Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)

Antal Juhász: Beiträge zum Rauchfang und zur Heizvorrichtung der Küche des Bauernhauses auf der Grossen Ungarischen Teifebene im 18. und 19. Jahrhundert

diesen Orten allgemein verbreitet war oder nicht. G y ö r f­­f y stellte Anfang des 20. Jahrhunderts fest, daß die Groß­bank in der Mitte der Küche (pitvar) und die Bank vor dem Ofenloch am meisten im südlichen Gebiet des Komitats Hajdú bzw. im Komitat Bihar verbreitet waren.(28) Laut Imre Dankó wurde in den Dörfern von Südbihar „unter dem Rauchfang eine sg. Mittelbank gestaltet.“(29) Andere Ethnographen behaupten dies nicht, aber deuten an, daß die Mittelbank auf ihrem Forschungsgebiet ganz allgemein verbreitet war. Mit Hilfe neuerer Forschungen kann man keine Angaben mehr hierüber erhalten, die schriftlichen Quellen bieten nur mangelhafte Informationen über die Häufigkeit der Feuerstätten. 5. Der Mittelherd in der Küche (pitvar) wurde auch in Doboz (Komitat Békés) als Küche bezeichnet.(24) Nach den Ermittlungen von Béla G u n d a wurde auf der Mittel­bank im 20. Jahrhundert schon nicht mehr regelmäßig gekocht, ihrer Funktion nach war sie eher ein Ablageplatz für Brot. Aber z. B. bei einer Hochzeit, zu der man Essen in großen Mengen brauchte, wurde sie wieder in Gebrauch genommen. Wenn man nun die von Györffy, Dankó, Dám und F i 1 e p veröffentlichten Mittelbänke in Großkuma­­nien (Nagykunság), in Hajdúság, in Bihar und Szentes in Betracht zieht, kann auch festgestellt werden, daß sie in ihrer Form und Aufstellung einander ähnlich oder eben gleich sind. Im Donau-Theiß-Zwischenstromland wies die For­schung prismenförmige tischähnliche Mittelbänke auf (Quellenmaterial von Szeged aus dem 18/19. Jahrhundert aus Monor, Lajosmizse, Kiskunhalas, Kiskunmajsa),(25) die mit denjenigen jenseits der Theiß übereinstimmen, und auch andere von schmalerer und gegliederter Seitenwand (In Kecskemét, Szeged, Tápé).(26) Unseren Kenntnissen nach ist ihre ursprüngliche Verwendung nicht zu differen­zieren, es kann jedoch vorausgesetzt werden daß die Mittel­bänke im Donau-Theiß-Zwischenstromland nach der Ab­schaffung ihrer eigentlichen Funktion gegliedert und ver­ziert wurden. Dieser Voraussetzung widerspricht aber die Abbildung der Mittelbank aus Kecskemét von Jahre 1853 (Abb. 9.). Die Mittelbänke von prachtvoller Form sind mit der Entwicklung der bauernbürgerlichen Bewohner­schaft der Marktflecken im Donau-Theiß-Zwischenstrom­land, besonders mit der Entwicklung und dem Geschmack der Einwohner der „drei Städte“ (Kecskemét, Nagykőrös, Cegléd) in Zusammenhang zu bringen. In den Gemeinden des Donau-Theiß-Zwischenstrom­­landes waren die folgenden Bezeichnungen für die Mittel­bank gebräuchlich: Tischbank, Anrichtebank, Rundbank, Küchenbank und Großherd. Gemäß den Nachforschungen in Szánk (Komitat Bács-Kiskun) wurde die Mittelbank von den Familien aus Majsa am längsten aufbewahrt, und zur Hochzeits- und zum Schlachtfest gebraucht.(27) Kiskun­­majsa scheint ein Reliktort der Mittelbank zu sein, wo bis zu den 1960er Jahren dokumentierbare Stücke auf be­wahrt wurden. Es ergibt sich die Frage, wie häufig die Mittelbank in einer Gemeinde oder Region vorkommt, bzw. ob es an Die Feststellungen bezüglich des Ursprungs der Mittel­bank in der Tiefebene wurden in neuerer Zeit von István S z t r i n k ó untersucht. Seinen wahrscheinlichen Be­merkungen nach kann die Mittelbank für einen originären Feuerherd des Wohnhauses in der Tiefebene gehalten wer­den, es ist also kein Überbleibsel des Bauernofens fremder Herkunft. Zuletzt zieht er die Folgerung, daß es keine zuverlässige Anhaltspunkte dafür gebe, in welchem Maße und wie lange die Mittelbank in der Küche mit freiem Rauchfang verwendet wurdet30) Mit seinen Ansichten bin ich einverstanden und verbinde damit die Forderung, daß die Lösung dieser Frage auch die Ergebnisse der mittel­alterlichen Archäologie benötigt. Seit den Dorfgrabungen von László Papp und Kálmán Szabó bei Kecskemét wurde mitte'alterliche Materialer­schließung von Alajos Bálint, István Méri, Júlia Kovalovszki, András Pálóczi Horvát, Lász­ló S e 1 m e c z i und Katalin V á 1 y i in der Tiefebene vorgenommen.(31) Weitere Fortschritte sind von der Ver­öffentlichung ihrer Gräberfunde, von der Bearbeitung mehrerer bäuerlicher Gebäude aus dem 16/17. Jahrhundert sowie von der Erschließung schriftlicher Dokumente (Inventarien) zu erwarten. Die Zusammenarbeit von Ar­chäologen, Ethnographen und Historikern kann zu der Analyse der Entwicklung des offenen Feuerherdes in der Tiefebene wesentlich beitragen.(32) Die mittelalterliche Entwicklung des ungarischen Bauern­hauses wurde kürzlich anhand archäologischer und histo­risch-ethnographischer Fachliteratur von Iván M. Balas­­s a untersucht.(33) Als gutes Beispiel interdisziplinärer Forschungen kann die Arbeit von Klára K. Csilléry (24) Gunda 1935, 17. (25) Borzsák 1941, 211; Bárth 1974, 104; Tálasi 1977, Abb. S. 272—273; Sztrinkó 1986, 451. (26) Kubinyi-Vahot 1853, 120; Kovács 1901, 195. (27) Égető 1978, 166. (28) Györffy 1909, 68—70. (29) Dankó 1966, 1038—1079. (30) Sztrinkó 1986, 452—458, 466. Die Zurückführung der Mittelbank auf den viereckigen Bauernofen der Küche in Transdanubien wird von László Lukács widerlegt: Lukács 1982 154 (31) Papp 1931; Szabó 1938; Bálint 1962; Méri 1954; Kova­lovszki 1980. (32) Gutes Beispiel zu der Zusammenarbeit verschiedener Fach­wissenschaftler die interdisziplinäre Konferenz: Die Baukunst der Tiefebene (Nagykőrös, 14—16. Mai 1987). (33) K. Csilléry 1982. 135 Abb. 11.: Küche mit Mittelbänkchen, an der Wand irdene Teller mit Blütenverzierung, Apátfalva, 1966

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