Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. A Szent István Király Múzeum Évkönyve. 28. – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1999)
Firstleiste 99 (Abb. 84, 85) Bei den bisher vorgeschlagenen Rekonstruktionen konnten einige der schönsten Reliefplatten nicht untergebracht werden. Die Wandplatte 83 mit dem Besuch des Priamos bei Achilles stellt vermutlich eine Frontplatte im Sockel einer Grabädicula dar, die mit den beiden seitlich zu ergänzenden Ecksteinen eine Breite von ca. 1,80 m (97 cm + 2 x 40 cm: 1,77 m) erreicht hätte. Da auf den Seitenflächen des Sockels die anderen beiden zu ergänzenden mythologischen Szenen angebracht waren, darf man auch mit einer gleichen Tiefe rechnen. In Stil und Größe würde hierzu die reliefierte Seitenwandplatte mit Bogenausschnitt (Seeungeheuer, Wassergottheit) passen. Zu den bereits rekonstruierten Adiculen 1 und 2 können diese Teile aufgrund des völlig andersartigen, klassisch geprägten Reliefschmucks nicht gehören. Die Motive der Weinlese scheinen weder zu den Seewesen noch zu den Szenen aus dem trojanische Krieg zu passen. Die Adiculen 2 und 4 sind zu klein, es ergibt sich daher eine fünfte Ädicula. Zugehörige Wandplatten fehlen. Der Dreifaszienarchitrav und die Deckenplatte 30 mit Zahnschnitt könnten ebenfalls mit der sehr gewählten Ausstattung dieses Grabdenkmals in Verbindung gebracht werden. Das Gebäude wurde von einem Satteldach abgeschlossen, zu dem vielleicht die Dachplatte 20 gehörte. Sie überdeckte mit einer zweiten, anschließenden Platte, die wegen des hakenförmigen Übertritts an einer Seite jedenfalls zu ergänzen ist, eine Fläche von 2,14 m Länge. Das Dach würde das Obergeschoß der Ädicula demnach auf jeder Seite um 17 cm überragen. Der mindestens 2,34 m lange First könnte vielleicht von der Firstleiste 34 bekrönt worden sein. 6. Nicht verwendete Einzelteile Glatte Seitenwandplatte mit Bogenausschnitt 173 (Wandbreite 60 cm) Säulchen 34 (D 12 cm) Die Seitenwandplatte mit Bogenausschnitt 173 findet keine Verwendung, da keine passenden Wandplatten vorliegen. Daraus ist zu schließen, daß noch mit einer weiteren prostylen Ädicula zu rechnen ist. 7. Datierungen Die einzige wirklich sichere Datierungsmöglichkeit für den vorliegenden Fundkomplex bezieht sich auf den Terminus ante quem der Erbauung der Stadtmauer von Gorsium. Wie erwähnt, wird deren Errichtung in die erste Zeit des Wiederaufbaus nach 290 n. Chr. gesetzt (Fitz 1996a, 19 f.). Soweit die Ädiculawände über Kapitelle verfügen, wirken diese relativ spät. Wie erwähnt, wären nach diesem Kriterium die Kapitelle der Seitenwandplatte mit den verselbständigten Blattüberfällen bereits ins 4. Jh. zu datieren. Da dies aufgrund der relativen Chronologie nicht möglich ist, bietet sich eine Datierung in die 1. Hälfte des 3. Jhs. an. Ähnliches trifft auch für das teilweise erhaltene Kapitell der Seitenwandplatte 59 zu. Die Bauglieder der korinthischen Kelchzone sind reduziert, die Caulesstämmchen stehen ohne statische Funktion starr gerade. Profilierte Bauglieder wie Gesimse sind nur schwer zu datieren. Wie mehrmals erwähnt, sind auch die Knickungen der Profile ein Anzeichen für eine Entstehung mindestens im 3. Jh. Durch die provinziellen Stilmerkmale der Reliefs sind auch diese nicht ganz leicht zu beurteilen. Man würde dazu neigen, die Priamos-Szene (83) und die rekonstruierte Ädicula 5 mit klassischem Reliefschmuck ins 2. Jh. zu setzen. Die Weinleseszenen und damit die Adiculen 1 und 3 scheinen aus der Zeit der Hochblüte der provinziellen pannonischen Architektur und Steinmetzkunst in der 1. Hälfte des 3. Jhs. zu stammen. Die Adiculen 2 und 4 wirken bereits durch ihre unkanonische Erscheinungsform ohne Sockelgeschoß stärker einheimisch und nicht sehr früh. Die Ädicula 2 wurde bereits aufgrund des Seitenwandkapitells in die 1. Hälfte des 3. Jhs. datiert. Diese Zeitsetzung dürfte auch für die Ädicula 4 zutreffen. Grabädiculen wurden im ganzen 2. Jh. (Nagy 1942, 477.) und wohl auch noch in der ersten Jahrzehnten des 3. Jhs. errichtet (Nagy 1971, 128.9). G. Erdélyi rechnet mit der Errichtung von größeren Grabbauten in der ersten Hälfte des 2. Jhs.( Erdélyi 1974, 76.) Die von P. Zsidi ergrabene und rekonstruierte Grabädicula ist in den ersten Jahrzehnten des 2. Jhs. entstanden (Zsidi 1997a, 255.), die benachbarten Grabumfassungen stammen aus dem 2. Jh. (Zsidi 1997b, 109, 142.). Vermutlich kann mit einer Laufzeit der Grabädiculen noch in den ersten zwei Dritteln des 3. Jhs. gerechnet werden. Viele der Ädiculawände und anderen Grabbaubestandteile aus Intercisa werden ins 3. Jh. datiert (Intercisa 1954, 200 ff). Das allmähliche Verschwinden von Grabädiculen kann auch in Zusammenhang mit den Bestattungsbräuchen gesehen werden. Der allmähliche Übergang zur Körperbestattung seit dem Ende des 2. Jhs. (Topái 1997, 307.) zog vermutlich automatisch einen Rückgang des Interesses an den vorwiegend zur Aufnahme von Urnen geeigneten Grabädiculen nach sich. Die im Ruinengarten des Aquincum-Museums nachgebaute Grabumfassung barg zwei Brandgräber vom Ende des 2. Jhs., was S. Garády als selten und außergewöhnlich bezeichnete (Garády 1934, 95.). Wenn die Brandbestattung auch zumindest in einzelnen Fällen bis in die 2. Hälfte des 3. Jhs. (Groller 1901.), ja sogar bis nach der Mitte des 4. Jhs. weiterhin ausgeübt wurde (Kandier -Zabehlicky 1993, 59 f. ), 40