Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)
Sona Švecová: Beitrag zur Konstruktion des Dachgerüstes in der Slowakei
ralellen Vorkommen beider Namen nicht ein unterschiedliches Dachgerüst. Im Zitava-Tal, wo der westslowakische Terminus krokva mit dem Namen roh, der dann ostwärts noch fortgesetzt wird, zusammenstößt, kommen beide Bezeichnungen für das Sparrendach zur Anwendung, das dort die einzige Konstruktion darstellt. Krokvy bedeuten dort Sparren, rohy Ecksparren am Walmdach. Es zeigt sich, daß die Termini krokva und roh zum Wortschatz, zu den lokalen Lexiken der slowakischen Mundarten gehören. Beide Termini trennen von Zitava- Tal den südlichen Teil der Slowakei in einen westlichen, wo der Terminus krokva verwendet wird, und in einen östlichen, wo der Terminus roh Verwendung findet. Man kann ihnen nicht eine Bedeutung beimessen, die Rofe und Sparren voneinander unterscheiden würde. Die Termine kluce, kozliny, lemäzy, die in den nahen slawischen Sprachen Rofe bedeuten, z. B. kluce und kozliny im Polnischen, lemëzy im Tschechischen, kennen wir in der Slowakei nur als Konstruktion, die die Dacheindeckung auf dem Dachfirst festigt, d. h. als äußere Rofe, die nicht tektonischer Bestandteil des Dachgerüstes ist. Nichtsdestoweniger erweitern auch diese Termini die Möglichkeit für Nachforschungen nach der weiteren Terminologie der Dachgerüste. Es fehlt nicht an einer sachlichen Grundlage. In der Slowakei haben sich archaische Formen des Sochadaches und auch des Sparrendaches erhalten. Ein altertümlicher Beweis für das Sparrendach ist das in der Südwestslowakei verbreitete Umgebinde. Das Umgebinde in der Südwestslowakei ist ein Beweis für eine eigenständige Konstruktion des Dachgerüstes. Wir bringen das Umgebinde bewußt wohl mit dem Dachgerüst, nicht aber mit der Konstruktion der Wände in Verbindung, da die Säulen das Dach unabhängig davon stützen, woraus und wie die Wände gebaut sind. Es können dies Lehm- und auch Holzbauten sein, aber das Umgebinde stützt immer das Sparrendach. Beim Rofendach wäre es sinnlos, da der Firstbaum mit seinen Stützen das Hauptgewicht des Daches trägt. Obwohl das Umgebinde eine von außen sichtbare Konstruktion ist, hat sie im slowakischen Volksmund keinen Terminus. Das Konstruktionswesen des Umgebindes beruht darin, daß die auf den Boden gestützten Säulen an den Hauswänden stehen und selbständig das Gewicht des Dachgerüstes tragen. Zum Unterschied von den verschiedenen Formen des Laubenhauses stützen sie nicht die Traufe, sondern das ganze Dachgerüst. In der Slowakei begegnen wir keiner Stützkonstruktion des Stockwerkes, das Umgebinde trägt das Dachgerüst ebenerdiger Häuser. Das Umgebinde in der Südwestslowakei unterscheidet sich in Konstruktion und Aussehen von jenem Umgebinde, das wir aus anderen Gebieten der Slowakei sowie aus anderen mitteleuropäischen Landschaften kennen. Der Großteil der mitteleuropäischen Umgebinde ist im deutschen Sprachraum verbreitet. Wir finden ihn im südöstlichen Thüringen, im nordöstlichen Franken und im Erzgebirge, zum Teil im Vogtland (Baumgarten 1985, 61). In Böhmen ist das Umgebinde im nördlichen und nordöstlichen Grenzgebiet verbreitet und reicht bis nach Mittelböhmen (Frolec—Vareka 1983, 168—169, 180). In der Oberlausitz verleiht das Umgebinde den Dörfern einen eigenartigen Charakter. In Polen befindet sich das zusammenhängende Gebiet des Umgebindes in Niederschlesien, reicht von dort bis nach Mähren, Enklaven sind in Ostpolen, in der Umgebung von Krakau, Rzeszów und in der Zips (Kotula 1957, 551—562; Mitobedzky 1947, 360—367). In der Slowakei kommt das Umgebinde außer im Südwesten, im Bereich der deutschen Besiedlung der Mittelslowakei (Kremnica) und der Zips (Ober- und Unterzips) vor. Die Konstruktionsgestaltung dieser Umgebinde ist nicht einheitlich, aber im allgemeinen anders als in der Südwestslowakei. In der Südwestslowakei fehlt die technische Voraussetzung dafür, daß die Säulen um das Haus, die den Umschrot stützen, durch schräge Streben (Bänder) die für die übrigen Umgebinde charakteristische ornamentale Einrahmung der Wände bilden. In der Südwestslowakei wird das Umgebinde so angefertigt, daß man auf die erbaute und eingedeckte Wände Querbalken legt, die von jeder Seite außen durch eine Säule gestützt werden. Die dortigen Einwohner betonen, daß die Querbalken nicht auf den Wänden, sondern auf den Säulen ruhen, beziehungsweise daß das Umgebinde das Dachsgerüst nicht auflockert, sondern trägt. Der erste Querbalken befindet sich über der Giebelwand, die weiteren in Abständen von 3—5 Metern. Sie ragen nur soweit heraus, daß die Säulen eng an den Wänden stehen, sonst würden sie nach den dortigen Ansichten hinderlich sein. Auf dieser grundlegenden Konstruktion ruhen die Längsbalken, auf die sich die Sparren stützen (Svecová 1960, 468—493). Eine solche Konstruktion bietet nicht die Möglichkeit, weitere Stütz- oder Zierelemente hinzuzufügen. Die Säulen sind voneinander verhältnismäßig weit entfernt, der Längsbalken liegt erst über den Querbalken, die die hinausragenden Sparren überdecken. Die schrägen Stützen haben keine Zweckbestimmung und keinen Raum. In der Südwestlowakei hält man auch die Säulen nicht für ein Zierelement. Sie stehen an den wänden unbehauen, von einem Stein unterlegt, größtenteils geweißt wie die Wände, mit denen sie möglichst wenig kontrastieren. Es ist dies ein merklicher Unterschied gegenüber den übrigen Umgebinden, wo die Säulen den Umschrot stützen mit einer regelmäßigen Verteilung schräger Bänder um einen kunstvollen Effekt hervorzurufen, der auch durch das natürliche Aussehen des profilierten Holzes oder Schnitzwerkes hervorgehoben wird, das außen die Hauswände umgibt. Die dortigen Einwohner betrachten das Umgebinde der Südwestslowakei nicht anders als eine Notwendigkeit in der 60 Abb. 5.: Detail des Umgebindes in der Zips