Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)

K. Gschwantler: Eine bronzene Eberstatuette aus Enns-Lauriacum

wir eine kleine, bisher impublizierte Statuette aus Privat­besitz anschließen, die am Zollfeld in Kärnten um 1975 aufgelesen wurde (7a/. XXXVI, 2)(6). Sie ist, trotz ihrer Kleinheit (L. 5,3 cm; H. 2,6 cm) und der starken Stilisierung, die auf alle Details (Augen, Maul, Hauer, Geschlechtsor­gane etc.) verzichtet, nicht uninteressant : Haltung, Kontur der Rückenlinie und die kurzen, aber stämmigen Beine erinnern an die Ennser Statuette(7). Aus Österreichs näherer Umgebung stammt der Eber vom Gutenberg bei Balzers (Taf. XXXVI, 3; Vaduz, Liechtensteinisches Landesmuseum — Merhart 1933 ; Wyss 1978; Pauly 1980, 177, Abb. 94; Die Kelten 1980, 245— 246, Nr. 76) der in der Gesamtform und im gezähnten Kamm einem sehr kleinen Vertreter dieser Gattung aus dem Nonstal im Trentino (Taf. XXXVI, 4 (Tiroler Landes­museum Ferdinandeum — Walde-psenner 1976, 214, Nr. 79) verwandt erscheint/8) Dazu kommt noch ein Eber aus Lindau am Bodensee (Bayern; Taf. XXXVII, 1 Prähistoriche Staatssammlung München, Inv. E 1969, 52 — Dannheimer 1976, 19, 81, Nr. 116), also aus dem un­mittelbaren Grenzgebiet zu Vorarlberg. Zu den bekannten böhmischen Statuetten aus Sarka (Prag, Narodni Muzeum — Duval 1977, 1962, 268, Abb. 367), Tábor und von Hradiste bei Stradonice (Pic 1906, Sp. 68, Taf. 20, fig. 21 vgl. Forrer 1907, Fig. 165) hat sich von letzterem Fund­ort ein schon lange verschollenes Stück zumindest in der Photographie einer Zeichnung, die sich im Besitz der Abb. 1: Gallisches Feldzeichen vom Bogen von Orange (Zeichnung A. Pacher) Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien befindet, wiedergefunden (Abb. 2): ein kräftiger Eber mit erhobenem Kopf und hohem Borstenkamm (L. ca. 8,4 (6) Im Besitz des Finders, St. Allerbauer, Straßhof, dem ich für die Publikationserlaubnis herzlich danke. (7) Der Kamm reicht von der Stirn bis zum knopfförmig gebil­deten Schwanz, ist aber hinter den Ohren durch eine Kerbe vom übrigen Teil abgesetzt. Auf dem Rüssel ist ein linea­res Muster eingraviert, am linken Hinterbein fünf waag­rechte Striche. — Eine weitere] kleine, in den kontúrén ähnliche Statuette aus Flavia Solva (L. 4,6 cm) befindet sich im besitz von H. Nowak, Wien. (8) E. Walde — Psenner hält die Statuette für weiblich, doch fehlt auch die Angabe weiblicher Geschlechtsorgane. Die oft sehr stark stilisierten keltischen Statuetten stellen m.E. ausnahmslos männliche Tiere, also Eber dar. Als weiblich mißgedeutet wird auch die Statuette aus der Coli. Forrer, abgebildet bei Forrer 1907, 194 Fig. 165 („der weibliche Geschlechtsteil als durchschnittener Buckel stark angedeutet” ist falsch, es sind vielmehr die Hoden des Ebers). cm; H. ca. 5,3 cm(9). Abb. 2 Die Liste der hier zu Ver­gleichszwecken angeführten Eberstatuetten ist keineswegs vollständige10 *), aber, was den Typenvorrat angeht, sicher re­präsentativ. Was hat nun der Ennser Eber, der zu den größ­ten seiner Art zählt(u), mit diesen gemeinsam und was unterscheidet ihn? Die stärkste Gemeinsamkeit liegt im Borstenkamm, bei dem, wie wir gesehen haben, die Band­breite der Varianten sehr groß ist. Für den in der Mitte sattelartig eingesunkenen Kamm bieten die Eber der Feld­zeichen auf dem Bogen von Orange (Abb. 1) und der kleine Eber vom Zollfeld (Taf. XXXVI, 2) die besten Parallelen. Das zweite, oben genannte Charakteristikum, das nicht nur für keltische Eberdarstellungen, sondern allgemein für laténezeitliche Tierstatuetten postuliert wird, vermißt man jedoch am Ennser Eber völlig: den schlanken Leib mit der eingezogenen „Taille“, der auf ebenfalls schlanken, langen Beinen ruht, die auffallend steif wirken. Der Raum zwischen Vorder- und Hinterbeinen erhält dadurch annähernd die Form eines Rundbogens. Die Ennser Statuette ist im Ge­gensatz dazu massig und gedrungen, die untere Körperlinie bildet nahezu eine Gerade, die Beine sind zwar ebenfalls, steif, aber kurz und walzenförmig. Welche Schlüsse kann man aus diesen Diskrepanzen ziehen? Abb. 2: Eber vom Hradiste/Stradonice (Wien, Naturhistorisches Museum, Prähist. Abt. [Statuette­verschollen]). (9) Die Statuette gelangte aus der Sammlung Grosse in die Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien (Inv. 5037) und wird schon von Piö 1906 als verschol­len genannt. — Für die Publikationserlaubnis des Photos danke ich W. Angeli (Photomappe „Photographien nach Zeichnungen der Sammlung Grosse“). (10) z.B. aus der Schweiz zwei Statuetten vom Lindenberg bei Winterthur (Grabfund), aus der BRD eine aus dem Oppi­dum Altenburg (Gern. Jestetten) : Wyss 1978,162 Abb. 2—4; aus Frankreich fünf: L’art 1983/84 Nr. 246 (Viek Evreux L. 5 cm); 247 (Fo. unbekannt, L. 4 cm): 248 a—c (Forêt de Liverdun et Hérapel, L. 4—3,9—5,1 cm); In Schweizer Privatbes.: Dórig 1975, Nr. 367 (L. 19 cm). (11) Die Längenmaße (soweit greifbar) der hier zum Vergleich herangezogenen Statuetten in Zentimetern; die Eber von Neuvy-enSullias fallen mit einer Länge von 0,44 m—1,21 m aus dem Rahmen. Sarka 11,5— Bâta 10,9 — Enns 9,7 — Luncani 9,6 — Bierlingen-Neuhaus 8,4 — Stradonice 8,4 — Hunslow 8 — Rainberg 6,5 — Gurina 5,9 — Gutenberg /Balzers 5,6 — Zollfeld 5,3 — Nonstal 3,45. 73

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