Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. A Szent István Király Múzeum Évkönyve. 26. 1989-1992 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1997)
Tanulmányok – Abhandlungen - Kiss Attila: Die goldene Schildrahmen von Sárvíz aus dem 5. Jarhundert und der Skirenkönig Edica. p. 83–132.
angehörten, die mit Odoacer nach Italia zogen (Kiss 1979, 330, Anm.l; Kiss 1983, 127). Verfolgen wir nun diesen Gedankengang, so springt uns ein einziges Ding in die Augen: Unter den möglichen Eigentümern der angeführten archäologischen Funde kommen immer wieder die Skiren vor. So können wir nicht umhin, festzustellen: zwischen der in Rede stehenden, mit einfachen, rein geometrischen Motiven geschmückten Gruppe der von archäologischer Seite vom 3. Viertel des 5.Jh. datierbaren Granat/Almandin-cloisonné Goldfunde und den in den Quellen aus derselben Periode erwähnten Skiren ist irgenein Zusammenhang (skirische Goldschmiedekunst?) zu vermuten, doch existiert diese Verbindung wegen der geringen Zahl der Quellen nur auf der Ebene der Ahnungen, nicht aber der Beweisführung. Falls die Vermutung von L. Schmidt über Zeit und Ort des Todes von Edica stimmt (Schmidt 1941, 98), könnte von den möglichen königlichen Eigentümern des Schildes von Sárvíz mit größter Wahrscheinlichkeit Edica in Betracht kommen. 2. Wert des Fundes Meinen Berechnungen zufolge wurden zum Schild (eigentlich nur zum Schildrahmen) von Sárvíz Goldmengen von 700,24 - 933,23 g (Durchschnitt: 821,20 g) und 978 - 1284 (Durchschnitt: 1131) Stück Granatsteine verschiedener Form und Größe verwendet. Vergleichen wir nun diesen Wert mit den Goldtributen zu je 100 Pfund, die das Oströmische Reich nach 454 an die germanischen Königreiche des Karpatenbeckens abführte (Kiss 1981a, 149-150), so ist es sehr wahrscheinlich, daß nicht jeder König einen solchen Schild trug (von der angemessenen, zum Extra-wert des Schildes im Verhältnis stehenden, prunkvollen Kriegsrüstung, den Schnallen der Kleidung und dem Pferdegeschirr diesmal ganz zu schweigen!). Zur Zeit der Schlacht an der Bolia zählten die gentes der Sueben, Skiren und Sarmaten relativ wenige Mitglieder (die Sarmaten und Sueben sind nämlich in der Mehrzahl schon um die Jahrhundertwende ausgewandert!), ihre Könige konnten sich also, wenn überhaupt, höchstens nur an den Jahresgeldern von 100 Pfund beteiligen. Betrachten wir aber die Vorgeschichte, den früheren Lebenslauf der als potenzielle Schildbesitzer in Betracht kommenden König, so ist der Unterschied himmelschreien! Zwanzig Jahre vorher, als Rhetor Priskos in diplomatischer Mission an Attilas Hof weilte (449), bewegten sich weder die suebischen Könige Hunnimund und Halarich, noch der eine Sarmatenkönig Beuca auf einer Machtebene, die sie ins politische Blickfeld des Priskos - schon von Haus aus in protokollfragen durchaus bewenndert und auch in Attilas Residenz als genauer Beobachter bekannt - befördert hätte. Demgegenüber war Edica, der anhand der biographischen Angaben seines Sohnes Odoacer (PLRE, II, 791-793) in den angehenden 410er Jahren geboren wurde und 449 dem Ende seiner Dreißigerjahre nahte, "ein Vertraueter Attilas, bevollmächtigter Botschafter Attilas, sein Außenminister und Chef der Spionageabwehr, dazu noch ein heldenhafter Soldat und erfolgreicher Heerführer" (Bona 1973, 321). Im Hunnenreich, damals - 449 - auf dem Höhepunkt seiner Macht, ist Edica nach dem Thronfolger getrost als dritter oder vierter Mann anzusehen. In den 30-40er Jahren des 5.Jh. wurden den Hunnen zentnerweise Goldtribute gezahlt (Bona 1984, 271, Kiss 1986, 108), was seit 450 aufhörte (Maenchen-Helfen 1973, 182). Von dieser Menge fiel offenbar nicht wenig auch für Edica ab, der einer der getreuesten Vertrauten Attilas war und gerade während der Priskos-Mission den vom byzantinischen Hof gegen Attila angezettelten Mordanschlag enthüllte. Aufgrund dieses Reichtums und seiner Funktion unter Attila kann Edica - zur Zeit der Schlacht an der Bolia am Ende seiner Fünfzigerjahre - selbst in der post-Attila-Ära unter den möglichen Eigentümern des Schildes mit Abstand den ersten Platz einnehmen. 3. "Persönlichkeitsanalyse" Edica war ein fähiger Politiker: vor 453, unter Attila stand er im Machtgefüge des Hunnen-reiches an der Spitze. Es spricht für sein politisches Fingerspitzengefühl, daß er nach dem Zerfall des hunnischen Staates wiederum auf der Seite der Sieger landen konnte: in der Gepidenliga, angedeutet durch die Ansiedelung im Barbarium (Get., 275; Kiss 1983, 97-98) oder durch die Beibehaltung des dortigen Siedlungsgebietes, im Gegensatz zu den ostgotischen Verlierern, die um Einlaß in römisches Territorium baten. In der Attila-Ära gehörte er zu den hohen Repräsentanten jener Logades-Schicht, die sich laut Priskos in Gold kleidete (Priskos, frg. 8) und gewohnt war, ihre Macht mit Äußerlichkeiten (so auch mit Goldgegenständen) zur Schau zu stellen. Teils aufgrund der vor 450 erworbenen und auch weiterhin verfügbaren, gewohnten Galawaffen und teils aufgrund der Persönlichkeit Edicas halte ich für wahrscheinlich, daß gerade er jener König gewesen sein konnte, der seinen außergewöhnlich kostbaren Schild (offenbar mitsamt angemessener Rüstung und Kleidung) in die Schlacht an der Bolia mitgenommen haben dürfte. Im vorange-gangenen Krieg gegen die Goten haben die Skiren laut Jordanes eine katastrophale Niederlage erlitten (Get., 275-276), doch ist gleichzeitig auch der gotische "Oberkönig" Valamer gefallen. So war in der Schlacht an der Bolia auf beiden Seiten auch die Rache am Werk: die Skiren wollten die vernichtende Niederlage rächen, die Goten Valamers Tod. Von Edicas Söhnen, Odoacer und Hunvulf, ist in den Quellen nach 469 häufig die Rede, von Edica selbst aber gar nicht. So konnte denn L. 122