Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 8.-9. 1967-1968 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1968)

Tanulmányok – Abhandlungen - Bakay Kornél: Gräberfeld aus den 10–11. Jahrhunderten in der Umgebung von Székesfehérvár und die Frage der fürstlichen Residenz. II. – A Székesfehérvár környéki 10–11. századi temetők és a fejedelmi székhely kérdése. VIII–IX, 1967–68. p. 57–84. t. VII–XXII.

4. eine feudale Herrenschicht als anspruchsvolle Ver­braucher. 1. Im Mittelalter wurden die ungarischen Könige in der Kirche „Mutter Gottes" zu Székesfehérvár gekrönt und zu Grabe getragen. Im Zeitraum 1038—1527 wurden hier 36 Könige gekrönt. 234 Obwohl der erste ungarische König István I. in der Kirchengruft bestattet wurde, wurde die Kirche erst seit Kálmán I. (1095—1116) als eine Be­gräbnisstätte der ungarischen Könige benutzt. 235 Wir wissen von 15 Königen, die hier begraben wurden. 236 Eine noch grössere Wichtigkeit erlangte die Stadt dadurch, dass auch die Krönungsinsignien (Krone, Krönungsmantel und Schwert ?) hier aufbewahrt wurden. 2. Die königliche Münzprägestätte war Jahrhunderte lang in Esztergom. Diese Tatsache kann als aus­schlaggebender Bewiss dafür gelten, dass Esztergom in den 10—12. Jahrhunderten bedeutungsvoller war, als Fehérvár. Dies wird erst dann besonders deutlich, wenn wir die Feststellungen G y. L á s z 1 ó's über die Münz­prägestätte des Fürsten Géza annehmen. 237 Die über­siedelte erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts nach Buda. 238 3. In Székesfehérvár sind nicht einmal Spuren eines zeit­genössischen königlichen Steinbauwerkes zum Vorschein gekommen, während in Esztergom bereits früh ein steinerner Wohnturm erbaut worden ist. Die ganze Siedlung Esztergom bestand sogar im 12—13. Jahrhundert vornehmlich aus Schilf- und Holzhäusern. Otto, der Bischof von Freising berichtete um die Mitte des 12. Jahrhunderts, dass die Häuser der Dörfer und Städte zumeist aus Schilf waren, Holzhäuser gab es weniger, und Steinhäuser sah man nur ganz selten, während man im Sommer in Zelten wohnte. 239 Die Häuser in den Vorstädten der anlässlich des Mongolensturmes befestigten Stadt Esztergom waren aus Holz (s. „Carmen miserabile von ROGERIUS, с 39—40.) Die neuesten Forschungen haben bewiesen, dass Teile der königlichen Burg von Esztergom bereits zu der Zeit des Fürsten Géza standen. 240 4. Wir haben schon früher betont, dass die Voraussetzun­gen, aufgrund deren die urbane Entwicklung möglich ist, der Handel und der Markt sind. 241 Im 11. Jahrhundert be­stimmte jeweils der König, wo die Kauf leute ihre Waren zum Kauf anbieten konnten und er bestimmte auch den Zeitpunkt des Warenaustausches. Die Kaufleute waren zollpflichtig, doch wurde ihnen dafür ein gewisser Schutz zugesichert. Der Ausdruck „forum Geysa" („Markt Géza's") belegt die Gesagten zur Genüge. Die Schrift­quellen bezeugen, dass es an zwei Orten „Géza's Märkte" gab, u.zw. in Buda, ungefähr dort, wo jetzt das sog. Kaiserbad (Császárfürdő) steht und in der Gemarkung des Dorfes Léi im Komittat Komárom, nördlich der 234 SZEGHALMY 1937 : 239. 235 DERÇSÉNYI 1943 : 37. 236 Di e Überlieferung berichtet, dass auch der Fürst Géza in Fehérvár be­stattet wurde. Aus den Denkwürdigkeiten der Helene Kottanerin. Leipzig 1864, 69. (Nach FITZ 1957 : 6., Anm. 9.) Diese Überlieferung kann nicht­authentisch bewiesen werden. 237 LÁSZLÓ 1963 : 382-397. 238 FÜGEDI 1964:779. Zolnay 1965:148-161. Auch von den ersten zunftmässigen Handwerkerverenigungen wurden zwei in Esztergom gegründet : die Zünfte der Münzpräger und der Fleischer. Cf. LEDERER 1928 : 639. азе MENDÖL MMT. I. 235. 240 Ausgrabungen von Emese Nagy. Vgl. PLEIDELL 1934 : 42. 241 Auch Gdansk (Polen) verdankte seinen Aufschwung dem Handel (See handel). KOROLJUK-MILLER-TRETJAKOW 1956:1. 35. Donau. Dieser Markt war aber überaus kurzlebig, weil der Ort abseits der grossen Verkehrswege lag. Dies lässt erkennen, dass das königliche Machtwort nicht genügte,, um einen Markt errichten und erhalten zu können. In den 11—12. Jahrhunderten war auch die Anwesenheit an­spruchsvoller Verbraucher die Voraussetzung eines gut funktionierenden Marktes. Dies waren vor allem die königlichen Residenzen, die auch von ausländischen Kaufleuten aufgesucht wurden. Deshalb entstand in der Nähe der königlichen Burg zu Esztergom die Wallonen­Kolonie, die älteste Handelsstadt Ungarns. 242 Auf dieser Grundlage ist auch Székesfehérvár — zwar später — zu einer Stadt aufgeblüht. Es soll hier ausdrücklich hervorgehoben werden, dass „wir die Verwaltungs- und Fernhandelszentren — wie wichtig sie auch sein mögen — nicht für Städte halten" 243 " wenn sie nicht durch die Arbeitsteilung gekennzeichnet sind. Esztergom und auch Székesfehérvár la­gen an Treffpunkten wichtiger Strassen, 244 sodass wir bei beiden Städten mit dem anregenden Einfluss des Handels rechnen können, doch entwickelen sie sich erst Jahrhunderte später zu echten, wirklichen Städten. Von den charakteristischen Merkmalen, die für eine frühe fürstliche, bzw. königliche Residenz bezeichnend waren, treffen drei bei der Stadt Esztergom zu: die Münzprägung, die günstige und wehrbare Lage und der lebhafte Markt. Dass in dieser Hinsicht Esztergom der Vorrang gebührt, wird auch aus den folgenden Angaben offensichtlich : 245 Die canonica visitatio des Jahres 1397 belegt, dass die nach dem heiligen Märtyrer Stephan genannte Kirche durch den Fürsten Géza gestiftet wurde. Doch ist dies keine zuverlässige Quelle. Aber es steht zweifelsohne fest,, dass István I. nicht nur Kirchen erbauen Hess, sondern u.a. Esztergom zur Residenz eines Erzbischofs auser­wählte. Anastasius, der „Erzbischof der Ungarn" empfing, bereits 1026 hier den Bischof Arnold als seinen Gast. Hier ist König István geboren, dessen Palast auf dem Burgberg stand. Schriftquellen berichten ausserdem noch : István liess den viertel Leichnam des aufrührerischen Koppány vor das Tor Esztergoms bringen; Csanád flüchtete zu König István nach Esztergom; das Haupt Ajtonys wurde in Esztergom auf einen Pfahl aufgepflanzt ; das Gesetz König Kaimans bestimmte, das die Steuern am St. Michaelis-Tag nach Esztergom eingeliefert werden mussten. Im 11—13. Jahrhundert galt auch im Ausland Eszter­gom als königliche Residenz. Cosmas von Prag (1045—21. Okt. 1125) der 1099 in Ungarn war, nannte Esztergom, die Stadt des Erzbischofs Seraphin (1100—1104) eine Haupt­stadt (urbs Strigonia). Konrad, Erzbischof von Salzburg, nannte sie 1131 eine „Metropole", Eudes de Deuil (Odo de Diogilo), der mit den Kreuzfahrern Ludwigs VII. durch Ungarn zog, schrieb: „auf der Donau gelangen die Schätze und 242 MÁLYUSZ 1953 : 128-129. 243 ELEKES 1964 : 100; cf. SZŰCS 1955 : 19. 244 MENDÖL 1963 :441. 245 Auch der klarsehende ungarische Historiker des vergangegnen Jahr­hunderts, Mihály Horváth hielt Esztergom für die,,Hauptstadt" des Königs István I. HORVÁTH 1860:1. 114. 79

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