Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 12. 1971 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1972)

Irodalom – Beschprechungen - Balla Lajos: Mócsy A., Gesellschaft und Romanisation in der römischen Provinz Moesia Superior. XII, 1971. p. 239–240.

Buch finden wir zwar mehrere Hinweise auf die Wich­tigkeit der diesbezüglichen Untersuchungen, doch werden diese zugleich der lokalen Forschung des Karpatenbek­kens überlassen. Nun wäre aber eine umgekehrte Reihen­folge angebracht: Zuerst die Analyse, und dann erst kann, auf jener beruhend — die erfolgreiche Synthese aufgestellt werden. A. MÓCSY, Gesellschaft und Romanisation in der römischen Provinz Moesia Superior. Budapest 1970, Akadémiai Kiadó (Verlag der Ungarischen Akademie der Wissenschaf­ten), 284 S. Im vergangenen Jahrzehnt wurden in Ungarn mehrere synthetisierende Studien veröffentlicht, die die Fragen der Bevölkerung und Gesellschaft verschiedener Donau­provinzen, so etwa der beiden Pannonién und Dalma­tiens, in Einzelheiten behandelten. Zu diesen Werken, die sowohl inhaltsmäßig als auch in methodologischer Hinsicht besondere Aufmerksamkeit verdienen, gehört auch das Buch von András Mócsy. Über die „innere Geschichte" von Moesia Superior hatte der Autor bereits früher mehrere Abhandlungen publiziert, die in den wesentlichen Punkten gleichsam als Vorbereitung zur vorliegenden Zusammenfassung gelten dürften. In metho­dologischer Hinsicht ist das neue Buch von M. auch als eine organische Weiterentwicklung seiner Publikation „Die Bevölkerung von Pannonién bis zu den Markoman­nenkriegen" (Budapest 1959) zu betrachten. Da bis zur jüngsten Zeit keine monographische Zusam­menfassung über Moesia Superior geschrieben wurde und zudem auch zahlreiche Detailfragen der Geschichte dieser Provinz ungeklärt blieben, hatte M. eine ganze Reihe von Untersuchungen vorzunehmen, die zwar in keinem di­rekten Zusammenhang mit der gewählten Problematik standen, jedoch zum Studium des Fragenkomplexes der Gesellschaft und Romanisation einen geeigneten Rahmen boten. Das Buch von M. ist also nicht nur das erste Werk überhaupt, das die detaillierte und systematische Unter­suchung eines hochbedeutenden Problemenkreises in Be­zug auf die Donauprovinz unternimmt, sondern bedeutet in mancher Hinsicht über das Hauptthema hinaus eine ausschlaggebende Grundlage für die weiteren lokalten Forschungen. Im kurzgefaßten Vorwort umreißt der Verfasser die wichtigsten Zielsetzungen seiner Arbeit und deutet darauf hin, daß der Titel seines Buches seine Auffassung in Bezug auf die untersuchte Problematik nicht ganz genau wider­spiegelt. „Ich habe das Wort ,Romanisation' nur zögernd im Titel dieses Buches gebraucht, und möchte nachdrück­lich daraufhinweisen, daß ich Gesellschaft und Romanisa­tion als eng zusammengehörende und ineinander aufge­hende Aspekte behandeln will" (S. 7). Die Romanisation ist als die Gesamtheit all jener Prozesse zu betrachten, die von der Römerherrschaft innerhalb einer Provinz in Gang gesetzt wurden; das substantielle Ziel des Buches ist die Untersuchung der gesellschaftlichen „Aspekte" dieser Prozesse und hierzu die Ausarbeitung bzw. Anwen­dung von quellenkritisch-methodologischen Gesichtspunk­ten, die zuverläßlichere Ergebnisse versprechen, als ihre Vorgänger. Mit Recht betont hier M. den Grundsatz, wonach die Geschichte jeder Provinz von der Eigenart der Entwicklung, der Lage und der inneren Verhältnisse gekennzeichnet sei und die Forscher nur von der denkbar größten Komplexität der geschichtlichen Annäherung in die Lage versetzt werden, diese speziellen Wesenszüge aufdecken zu können. Dem Inhalt nach teilt sich die Arbeit in drei Hauptteile auf. Die ersten beiden Abschnitte — „Historische Geo­graphie der Provinz" (S. 9 — 46), „Einige Probleme der Militärgeschichte" (S. 47 —ßl) — bilden den allgemeinen Abschließend möchten wir uns B. Hansel anschließen und mit ihm unserem Bedauern Ausdruck verleihen, daß es ihm, trotz aller Bemühungen, nicht gelang das unga­rische Fundmaterial zu studieren. Er hätte es wohl not­wendig gehabt — und die ungarischen Forscher hätten ihn in seiner Arbeit gerne unterstützt. T. Kovács Rahmen. Dann folgen die auch in sachlicher und metho­dologischer Hinsicht wichtigsten Abschnitte: „Die Terri­torien der Provinz" (S. 62-160), „Die Gesellschaft" (S. 161 — 198), „Über einige Erscheinungsformen der Ro­manisation" (S. 199 — 250), „Zusammenfassung" (S. 251 — 256). Hochinteressant in Bezug auf die Methodik ist schließlich der Anhang: „Bemerkungen über die Klein­funde" (S. 257 — 260), „Grundsätzliches zur Inschriften­statistik" (S. 261-266). Es kann nicht unsere Aufgabe sein, im Rahmen dieser kurzen Rezension die zahlreichen Teilergebnisse von M. zu überblicken, zumal die systematische Kontrolle seiner einschlägigen Feststellungen an erster Stelle der örtlichen Forschung obliegt, die das Quellenmaterial genauer kennt. Wir wollen vielmehr unsere Aufmerksamkeit einigen Er­gebnissen von besonders allgemeinem Interesse widmen. Die gesellschaftlichen Aspekte der Romanisation wer­den in den Abschnitten „Die Territorien der Provinz" und „Die Gesellschaft" vor allem anhand des inschrift­liehen Quellenmaterials und der Untersuchung des Set­zens von Inschriften erläutert. Auf dem Gebiet von Moesia Superior sind insgesamt 13 munizipale Gemeinschaften nachzuweisen, die zum Teil aus civitates der Eingebore­nen und aus Bergwerkdistrikten entstanden und zum Teil von Anfang an Munizipien und coloniae waren. Die letz­teren entwickelten sich neben Militärlagern und infolge von Deduktionen. Die Feststellung bzw. Skizzierung der Ausdehnung dieser Territorien, die Klarstellung der Exi­stenz mehrerer Gemeinschaften und im allgemeinen das systematische Studium der Erlangung des Stadtrechts und der Verfassung ist den Forschungen von M. zu ver­danken. Während er die „innere" Geschichte der einzel­nen Territorien untersucht, rekonstruiert er das gesell­schaftliche Bild, die Entwicklung der „Romanisation" und ihre wahrnehmbaren Erscheinungen vor allem mit Hilfe der von Inschriftensetzung, den epigraphischen Denkmälern gelieferten Informationen. Die Untersuchung der Gesellschaft der Territorien ist also identisch mit der Untersuchung der „inschriftenstellenden Schicht". Hierzu bedurfte es selbstverständlich einer möglichst vollständi­gen Kenntnis des inschriftlichen Materials (der Verfasser beendete seine Materialsammlung im Jahre 1966) sowie einer gründlichen Analyse desselben, die alle, irgendwie nur möglichen Gesichtspunkte geltend macht. Innerhalb der Möglichkeiten bedient sich M. auch der Angaben der plastischen Denkmäler, Kleinfunde, usw. (Im großen und ganzen ist allerdings die Aufarbeitung der archäologischen Funde vom Moesia Superior noch Aufgabe der künftigen Forschung.) Auf diese Weise stellt sich ein Bild zusam­men — über die verschiedenen rechtlich-territorialen Distrikte bzw. Stadtgemeinschaften der Provinz, deren inschriftliche bzw. steinerne Denkmäler, die Aufteilung dieses Quellenmaterials nach Bestimmung, Fundort (Siedlung-ager) und Alter, die Typologie der Grabmäler, die ethnische usw. Zusammensetzung der epigraphisch­greifbaren Schicht bzw. der örtlichen führenden Schich­ten — , welches nicht nur von fast einmaliger Ausführ­lichkeit und Genauigkeit, sondern zugleich auch in metho­dologischer Hinsicht äußerst lehrreich und anregend ist. Dieses Studium der Informationen epigraphischer Denk­mäler lind, im allgemeinen, die in den betreffenden Ab­schnitten angewandte Methodik dürften einen hochbedeu­tenden Meilenstein in der Forschung der „Romanisation" und der provinziellen Gesellschaften sowie im Fortschritt der Untersuchungen bedeuten, die auf der geschiehtli­239

Next

/
Thumbnails
Contents