Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)

Nagy Andrea - Pesti Krisztina: Avar kori telepmaradványok Győr-Moson-Sopron megyében

Nachdem wir nun die Gräberfelder, Bestattungen und das Leben im Jenseits kennen, müssten wir uns auch ein Bild vom Alltag der Awaren, von ihren Siedlungen, Wohnorten machen können. Die Situation ist aber nicht so einfach... Die Fachleute haben der Untersuchung von Friedhöfen und Gräbern gegenüber der Erforschung und Aufarbeitung der Siedlungen die Priorität gewidmet. Das hat gleich mehrere Gründe. Wir hatten vor den großangelegten Grabungen der letzten 10—15 Jahre nur sporadische Informationen von den vorhergehenden Freilegungen der Siedlungsreste. Nur hie und da kam ein Haus oder eine Grube zum Vorschein, doch ein als größere Einheit zu wertende, freigelegte Fläche, von der man hätte auf Informationen bezüglich der Siedlungskonstruktion schließen können, hat es bis in die nahe Vergangenheit nicht gegeben. So haben sich die beiden Forschungsgebiete gespalten und bei Weitem nicht gleich entwickelt. Während uns aus dem Karpatenbecken mehrere zehntausend Bestattungen bekannt sind, bilden die freigelegten und an Besiedlung anknüpfende Andenken an nur einen Bruchteil dieser Freilegungen. Andernteils hilft das in den Siedlungen vorgekommene Fundmaterial nur zum Teil dabei, sich ein genaueres Bild zu machen. Für die Nachwelt blieben nur aus unvergänglichem Material hergestellte Gegenstände, bzw. mit der Bewegung des Erdbodens einhergehende Bauten (in die Erde eingetiefte Häuser, Speicher, Abfallgruben, Brunnen, Gräben zur Ableitung des Wassers oder zur Grundstücks­eingrenzung). Wenn wir im glücklicheren Fall auf Spuren einer abgebrannten oder schnell zu Grunde gegangenen Siedlung stoßen, gelangen wir zu mehr Informationen. Allgemeiner aber sind verlassene Siedlungen, wo wir hauptsächlich den Abfall der einst dort Lebenden (meist Keramikfragmente, Tierknochen) vorfinden. In unserem Komitat sind wir noch in relativ guter Situation, da uns mehrere kleinere Daten, Informationen und Siedlungsreste zur Verfügung stehen. Unter ihnen sind folgende hervorzuheben: 1. Lébény-Kaszás-domb: Hier wurde von Gabriella T. Németh, Eszter Szőnyi, Miklós Takács, Péter Tomka diejenige awarenzeitliche Siedlung freigelegt, die hinsichtlich ihrer Grundfläche eine der größten im Karpatenbecken ist, zum anderen wurde sie fast völlig freigelegt. 2. Tarjánpuszta—Vasas I. und II., bzw. Nemeskér—Tüskés rét, wo wir hinsichtlich der Eisenverhüttung wertvolle Informationen bekamen. 3. Sopronkohida-Deicht: Hier ist neben dem Gräberfeld auch ein Teü der gleichaltrigen Siedlung zum Vorschein gekommen. 4. Csorna—Mocsári dűlő: Hier kamen 49 Objekte zum Vorschein, unter ihnen: Haus mit Steinofen (halb in die Erde eingetieft), zwei Brunnen, Ofen, mehrere Gräben, Gruben und Pfahllöcher, mehrere kleine Öfen. Ein awarenzeitlicher Siedlungsrest wurde im Sommer 2006 auf dem Territorium des Warenhauses Interfruct in Győr freigelegt. Auf der zur Bebauung bestimmten, 10.600 Quadratmeter großen Fläche kamen 12 an die Awarenzeit zu knüpfenden Objekte zum Vorschein. Die Häuser waren alle halb ins Erdreich eingetieft, ihre Orientierung war O—W. In keinem Fall konnten auf Pfahllöcher hinweisende Spuren gefunden werden. Spuren eines lehmgeschmierten Fußbodens wurden nur in Haus Nr. 10 beobachtet. In der Nordecke dieses Hauses war ein eingemuldeter Herd aber seine Platte ist nicht geblieben. In der Nordostecke von Haus Nr. 14 war ein aus Stein gebauter Ofen. 226

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