Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)

Antal Juhász: Beiträge zum Rauchfang und zur Heizvorrichtung der Küche des Bauernhauses auf der Grossen Ungarischen Teifebene im 18. und 19. Jahrhundert

Abb. 7.: Bauplan der Körös-Schenke in der Flur von Szeged, 1832 die Küche einen Dachboden hat, obwohl über dem Ofen­loch vermutlich ein freier Rauchfang errichtet werden konn­te. (Dies wird auf dem Bild nicht gezeigt.) Die Mitteibank und der eingebaute Feuerherd wurden als Speicher ge­braucht; das bestätigt die Feststellungen von Kovács dahin­gehend, daß das kochen in die kleine Küche umgelegt wurde. 1908 wurden in der Gemeinde Tápé bei Szeged noch zwei ähnliche Küchen mit Mittelbänken abgebildet. (Abb. 11. Photographiensammlung des Museums Ferenc Móra Nr. 193, 196.) An der Hinterwand der Küche (in Tápé „unterer Teil des Rauchfanges“ kéményalja) wurde ein 10—15 cm breites Gesims in der Höhe von 80—90 cm gestaltet, in dessen Mitte ein Bänkchen von 25—30 cm Breite und 70—80 cm Länge hervorragt. Die zwei Mittel­bänke in Tápé sind weniger verziert als die in Szeged, aber ihre Seitenflächen sind gegliedert. Der Lehmverputz weist auf eine nachlässige hausgemachte Arbeit hin. Die Bilder bezeugen, daß die Mittelbank auch hier als Speicher ge­braucht wurde, und das stimmt mit den Ergebnissen, meiner Materialsammlungen in der 60er Jahren unseres Jahr­hunderts überein. In den meisten Häusern von Tápé wur­den die Mittelbänke in den 80/90er Jahren des 19. Jahr­hunderts noch aufbewahrt, aber für Feuerung und Kochen schon nicht mehr verwendet. „Das war ein Prachtstück, auf das man das Essen stellte, nachdem man es gekocht hatte.“ („Dísz volt az, ha megfőzték az ételt, odatötték.“ — teilte mir eine meiner Befragten mit (Frau von György Domonkos verw., géb. 1881).(14) Tápé ist eine derjenigen Gemeinden bei Szeged, die die Traditionen am meisten bewahren; sie konnte damit die volkstümliche Lebensform in den wichtigsten Zügen der Nachwelt überliefern. Das Kochen auf einer Mittelbank wird durch eine Abbil­dung aus Kecskemét vom Jahre 1853 dargestellt (Abb. 9.).(15) Die Feuerstätte ist ähnlich gegliedert wie die gezeig­ten Mittelbänke in Szeged und in Tápé. Nach Imre V a - hot wurde „die Bank, die Feuerstelle in mehreren Kü­chen von einer Form gestaltet, die einer Opferstätte gleich­kommt“. Diese Darstellung aus Kecskemét ist in mancher Hin­sicht von großer Bedeutung. In erster Linie muß betont werden, daß es die einzige zeitgenössische Darstellung ist, die uns die Anwendung der Mittelbank, die Art und Weise bzw. teilweise die Geräte des Kochens — lebensnah — vorstellen kann. Die Abbildung ermöglicht uns die Folge­rung, daß die Mittelbank in diesem Marktflecken in der Tiefebene zur Mitte des 19. Jahrhunderts für Kochen ver­wendet wurde. Das Bild mit seiner lakonischen Erklärung gibt uns leider keine Auskünfte darüber, wie oft diese Feuerstätte zum Kochen gebraucht wurde. Die Form und Gestalt der Mittelbank kann dem Forscher weitere Ver­gleiche ermöglichen; darauf komme ich noch zurück. In den Jahren zwischen 1900—1910 wurden in Hódmező­vásárhely von dem Photographen József Plohn mehrere Hunderte Aufnahmen von der volkstümlichen Lebensform gemacht. Auf einer seiner Photographien wird eine Küche mit freiem Rauchfang dargestellt, unter dem Rauchfang an der Hinterwand ist eine viereckige, prismenförmige Mittel­bank zu sehen (Taf. I. : 2.) Die Einordung und die Form ist mit denen in Szeged im 18. und 19. Jahrhundert überein­stimmend. Ihre Bedeckung ist ohne Zweifel gelehmt mit Tünche bestrichen, auf der rechten Seite ist eine Öffnung oder eine Vertiefung zu sehen, wo man den Heizstoff (Holz und Raffholz) hingelegt hat. Da es keine Anmerkun­gen zu den Aufnahmen von József Plohn gibt, sind wir betreffs der photographierten Gegenstände auf Hypothesen angewiesen. Plohn photographierte zahlreiche Bauernhäuser und Innengestaltungen, aber die Küche ist nur dieses eine Mal aufgenommen. Es läßt sich leicht denken, daß seine Aufmerksamkeit von dem Kunstmaler János Tornyai und seinen Freunden — die gemeinsam mit dem Ethnographen Lajos Kiss um 1900 die Sammlung des heimischen Museums begründeten — auf diese Bauernküche gerichtet wurde. Es konnte nicht bloßer Zufall sein, da József Plohn, der später von dem Volksleben und der Volkskunst in Hód­mezővásárhely eine Photographienserie zusammenstellte, eben diese Küche aufnahm! Er mag auch diese Küche An­fang des Jahrhunderts für ein Relikt, für ein Überbleibinsel der traditionellen Lebensform und des alten Kochens gehalten haben. Auf der Mittelbank sind zwei kleine irdene Töpfe (Leintöpfe ~ „vászonfazék“ bzw. „szilke“) und zwischen ihnen ein unbestimmbarer Gegenstand zu sehen. Der Topf mit einem Henkel auf der rechten Seite scheint ver­räuchert zu sein, wie diejenigen Töpfe, die auf einem offe­nem Feuerherd gebraucht sind (siehe Taf. L: 2.). Die Bäuerin neben dem Feuerherd hat irgendein Küchengerät in ihrer Hand. Da die Spuren der Feuerung auf der Mittel­bank nicht zu sehen sind, ist die Aufnahme für eine Art Rekonstruktion zu halten : die Bäuerin zeigte dem Photo­graphen, wie man früher auf dem Mittelkocher unter dem freien Rauchfang kochte. Hinter der Frau ist schon ein eingebauter Kessel mit einem Kochkessel aus Kupfer zu sehen, auf der linken Seite steht ein Feuerherd vor dem Ofenloch. Die Küchenwand über diesen Feuerstättem ist schwarz vor Ruß was von ihrem täglicher Gebrauch zeugt. Es ist auffallend, daß an der Seitenwand des Gewölbebogens unter dem Rauchfang ein Kochkessel hängt. Der Koch­kessel wurde nicht nur im freiem, sondern auch auf der offenen Feuerstelle im Hause verwendet. 1817 wurde in der Küche des städtischen Wohnhauses eines Bürgers von Sze­ged ein Kupferkessel an einer eisernen Kette inventarisiert. Im Kücheninventar des Quartiers derselben Person ist angegeben: „Ein Stück Kette im Rauchfang“ („Egy darab (14) Juhász 1970, 170-171 ; Juhász 1971, 463. (15) Kubinyi-Vahot 1853, 120. 132

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