Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)

Tomka Péter: Az avarok kora

Es ist durchaus schwer zu entscheiden (falls man überhaupt darf), zu welcher Volksgruppe der Tote ursprünglich gehörte, der auf awarische Weise beerdigt, mit byzantinischen Gegenständen versehen, der aber auch germanische und awarische Waffen bei sich hat. Die großherrschaftlichen Träume zerfließen, das Interessengebiet schrumpft und es folgen die Anzeichen der Krise um 630. In der Schatzkammer des Kagan war noch etwas Gold geblieben, es reicht noch für die Gürtel der Vornehmen, Waffen und Schmuck der Frauen. Auch ist der Kontakt mit Byzanz nicht völlig abgebrochen, der Verkehrsweg nach Italien wird belebter, auch gelangen entlang der Donau einige Gürtel westlichen Typs ins Awarenland, manchmal mit dem Träger gemeinsam. Größere als die früheren Gräberfelder und sich mehrende Siedlungsfunde zeigen das Fortschreiten des Siedlungsprozesses, d. h. die Schwerpunktveränderungen in Wirtschaft und Lebensweise. Nur noch an wenigen Stellen hielten sich die Flirten. Auch hingen die anderen zäh an ihren Traditionen, trotz kaum wahrnehmbarer Veränderungen an Tracht, Waffen und Bräuchen. Im letzten Drittel des 7. Jh.s, in der sog. mittleren Awarenzeit werden die früheren kleinen Abweichungen und Veränderungen plötzlich zu einer augenscheinlichen Umgestaltung. Das von Awaren bewohnte Gebiet dehnt sich aus (dichte Besiedlung der heutigen Südslowakei). Große Dorffriedhöfe werden angelegt. Bestattungen mit Führungsrang weisen auf neue Machtzentren hin. Gleichzeitig und zusammenhängend sind neuartige Trachtenelemente (bei Männern der Schmuck im Haargeflecht), neue Waffen (z. B. Säbel), neue Bräuche (Reiterbestattungen werden an den Rand verdrängt, es verbreitet sich die Nordwest-Südost-Orientierung) wahrnehmbar. Es ist also nicht überraschend, wenn viele hinter diesen Veränderungen das Auftauchen eines neuen Volkes vermuten. Die Mehrheit heutiger Forscher sieht die Sache so, dass es mehr Spuren für die Weiterentwicklung der frühen awarischen Völkerschaften gibt, als etwaigen Neuankömmlingen zugeschrieben werden könnten. Weiterhin ist die byzantinische Mode zu spüren, aber auch die Orientation nach Westen hin hält weiter an, und zwar in Richtung der Baiern (hinter ihnen die Franken). Weiterhin verzieren Bronze- und Silberblech die Gürtel — doch in veränderter Form und Aufteilung. Inzwischen hatte fast unbemerkt mit glattem Übergang, aber unaufhaltbar die späte Awarenzeit begonnen. Ein komischer Widerspruch: Den Quellen zufolge trat der Alleinherrschaft in der frühen Awarenzeit im späten 8. Jh. eine politische Zergliederung in der FührungsSchicht gegenüber. Doch vergleicht man das archäologische Erbe der vielseitigen frühen Awarenzeit mit dem der späten awarischen Kultur, scheint es, als wäre letztere mit einer vereinheitlichenden, staatlichen Lotion überzogen. In den sich dicht abzeichnenden Kleindörfern findet man neben Schafen und Rindern immer mehr Geflügel und Schweineknochen zwischen den Speiseresten (Tiere, die nicht zum Nomadenleben gehören), und fast überall dieselben ein wenig in den Boden eingetiefte Häuser, Backöfen, Speichergruben, Gräben zur Grundstücksmarkierung. Ohne Auflösung bleibt der größte Widerspruch bezüglich der späten Awarenzeit: die Spannung zwischen „nomadischem” Gesellschaftsaufbau (Titulaturen sind über die Bulgaren an der Donau bis hin nach Innerasien zu verfolgen), Kampfweise, Bewaffnung und Tracht einerseits und der mitteleuropäischen Lebensform (dörfliche Niederlassungen, Wirtschaft) andererseits. Der Anschluss an das chrisdiche Europa gelang noch nicht. Vor diesem historischen—archäologischen Hintergrund untersuchen wir in der Folge die Ergebnisse, die in den letzten Jahren in der Kleinen Tiefebene bei der Erforschung der Awarenzeit erzielt wurden. 93

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