Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)
Tomka Péter: Langobard temető Gyirmót-Homokdombon
Vorderblatt ist mit einem für gute Augen gut sichtbarem Kreuz mit gleichlangen Balken geschmückt. Diese Schnalle ist hinsichtlich Material, Form und Verzierung unter dem langobardischen Fundgut Pannoniens einzigartig. Die nächste solche Schnalle ist in Augsburg gefunden worden! Ihre Bedeutung erlangt sie neben ihrer unmittelbar westlichen Herkunft dadurch, dass es sich bei ihr um das bisher einzige gegenständliche Andenken langobardischen Christentums in Pannonien handelt. Auch hinsichtlich der Bestattungsbräuche sorgte das Gräberfeld Homokdomb für Überraschungen. In mehrerlei Hinsicht gleicht es denen vom Typ Hegykő, die spätantike und donaugermanische Traditionen bewahren. Die Grabgruben sind verhältnismäßig dicht zueinander plaziert, im Vergleich zu den wirklich langobardischen sind sie nicht so tief gegraben (durchschnittlich 133 cm, das ein wenig abseits liegende Grab Nr. 25 erreichte eine Tiefe von nahe 3 m, das Grab Nr. 23 eine Tiefe von 2,5 m - dieses Grab war durch eine spätawarische Bestattung gestört). Auf der Karte sind klare Reihen zu erkennen, aber es gibt auch Anzeichen von Gruppenbildungen. Im Gegensatz zu den “regelrechten” Hegykö-Gräberfeldern jedoch sind seine Fläche und die Anzahl der Begräbnisse klein (gleichen dem Typ Vörs—Kajdacs). Außer den Gefäßen fand man noch für den Weg ins Jenseits bestimmte Speisenreste und Tierknochen. Alle wurden in Särgen bestattet, doch gab es keine Spur der großen, aus Baumstämmen gehauenen Särge der “wirklichen Langobarden”. Auch das Gräberfeld Homokdomb wurde geplündert, wie es im Falle wirklicher Langobardengräberfelder üblich ist. Durch Beobachtung und Auswertung ist es aber gelungen dem auf die Spur zu kommen, wer und wann (vielleicht warum) diese brutale Arbeit verrichtet hat. Die westliche Reihe der Gräber blieb unberührt (es war nicht bekannt, was diese Gräber bergen, bzw. ihre Öffnung galt nicht mehr als relevant), andere Gräber wurden völlig durchwühlt und alles wurde aus ihnen entfernt. Es gab auch solche, in denen bestimmte Körperteile noch im Zusammenhang lagen. Schließlich wurden vier solche Tote gefunden, bei denen zur Zeit der Plünderung der Verwesungsprozess noch nicht eingesetzt hatte. Der Oberkörper des einen wurde bei der Plünderung vornüber gebeugt, lag in völliger anatomischer Ordnung über den Beinen. Die männliche Leiche in Grab Nr. 17 wurde herausgenommen und dann wieder ins Grab zurück gelegt, denn nur so ist zu erklären, dass die Gefäßbeigabe und die darunterliegende Eisenschnalle unter das Becken des Toten gerieten. Der Fall Grab Nr. 26 erlangte europaweit Ruhm: Der Leichnam einer 45—50-jährigen Frau wurde auf die Ecke des Sarges gesetzt, in der Eile vergaß man, ihn zurückzulegen. (Bei der Freilegung sah es so aus, als wäre die Oma beim Fernsehen eingenickt.) All das haben nur die Langobarden selbst anrichten können, damit nach ihrem Auszug im Jahre 568 die wertvollen Gegenstände nicht in die Hände der nachfolgenden Awaren gelangen konnten. Anhand der Topografie des Gräberfeldes, der Grabbeigaben, der Art und Weise der Plünderung lässt sich seine innere Zeitordnung ablesen: Von West—Südwest erstreckte es sich nach Norden und Osten. Es wurde von 2 (vielleicht sogar von 3) Generationen benutzt, und wir können mit dem Verschmelzungsprozess von Angehörigen der Hegykö- Gruppe mit den “echten” Langobarden rechnen. Das Gräberfeld Gyirmöt-Homokdomb stellt ein Bindeglied zwischen Westen (Merowingerkreis) und Osten, zwischen Hegykő- Gruppe und dem Typ Vörs—Kajdacs, zwischen reichen und armen Familien, zwischen Christentum und Heidentum dar. 41