Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 12. 1971 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1972)

Irodalom – Beschprechungen - Kovács Tibor: B. Hänsel, Beiträge zur Chronologie der mittleren Bronzezeit im Karpatenbecken. XII, 1971. p. 237–239.

arbeitung im Jahre 1964 faktisch abzuschließen oder bis 1967 umzuarbeiten. Hochinteressant ist das Kapitel über die Terminologie der Aufteilung der Bronzéit. Auf der einen Seite (19.) betont nämlich B. Hansel erneut die Notwendigkeit einer selbständigen Chronologie des Karpatenbeckens, während er auf der anderen (20.) in der chronologischen Skizze von I. Bona (1958) u. a. beanstandet, bei ihm entspräche die mittlere Bronzezeit im wesentlichen der frühen Bronzezeit der Chronologie nach Reinecke. Viel schwerer wiegt der Fehler, den B. Hansel sowohl hier, als auch an anderen Stellen seines Buches begeht, indem er eines der wichtigsten Ergebnisse der ungarischen Bronzezeitfor­schung der letzten zwei Jahrzehnte außer acht läßt, daß nämlich die frühe Bronzezeit im Karpatenbecken nicht in der Periode A der Chronologie nach Reinecke, sondern wesentlich früher beginnt (vgl. T. Bona, N. К а 1 i с z, Or. Bandi). In bezug auf das hier erörterte chronolo­gische System möchten wir und einstweilen auf die Fest­stellung beschränken: Infolge teils des Gesagten und teils der Grundkonzeption des Autors ist es eines der streng­st en chronologischen Systeme, die für dieses Gebiet je erarbeitet wurden. Die Namenswahl (elanubianische Bronzezeit) ist unbedingt treffend, wiewohl nicht ganz neu, dürfte aber, in paradoxer Weise, gerade infolge des vom Autor verliehenen Inhaltes weder für die gegenwär­tige, noch gar für die zukünftige Forschung annehmbar sein. Sowohl an Volumen, als auch in bezug auf die aus­führliche Analyse der einzelnen Typen ist das umfang­reichste Kapitel des Buches den Bronzegegenständen ge­widmet. Der Reihe nach werden die einzelnen Geräte-, Waffen- und Schmucktypen behandelt. Infolge der tief­schürfenden typologischen Untersuchungen und der aus­gedehnten Materialsammlung ist jeder Teil eine eigene Miniatürabhahdlung, ergänzt durch die Zeichnungen der wichtigsten Fundgruppen und durch die Karten des Ver­breitungsgebiets. Aufgrund einer, im engsten Sinne des Wortes genommenen typologischen Untersuchung er­läutert der Verfasser formelle Beziehungen, die die ein­zelnen Typen vielfach miteinander verbinden. In dieser Beziehung werden uns zahlreich wichtige Beobachtungen präsentiert. Andrerseits ist das objektive Vorhandensein dieser Zusammenhänge in zahlreichen Fällen in Abrede zu stellen. Andere Gesichtspunkte der Forschung (eth­nische! Fragen, horizontale und vertikale Stratigraphie der Siedlungen und Gräberfelder) ergeben nämlich aus denselben Funden jeweils andere relative chronologische Schlußfolgerungen. Eine Vergleichsmöglichkeit steht der Forschung schon jetzt zur Verfügung — wir denken an das ähnlich aufgebaute Buch von A. Mozsoli es (erschienen 1967). Das Kapitel über Keramik beginnt mit einem, für uns sonderbar klingenden, aber zugleich vielsagenden Satz: „Beim Stand der heutigen Forschung ist es nicht mög­lich, ein geschlossenes Bild der keramischen Entwicklung im Karpatenbecken darzustellen." Unseres Erachtens wird auch der Stand der zukünftigen Forschung diese Möglichkeit nicht bieten, weil es eine „keramische Ent­wicklung", besonders in dem von B. Hansel gebrauchtem Sinne, einfach gar nicht gibt. In Wirklichkeit, befaßt sich der Verfasser in diesem Kapitel nur mit jenen Funden der verschiedenen Kulturen (ethnischen Gruppen), die er anhand der Metalle datieren kann. Seine Methode und schon gar seine Ergebnisse sind durchaus diskutabel und vielfach korrektionsbedürftig. Über die Einzelheiten möch­ten wir diesmal absichtlich keine Meinung äußern; un­terstützt von Beweismaterial gedenken wir dies an an­derer Stelle zu tun. Die Zusammenfassung zählt kurz — beinahe schon skiz­zenhaft — die vielseitigen Untersuchungsergebnisse des Autors auf. Zweifellos werden einige Grundsätze des relativen chronologischen Systems von B. Hansel noch viele Diskussionen veranlassen. Wir denken hier an die Bewertung der Schatzfunde des Typs von Apa und Hajdú­sámson, oder an die Einstufung des Schatzfundes des Koszider-Typs in zwei Perioden (161 — 163, 165). Wir möchten hoffen, daß die Veröffentlichung der im letzten Jahr authentisch freigelegten rund 2000 Gräber B. Hansel überzeugen wird, daß ein Teil der Hügelgrab-Population, che in einem beachtlichen Teil Westeuropas lebte, in den Karpatenbecken gelangte und sich dort niederließ (vgl. 165—166, 168). Ebenso dürfte er sich der unrichtigen Datierung der Gräberfelder von Piliny, Egyek, usw. bewußt werden. In B. Hansels Chronologie ist wohl der am undeutlichsten umgrenzte Teil die Periode MD IL Was spricht für ihre Trennung? Etwa das Verschwinden einzelner Schwerttypen und die anlaufende Herstellung anderer? Oder die Erscheinung der in der westlichen Hügelgrabkultur benützten Metalltypen im Karpaten­becken? Vermutlich die letzteren. Aber nicht ganz in der Weise und zum Zeitpunkt, wie es der Verfasser dahin­stellt. Wir möchten uns hier nur eine konkrete Richtig­stellung erlauben : In Keszthely wurden Hügelgräber und keine Flachgräber entdeckt ; der Tumulus von Nyírkarász hat nichts mit den Beisetzungen der Hügelgrabkultur zu tun . Sieht man von einigen geringen Mängeln ab, die sich aus dem Fortsehritt der Forschung ergeben, ist der II. Teil des Buches im großen und ganzen musterhaft zu nennen. Exakt und leicht zu handhaben beruht er — wie üb­rigens das ganze Buch — auf umfangreichen Vorarbeiten. Das hier nur kurz rezensierte Buch von B. Hansel möchten wir vielmehr als den Ausgangspunkt einer Dis­kussion, als eine reife, historisch-objektive Bewertung betrachten, die sich des ganzen verfügbaren Fundmateri­als bedient. Angesichts der chronologischen Ergebnisse scheint das Werk zumindest ebenso ein Nebengleis zu sein, wie die relative Chronologie von Ferenc Tompa im Vergleich zum System von V. G. С h i 1 d e. Warum? 1. Im Werk von B. Hansel können wir die unum­gänglich notwendige dialektische geschichtliche Betrach­tung selbst in Spuren kaum entdecken. Der Autor befaßt sich in seinem Buch nicht mit Gegenständen, die vom Menschen gemacht, benützt, versteckt oder ins Grab gelegt wurden, sondern mit, der korrelierten Chronologie 1 von Gegenstandstypen, die er vielfach aus den ursprüng­lichen Zusammenhängen herausreißt und gleichsam per­sonifiziert. Läßt man aber die gesellschaftlichen, wirt­schaftlichen und ethnischem Verhältnisse der Völker der Urzeit außer acht, kann sich nur ein typologisch konstrui­ertes chronologisches Gerüst ergeben. 2. Die positiven Ergebnisse der bisherigen Versuche zur Ausarbeitung einer selbständigen bronzezeitlichen Chronologie des Karpat enbeckons scheinen dem Verfasser volens-noiens entgangen zu sein (z. B. der frühere Beginn der Bronzezeit in Ungarn, die ethnische Erscheinung — nicht bloß die Wirkung — der Hügelgrabkultur im Karpatenbecken). 3. Ohne die vielseitig nachweisbaren und auch nachge­wiesenem Völkerwanderungen zu beachten teilt eler Ver­fasser ehe Bronzezeit eles Karpatembeckens lediglich nach elen Zusammenhängen der Gegenstaneistypen auf, wobei er vor allem elen für Mittel- une! Westeuropa ausgear­beiteten chronologischem Systemen übermäßige Auf­merksamkeit wielmet. 4. Es ist als ein schwerwiegender methodologischem Feier zu betrachten, daß eler Verfasser ehe Untersuchung eler kulturellen (ethnischen?) Einheiten — neben elen Metallen — auf die Untersuchung der „keramischen Ent­wicklung" reeluziert. Mit Metallen datiert er ehe aus ihren reellen Zusammenhängem herausgerissenen Fundgruppen. Innerhalb eles verfügbaren Materials läßt er vielfach elen relativen In forma tiemswert eler einzelnen Funde außer acht. Nach all elem ist nicht, überraschenel, daß sich der Verfasser keine Geelanken über elas Wirtschaftssystem eler einzelnen Völker macht; noch wird elanach gefragt, ob etwa ein Volk Metallgruben besaß unel sich demzu­folge eine eigenständige Metallbearbeitung entwickelte, oder mit welchen Waren und in welcher Richtung Han­del betrieben -wurde. Hätte B. Hansel sein Augenmerk auch auf eliese Fragen gerichtet, wären zahlreiche, schein­bar unlösbarem Probleme zu beantworten gewesen. Im 238

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