Molnár Attila et al.: Jöttek - mentek. Langobardok és avarok a Kisalföldön - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 3. (Győr, 2008)
Tomka Péter: Korai avarok a Kisalföldön
Auf dem südlich der Donau gelegenen Teil der Kleinen Tiefebene haben wir sehr sehr lange nur einige sporadische Funde aus der frühen Awarenzeit gekannt (Totenopfer mit frühen Steigbügeln in Ménfőcsanak, Töltéstava, das rätselhafte Grab Nr. 2 von Bágyog- Gyűrhegy und der Grabfund von Pápa-Urdomb, das Paar Ohrgehänge aus Gold mit granulierten großen Kugeln aus Tápszentmiklós, aus Rábapordány das prunkvolle goldene Ohrgehänge in Pyramidenform, auf der Mosoner Ebene allein das Grab Nr. 1 in Lébény—Mecséri út). Diese Situation bedurfte der Erklärung, und es kam auch zu ersten Theorien. István Bóna (unser „Meister”) dachte daran, dass die frühen Awaren das Gebiet westlich der Raab nur militärisch besetzten, dann zogen sie sich hinter die Raablinie zurück, vor sich unbewohntes Grenzland lassend. Auf den ersten zusammenfassenden Landkarten (z. B. Karte Nr. 25 im 1. Band des zehnbändigen Werkes (1984) über die ungarische Geschichte) zieht sich die Grenze des Awarenlandes in der ersten Hälfte seines Bestehens durch die Mitte von Rábaköz und Mosoner Ebene. Schon 1971 warf der Autor dieser Zeilen auf einer Konferenz die Möglichkeit auf, dass die nomadisierende und tierhaltende Lebensform der frühen Awaren in der Kleinen Tiefebene der Grund dafür sein könnten, dass hier so wenig Funde anzutreffen sind. Das 1976 publizierte Soproner Grab mit Schwert bedeutete noch keinen entscheidenden Durchbruch, vielmehr bestärkte es den Gedanken der militärischen Besetzung. Inzwischen tauchten auch in Österreich auf größeren mittel- und spätawarischen Gräberfeldern einzwei in bedeutender Entfernung voneinander liegende Gräber der frühen Awaren auf (1984: Sommerein, 1987: Leobersdorf). Den Beweis lieferte dann eine der Fundrettungsgrabungen beim Autobahnbau der Ml. 1992 kamen in Börcs-Nagydomb auf einer durchforschten Fläche von 3,5 ha voneinander in einer Entfernung von 40, 60, sogar 120 m 5 frühawarische Gräber zum Vorschein (drei Männer, eine Frau, ein Jüngling). Eigentlich ist ein jedes als alleinliegendes Grab zu betrachten, und doch standen sie miteinander in Verbindung. Das Bestattungsgebiet (so nennen wir diese Form, denn von Gräberfeld im gewohnten Sinn kann man hier nicht sprechen) wurde in der frühen Awarenzeit fortlaufend benutzt. Es gab also - nicht einmal vorübergehend - keinen unbewohnten Grenzstreifen westlich der Raab. Grab Nr. 1 und 2 stammen aus Ende 6. - Anfang 7. Jh., Nr. 9 und 10 gehören zum auf das 2. Drittel des 7. Jh.s datierten Horizont, den Übergang zwischen beiden bildet Grab Nr. 3. Die Orientierung der langen, schmalen Grabgruben wich in unterschiedlichen Maßen von der Ost-West-Orientierung ab. Die Toten im Sarg wurden in ungestörter, ausgestreckter auf dem Rücken liegender Position angetroffen. Trotz Plünderung kann festgestellt werden, dass man die Toten für ihre letzte Reise schön gekleidet hatte. Speisen und Getränke hatten sie kaum bekommen, wir fanden nichts anderes als ein-zwei Schafsknochen und die Randbeschläge einer Holzschale in Grab Nr. 10. Neben den Männern lagen Waffen (Bogen, Köcher mit Pfeilen, auf ein Schwert in Grab Nr. 10 können wir nur anhand eines P-förmigen Aufhängebeschlags schlussfolgern). Die Frauentracht (Grab Nr. 9) wurde durch ein Paar vergoldete großkugelige bronzene Ohrgehänge, eine kurze Perlenschnur, einen eisernen Armreif, Beutel mit Bronzekette ergänzt. Die Männer und der Jüngling hatten je einen beschagenen Gürtel um, daran hingen Eisenmesser und Gürteltasche (letztere in Grab Nr. 1 und 3 durch einige Perlen angezeigt). Den Ohrenschmuck der Männer zeigte Grab Nr. 10. Die ehemalige Funktion einiger Funde versuchten wir zu enträtseln, mit mehr oder weniger Erfolg. 106