Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)

Tomka Péter: Az avarok kora

im Jahre 626 ab. Durch die Region fegte eine politische und wirtschaftliche Krise, der Goldfluss ebbte ab. Um 630 leisteten die Slawen an den Westenden erfolgreich Aufstand (mit dem fränkischen Kaufmann Samo - er hatte 623 die Slawenstämme zu einem Bund zusammengefasst — hielten sie sich bis etwa 660). Im Awarenland brach ein Thronstreit aus (die „awarische Partei” besiegte die „bulgarische”), zwischendurch brach auch der politische Kontakt ab — egal wie locker er auch gewesen sein mag —, durch den die osteuropäischen Steppenvölker an das Kaganat gebunden waren. Damals entstand der bulgarische Staat Kuvrat Kans, der ebenfalls — welch ein Zufall - im Jahre 660 in die Hände der Kasaren fiel. Das letzte Drittel des 7. Jh.s leitete ein bis heute im Kreuzfeuer von Debatten stehendes Ereignis ein. Die über Eurasien fegenden Bewegungen und Umstrukturierungen erreichten auch das Karpatenbecken. Zeitlich etwa gleichliegend mit der bulgarisch-türkischen Siedlungstätigkeit an der Donau (668) kam ein Sohn von Kuvrat Kan (Küber) mit seiner Heerschar nach Pannonien, unter die Herrschaft des awarischen Kagan. Dieses Ereignis wird von den Forschern in recht unterschiedlicher Weise beurteilt. Einigen zufolge sei dies die erste Landnahme der Ungarn, anderen zufolge wurde durch das Ereignis das Leben im Awarenland grundlegend verändert. Heutzutage neigen wir eher zu der Ansicht, dass es sich nicht um grundlegende Beeinflussung von Stärke und Richtung schon früher eingesetzter Veränderung handelte, sondern eher lediglich um eine Farbgebung. Die historischen Quellen berichten dann erst wieder am Ende der Awarenzeit. Von Westen her verstärkte sich der Druck, die Scharen Karls des Großen drangen über die als „sicher” geltende Enns-Linie (limes certuš) hinaus. An der Raabmündung machte die Heerschar zwar unverrichteterdinge kehrt, doch wurde schon bald das Schicksal des Awarenstaates besiegelt: 794/795 innerer Krieg zwischen Kagan und dem den zweithöchsten Rang innehabenden Großherrn (laut Quellen jugurrus), ein Jahr später der Verrat durch den dritthöchsten Würdenträger (tudur). 805 wird der awarische Kagan noch erwähnt, doch dann ist am kaiserlichen Hof nur noch die Rede von Gesandtschaften, die Huldigungen oder Geschenke (d. h. Steuern) überbringen (zuletzt 822). In Transdanubien wurde der fränkische Verwaltungsapparat ausgebaut. Eine spannende und weitführende Frage ist das Schicksal der Nachfahren der Awaren, derer, die nicht unter fränkische Oberherrschaft gerieten. Das Anwachsen der archäologischen Quellen gibt die Möglichkeit zur Beantwortung von Fragen, auf die es in den schriftlichen Quellen keine gibt. Mit Anwachsen ist hier nicht nur die Menge sondern auch die Qualität der Angaben gemeint. Früher haben wir uns sogar über ein-zwei Gräber oder über ein paar siedlungsweisende Scherben gefreut, heute wird unser Wissen durch völlig freigelegte Gräberfelder, freigelegte große, zusammenhängende Flächen, Häuserzeilen und durch verfolgbare Siedlungskonstruktionen gestützt. Karpatenbeckenweit stehen uns mehr als 3.500 Fundorte, mehr als 30.000 freigelegte Bestattungen zur Verfügung. Die Chronologie der Awarenzeit ist seit Ende des 19. Jh.s zwar einen verschlungenen Weg gegangen, doch bestärken heutzutage zahlreiche Methoden zusammen oder jede für sich genommen die Altersbestimmung unseres massenhaften Fundmaterials. Mit 20—30-jähriger Genauigkeit lassen sich heute dank naturwissenschaft­licher Methoden zur Altersbestimmung (CI4, Dendrochronologie, archäomagnetische Messungen) Herstellungszeit oder Bestattungszeit awarenzeitlicher Funde feststellen. Vor dem Hintergrund einer festen Zeitordnung (in einigen Punkten jedoch noch umstritten) lassen sich Prozesse, Technologien, Trachten, Bräuche, Lebensweisen, Herausbildung sozialer Stellungen, landschaftliche Abweichungen, und sehr sehr vorsichtig 91

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