wurden den Bestatteten beigelegt. Ihr Staat war zentralisiert: Außer dem alleinherrschenden Kagan (der Titel stammt ebenfalls vom Ostende der Steppengebiete) sind keine anderen Ränge und Titel aus der frühen Zeit bekannt. Die Gesellschaft war stark gegliedert, doch darf nur vorsichtig formuliert werden: der „arme” Hirte und seine Familie nahmen auf die Jenseitsreise nicht immer alles Zubehör diesseitiger Repräsentation mit sich, kaum kann auf die aus nicht haltbarem Material hergestellte Tracht und die Vielseitigkeit der Gegenstände geschlossen werden. Großzügig verhielten sie sich den eroberten Völkerschaften: zu Beginn wurden diese nicht getrennt so wie später die Nomaden. Tracht und Bräuche der Gruppen, die sich auf den osteuropäischen Ebenen angeschlossen haben, tauchen in den zentralen Gebieten auf. Ein großer Teil der Gépidén siedelte zwar nach Transdanubien über, doch blieben sie im Großen und Ganzen in einem Block zusammen unter Führung eigener Vornehmer. Den Westhandel konnten sie in die Hände bekommen. Auf dem Weg nach Italien bildete sich eine eigentümliche Inselkultur heraus, die sog. Keszthely-Kultur. In regionalen Zentren bildeten sich polyethnische Gemeinschaften heraus. Es gibt Gräberfelder, die die ganze Awarenzeit über benutzt wurden, und die über mehrere tausend Gräber verfügen. 92