Bíró Szilvia et al.: A Vagongyár alatt - A vagongyár előtt. Római temető és középkori település a győri Árkád területén - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetői 2. (Győr, 2007)
Tomka Gábor: Elvermelt leletek. Üvegedény és csontveretes ládika egy középkori gödörből
Die mit Knochenbeschlag versehenen Holzkästchen konnten sich im Europa des frühen und des blühenden Mittelalters einer weiten Verbreitung erfreuen. Bei Siedlungsausgrabungen stösst man jedoch in den seltensten Fällen auf solche, sie wurden ja kaum weggeworfen solange sie noch zu benutzen waren. Die Bauteile von Versehrten Gegenständen harrten zumeist der Wiederverwendung, so blieben von den Kästchen auf den heutigen Tag nur Knochen-, oder Metallbeschlagsfragmente, deren Bestimmumg in den meisten Fällen nicht möglich ist, übrig. Aus Knochenplatten zusammengefügte, bzw. auf Holzkästchenkörper montierte Knochenbeschlag-Kästchen sind schon aus den mit Beigaben reich ausgestatteten germanischen Freidhöfen des eben anbrechenden Mittelalters aus England, Deutschland aus den Niederlanden (z. B. Heilbronn, Maroeouil, Weilbach, Jünkersdorf, Dunum, Maastricht) bekannt. Nach Verschwinden des Beigabenrauchs tauchen unter den in den kirchlichen Schatzkammern aufbewahrten Reliquienschreinen Knochenbeschlag-Kästchen mit flachem Deckel (berühmtestes Exemplar das werdener Kästchen) auf, bzw. die sich in ihrer Form denen mit stumpftpyramidalem Deckel gefertigten Kästchen ähnelnden, geldbörsenförmigen Reliquiarschreine (z. B. das einst aus der Schatzkammer des Salzburger Doms ins Metropoliten Museum von New York gelangte Exemplar). Die schönsten Exemplare der Knochenbeschlag-Kästchen wurden in Byzanz des 10-12. Jahrhunderts gefertigt. Bei der Herstellung dieser Kästchen wairde meistens Elfenbein benutzt, die ausfüllenden Beschläge stellten oft kirchliche, weltliche, sogar mitologische Szenen dar. Es kommt unter ihnen die stumpftpyramidale Deckelgestaltung auch vor. Die Beschläge wurden hier durch mit Knochenstifte fixiert. Bezeichnend für ihre Komposition ist, dass vorgefertigte rosettierte Rahmenplatten eigesetzt wurden. Als einzige von mir bekannte ungarische Analogie unseres Fundes kann hier das mit Knochenbeschlägen verzierte, mit stumpfpyramidalem Deckel ausgestattete Kästchen im Köstlichen Museum in Esztergom erwähnt werden. Es ist jedoch zu bemerken, dass dieser Gegenstand erst im 19. Jahrhundert aus einer Kölner Sammlung nach Ungarn gekommen ist. Das Kästchen von Esztergom ist von besserer Qualität als die Fragmente von Győr. Seine gesamte Oberfläche ist mit Knochenplatten bedeckt, unter denen sich auch durchbrochene befinden. Der Deckel ist aus einem Stück geschnitzt, das Innere mit gemalten Sternen dekoriert. Es sind etliche mit flechtbandmusterten Rahmenleisten versehene Knochenbeschlag- Kästchen mit stumpfpyramidalem Deckel bekannt: Ein solches wurde einst in der Münchener Clemens-Sammlung aufbewahrt, und ein ähnliches (zwar kleineres) Exemplar ist im Dommuseum in Chur zu sehen. Auch das Kästchen im Wiener Kunsthistorisches Museum, welches vermutlich aus dem seckauer Kloster stammt, erinnert mit seinen die Einfassungsplatten ausfüllenden dreieckförmigen Knochenplatten an unseren Fund. 109