Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)
E. Künzl: Einige Bemerkungen zu den Herstellern der römischen medizinischen Instrumente
(Vulpes 1847). Besser steht es mit den Sepulkralfunden, die sowieso ein ganz wichtiger Pfeiler aller typologischen Interpretation römischer Medizingeräte sind (Hassel—Künzl 1980; Künzl 1982). Zahlreiche Grabfunde bieten die Möglichkeit, komplette antike Instrumentarien wiederzugewinnen. Aus Milos (GR) stammt ein Grab etwa des 1. Jahrhunderts n. Chr. (jetzt Athen, Nationalmuseum) mit vier Skalpellen, ferner zwei Pinzetten, einem Haken, einer Nadel und einem Löffel (Martin 1955 ; Künzl 1982, Achaia 1 ; Abb. 1). Diese Instrumente sind zum größten Teil so prägnant profiliert, verraten demnach so deutlich die einheitliche Werkstatt, daß man diesen Befund auch auf das übrige Instrumentarium übertragen kann. Damit beweisen wir allerdings nur eine Selbstverständlichkeit: die römischen Werkstätten boten ganze Instrumentarien ihren Kunden an, wahrscheinlich oft auch gleich mit einem Kästchen aus Holz oder einem Lederetui. Ein schönes Lederetui mit dem kompletten Satz von Instrumenten fand man im Grab von Wehringen (D) aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. (Nuber-Radnóti 1969, 34; Künzl 1982, Raetia 2). Manchmal findet man auch Spuren von Holzkästchen, welche als Instrumentenbehälter gedient hatten. Die aus toreutischen Gründen für komplett zu haltenden Grabfunde will ich hier nicht im einzelnen behandeln. Nur ein besonderer Fall sei erwähnt, das Grab von Aschersleben (DDR; Taf. XXIX), welches bisher ein Unikum ist, da es sich um römische Instrumente jenseits des Limes in der Germania libera handelt (Grimm 1936; Laser 1965; Künzl 1982, Germania libera 1). Die Instrumente sind hervorragend gearbeitet. Einige tragen einen charakteristischen Akanthusdekor, der sie als Erzeugnisse einer bestimmten Werkstatt ausweist, ohne daß wir diese lokalisieren könnten. Das Motiv des Akanthus ist sonst selten zu sehen, es beschränkt sich anscheinend bevorzugt auf die Griffe gynäkologischer Specula wie die Exemplare aus Pompeii (Vulpes 1847) und Mérida (Künzl 1982, Hispania Lusitania 4) zeigen. — Das Grab von Aschersleben gehört bereits in das 3. Jahrhundert n. Chr., die Instrumente können aber ohne weiteres etwas älter sein. Wer immer der Arzt gewesen sein mag, der dort gestorben ist, er hat sich auf jeden Fall ein komplettes Instrumentarium im Römerreich besorgt oder schicken lassen. Unter den dekorierten Skalpellgriffen, die ein weiterer Punkt sind, an denen man mit den Mitteln stilistischer Interpretation etwas erreichen kann, ragt besonders auffällig eine kleine Gruppe heraus, die sehr gleichartig mit Ornamenteinlagen verziert ist: — Taf. XXX. I : Fundort : Worms (D). Worms, Städtisches Museum. Zwei Skalpellgriffe aus Kupferlegierung und aus Eisen, mit Einlegearbeiten in Silber und Kupferlegierung. Künzl 1979/1981, Nr. 3/4; Künzl 1982, Germania superior 1. Das größere Skalpell ist ein Grabfund. — Taf. XXX. 2: Fundort: Köln (D). Köln, Römisch—Germanisches Museum. Grabfund. Zwei Skalpellgriffe, ferner Pinzetten, Haken und Sonden. Kupferlegierung mit Silbereinlagen. Dollfus 1958, 646—647 Fig. 4; Künzl 1982, Germania inferior 5. — Abb. 2' Fundort: Constanta (R). Constanta, Nationalmuseum. Grabfund. Skalpellgriff sowie drei weitere verzierte Instrumente. Kupferlegierung mit Silbereinlagen. Bucovalä 1977, 93—94 Fig. 1—6; Künzl 1982, Moesia inferior 1. Abb. 1: Milos (Nach Martin, Ca. 1 : 2) •— Abb. 3: Fundort: Saint-Privat d’Allier (F). Le Puy, Musée Crozatier. Grabfund, 3. Jahrhundert n. Chr. Zwei Skalpellgriffe, Kupferlegierung mit Silbereinlagen, Teile eines Instrumentariums aus acht Objekten. Védrènes 1876 Taf. 4; Deneffe 1896 Taf. 5; Künzl 1982, Gallia Aquitania 3. — Fundort: Rom (I). London, British Museum. Kupferlegierung mit Einlagen. Bliquez 1981, 12. — Fundort : Saône-Tal (F). Saint-Germain-en-Laye, Musée des Antiquités Nationales 79.277. Kupferlegierung mit Dekor. Unpubliziert. Charakteristisch für diese Motive sind eine Mittelachse und dazu symmetrisch ein sich teilweise wiederholender Dekor aus Punkten, Kreisen mit Pelten und Kreisen mit Segmenten und eingeschriebenem Quadrat mit konkaven Seiten. Die Erfindung ist bemerkenswert einheitlich bei all den Funden zwischen Gallien und Germanien auf der einen Seite und Moesien auf der anderen. Ich vermute, daß dieser elegante Dekor hauptsächlich für chirurgische Skalpelle erfunden wurde, obwohl er auch (seltener) auf anderen Instrumenten auftaucht. Die Quelle werden wir in einem Atelier im Italien des 1. Jahrhunderts n. Chr. suchen müssen, zumal wir ähnliche Schmuckleisten auf Wänden des dritten Stils wiederfinden, z. B. im Haus des Spurius Mesor (Pompeii VII 3, 29; Bastet—De vos 1979, Taf. 47). Ich sehe hier vorläufig eine Erfindung der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., wobei wir uns nicht wundern dürfen, daß solche Griffe noch in Gräbern des 3. Jahrhunderts auftauchen (Abb. 3): Die Klingen dieser Skalpellgriffe waren auswechselbar, man konnte die Messer also lange in Gebrauch halten. Ich möchte hier auch nur andeuten, daß die dekorierten Skalpellgriffe auch in einem anderen Rahmen gestellt werden können. Wir finden nämlich gerade an Messern und Messerteilen auch sonst in der frühen Kaiserzeit mehr Dekor als an anderen Geräten. Erinnert sei nur an die bekannten tauschierten Dolchscheiden (Exner, 1940, 60