Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)
Antal Juhász: Beiträge zum Rauchfang und zur Heizvorrichtung der Küche des Bauernhauses auf der Grossen Ungarischen Teifebene im 18. und 19. Jahrhundert
lántz kéménybe“).(16) Der Kochkessel wurde mit der Kette an eine Stange im Rauchfang gehängt und beim Kochen auf diese Weise gebraucht. Daran konnten sich die Älteren in den Gemeinden von Sárrét im Komitat Békés (in Doboz und Umgebung) 1934 noch erinnern.(17) Aus der Gemeinde Apátfalva (vor 1950 im Komitat Csanád, seitdem Csongrád) sind sogar zwei Darstellungen von der Mittelbank aus den 1920er Jahren auf uns gekommen. Die erstere gibt eine prismenförmige Mittelbank, ähnlich den Darstellungen der Grundrisse in Szeged Anfang des 19. Jahrhunderts und der Archivaufnahme aus Hódmezővásárhely wieder (Taf. II.: 1.), auf der anderen ist eine Mittelbank mit einer sich nach unten verschmälernden Form zu sehen, die eher mit denen in Szeged und Tápé übereinstimmt (Taf. II.: 2.).(18) Hinter dieser wurde ein Gewölbebogen vertieft in die Hinterwand der Küche gestaltet. Der Gewölbebogen war sehr häufig in den Küchen mit freiem Rauchfang in der Tiefebene zu finden. An dem Gewölbe wie an der Wand, die die Küche (pitvar) abteilte, waren irdene Teller und Schalen mit Blumenverzierung angehängt. Die Mittelbank wurde während meiner Sammelarbeit 1964—1973 im früheren Stadtgebiet von Szeged (in einem Bauernhof, der jezt schon der Gemeinde Zákányszék zugehört), in Tápé, Kiskunmajsa, Tömörkény und Apátfalva gefunden. In Tápé wurde nur eine einzige Küche mit einer Mittelbank in den 60er Jahren unseres Jahrhunderts noch aufbewahrt (Taf. II.: 3.), doch erinnerten sich an ihr Vorkommen Ende des 19. Jahrhunderts mehrere meiner Gewährspersonen. Und mehrere bezeichneten sie als Großherd. Wenn wir die berücksichtigen, daß die Sprache — wenn nur einige Zeit lang — das Andenken an die veränderte Lebensform und Arbeitsmethode bewahren kann (und das ist durch zahlreiche Ermittlungen der Sprachgeschichte und der vergliechenden Volkskunde bewiesen), können wir auch die Folgerung daraus ziehen, daß sich im Begriff Großherd die ursprüngliche Verwendung der Mittelbank und die Unterscheidung vom späteren Feuerherd erhalten hat. Die Volkssprache mag manchmal für sehr expressiv, in manchen Fällen für konservativ gehalten werden, es ist z. B., bekannt daß der Bauer auf der Tiefebene das Zimmer bis zu den letzten Jahrzehnten als „Haus“ bezeichnete. Die Bezeichnungen „Großhaus“ für das vordere, und „Kleinhaus“ für das hintere Zimmer waren sehr häufig. Die Mittelbank des Bauernhauses in Zákányszék entspricht in dem Maße derjenigen in Tápé, wie die Mittelbänke Anfang des Jahrhunderts in Szeged und Tápé einander ähnlich waren. Das Bauernhaus hatte sowohl in Tápé als auch in Zákányszék ein Zimmer (einen Bauernofen), und in der Küche wurde deshalb ein freier Rauchfang mit verengertem Kaminrohr errichtet. Von dem Unterzug bis zu der Hinterwand der Küche wurde ein Balken gelegt, und der freie Rauchfang wurde darauf gestellt. Ein Teil der Küche bei der Kammer hatte einen Dachboden. In Tömörkény (Komitat Csongrád) wurde eine Mittelbank in einem zweiteiligen Bauernhaus aus dem Jahre 1860 entdeckt. Die viereckige Bank von einer Tischgröße wurde an die Hinterwand gestellt, und von dem Besitzer Küchenbank genannt (Taf. II.: 5.). Über dem Ofenloch in der gesamten Breite der Küche befand Sich ein etwa 80 cm breiter Rauchabzug, und der größere Teil der Küche wurde schon vor Jahrzehnten mit einem Dachboden zugedeckt. Abb. 8.: Bauplan des Wächterhauses in Szeged—Ásotthalmi puszta, 1835 Auf der Bank links von dem Ofenloch war ein eingebauter Feuerherd, rechts ein kleiner Kessel (Abb. 19.). Auf diese Weise sind also in dieser Küche sogar drei Formen der bäuerlichen Heizvorrichtung in den letzten 100—120 Jahren wahrzunehmen. Die verwitwete alte Frau von 70 Jahren brauchte die Küchenbank also Ablageplatz: „Wenn ich abwasche, koche, den Teig knete, stelle ich alles darauf“, sagte sie. („Ha mosogatok, főzök, tésztát gyúrok, odatöszöm”). Ihre Schwiegertochter wollte sie mehrmals dazu veranlassen, die Bank abzureißen, aber die alleinstehende Bäuerin erlaubte es nicht. Ähnliches Verhalten ist in einer Familie in Apátfalva festzustellen, in deren Küche die Mittelbank noch erhalten war. Die Küche des Hauses mit zwei Zimmern hat einen Dachboden, und die offenen Feuerstätten vor den zwei Bauernöfen wurden teils durch Wand teils durch Kamintür abgesperrt. Diese Mittelbank stimmt in den wichtigsten Merkmalen mit denen auf den Archivphotographien aus Szeged Anfang des Jahrhunderts überein. An der Wand über der Mittelbank wurden bemalte irdene Teller angehängt. Die Überbleibsel des ehemaligen Mittelkochers passten in das bauernbürgerliche Milieu der rauchfrei gewordenen „warmen Küche“ bzw. des Vorraums hinein, ebenso wie in den Bauernhäusern von Szeged Ende des Jahrhunderts (Abb. ll.).(1#) Die Mittelbank in der Küche im südlichen Gebiet der Tiefebene konnte nicht erst in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts sondern schon in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den Relikten gezählt werden. Infolge der Umwandlung der Feuerstätte sowie des Umbaus der Küche wurde sie außer Gebrauch gesetzt, und ihre ursprüngliche Verwendung wurde vergessen. Es ist aber merkwürdig, daß die Mittelbank schon während früherer Forschun(16) Juhász 1985, 470. (17) Gunda 1935, 15—29. (18) Taf. II.: 2. wurde von dem Mitarbeiter des Archäologischen Instituts der Universität zu Szeged, von dem späteren Professor der Universität zu Budapest, János Banner photographiert. (19) Ebendas wird aus zwei Gemeinden vom Komitat Pest mitgeteilt: Borzsák 1941, 211. 133