Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 12. 1971 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1972)

Tanulmányok – Abhandlungen. A Pannonia Konferenciák aktái, I. – Akten der Pannonia Konferenzen I. - Höckmann, Olaf: Andeutungen zu Religion und Kultus in der bandkeramischen Kultur. – Fejtegetések a vonaldíszes kerámia vallásáról és kultuszéletéről. XII, 1971. p. 187–209.

ANDEUTUNGEN ZU RELIGION UNI) KULTUS IN DER BANDKERAMISCHEN KULTUR Der Versuch, Aufschlüsse zu Religion und Kult­brauch einer Vorzeitkultur zu erhalten, stößt a pri­ori auf andersartige und größere kSchwierigkeiten, als sie sich bei der chronologischen Auswertung von Kera­mik oder anderen Realien ergeben : nicht allein ist die Zahl der auswertbaren Funde und Befunde unver­gleichlich geringer — so daß sich die Anwendung statistischer Methoden verbietet —, sondern noch schwerer fällt ins Gewicht, daß die Quellen durchweg nur auf dem Wege der Spekulation ausgeschöpft werden können und in der Regel mehr als eine Interpretation zulassen, die sich teilweise — so be­sonders im Falle der Grubenanlagen — nicht auf den Bereich des Kultischen zu beschränken brauchen. Wenn wir es wagen, eine Reihe von Gegenständen und Fundverbänden als religionsgeschichtliche Do­kumente zu interpretieren, so lag der Auswahl die Beobachtung zugrunde, daß ähnliche Objekte in an­deren, besser bekannten Kulturgruppen des Neolithi­kum als Utensilien des kultischen Bereichs ausge­wiesen sind; in anderen Fällen mußte als Argument ausreichen, daß manche Funde und Befunde — aus heutiger Sicht und daher zwangsläufig subjektiv — mit „praktischen" Aufgaben nicht befriedigend er­klärt werden können. Die Quellenlage ist also höchst unsicher. Da es ohnehin unmöglich ist zu ergründen, welche präzisen Vorstellungen die steinzeitliche Ge­sellschaft mit Gegenständen und Anlagen der hier zusammengestellten Arten verbunden hat, kann und soll sich die Ausdeutung nur auf den Versuch be­schränken, unter den möglichen Interpretationen die wahrscheinlichste zu finden. Wir können nur andeu­ten, welche Themen in Religion und Kultus der bandkeramischen Kultur eine Rolle gespielt haben. Unter dieser Bezeichnung werden im Einzelnen die linearkeramische und die stichbandkeramische Kul­tur mit ihren westdeutschen Entsprechungen, die Bükker Kultur und die Szakálhát-Gruppe Ungarns verstanden, während die Theisskultur als unabhän­gige Kulturgruppe aufgefaßt und hier nicht behandelt wird. Drei Arten von Quellen stehen zur Verfügung: Figuren und Gefäße, die offenkundig oder verhüllt die Form von Menschen oder Tieren erkennen lassen; Erdwerke und Grubenanlagen, die nach ihrer Be­schaffenheit oder nach Aussage der in ihnen ge­fundenen Gegenstände nicht befriedigend mit „pro­fanen" Aufgaben erklärt werden können; schließlich einige Zeichen aus dem Ornamentengut der Keramik, die wohl als Sinnzeichen gedeutet werden können, Chiffren für bestimmte Vorstellungen aus Religion oder Magie. Die dritte Gruppe überschneidet sich mit der ersten, so daß eine klare Trennung nicht durch­führbar ist, und wird mit ihr zusammen besprochen werden. Die erstgenannte Kategorie von Dokumenten (Liste A —H) stand unlängst im Mittelpunkt einer eigenen Untersuchung (1) . Seither wurde von beru­fener Seite der Idolcharakter der neolithischen Fi­guren aus Europa in Frage gestellt (2) , mit dem Argu­ment, daß im vorderasiatischen und ägyptischen Fundgut die ältesten Idole (Bilder menschengestal­tiger Gottheiten) erst am Beginn der frühdynasti­schen Zeit erschienen, d. h. in einem Zeitabschnitt, dem in Europa nicht das Neolithikum, sondern erst das jüngere Aeneolithikum entspricht. Angesichts des allgemeinen Kulturgefälles von Ost nach West sei es unwahrscheinlich, daß die europäische Menscheit bereits im Neolithikum zur Vorstellung von men­schengestaltigen Gottheiten und zu ihrer bildlichen Darstellung fortgeschritten sei. Dieser Einwand hat fraglos Gewicht; doch ist zu bedenken, daß die Ver­(1) Verf., JRGZM 12, 1965, 1 ff. (2) H. MÜLLER - KARPE, Handbuch der Vorge­schichte, Bd. II, München 1968, 392 ff. 187

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