Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)

H. U. Nuber: Römische Metallklapptische

(vgl. Erdélyi 1931, 24 mit Abb. 15) noch keine sehr weit führenden Erkenntnisse; dasselbe gilt für die Tierfüße mit Raubtierkopf, wie sie die Dreifüße von Környe ober So­modorpuszta zieren. Offenbar gehörten beide Ausbildungen zum Standardrepertoire gallischer Hersteller. Doch gibt es auch solche, die enger zu fassen sind. Über die vorsichtigen Andeutungen von Horn hinaus, der die weitgehende Übereinstimmung dreier bacchischer Aufsatzbüsten aus Nie­dergermanien erkannt hat (Horn 1972, 167) — inzwischen ist eine vierte aus Privatbesitz bekannt geworden (frdl. Hin­weis von P . N o e 1 k e , Köln) — möchte man die weitge­hende Identität der Stücke und ihre geringe Fundstreuung doch im Sinne einer Werkstattlokalisierung werten (Nuber 1979, 3). Neben der eigenwilligen Ausgestaltung dieser Büsten — Dionysos mit Trauben und naschendem Hasen im Gewand­bausch — sind es die Haken, welche die Form einer Blüte haben, eine ganz singuläre Eigenheit. Normalerweise sind die Haken kantig und glatt und ohne Verzierung gestaltet, nur an späten Exemplaren tauchen fingerförmige Ausbil­dungen auf (Nuber 1979, 3 mit Anm. 18). Doch gibt es auch unter den kantigen Haken Unterschiede. So verbreitert sich bei einer Gruppe aus der Nordschweiz der Haken in Richtung der Auflage: den Winkel vom waagrecht abste­henden zum senkrechten Teil ziert eine Kerbe(13). Auch aus Brigetio (Ószőny) gibt es drei Aufsatzbüsten mit derartig gestalteten Haltevorrichtungen (Taf. XXVIII. 1—2,4 ; UngNatMus Inv. 4.1933.25a.b.d). Die Beachtung solch nebensächlich wirkender Einzelheiten kann zukünftig die Frage der Werkstätten einengen helfen. Eng verbunden mit dem Problem der Werkstattfragen ist das der Datierung. Der allgemeine zeitliche Rahmen spannt sich von der Zeitenwende (Hildesheim) bis ins späte 4. Jahrhundert (Polgárdi). Belege für frühere (hellenistische) Faltdreifüße sind nicht bekannt. In diesem Punkt gilt noch immer die Feststellung Wuilleumiers, daß es sich bei den Klappgestellen um eine römische Erfindung han­delt (1928, 149) (14). Hinsichtlich der weiteren zeitlichen Untergliederung steht man mit der Mehrzahl der Dreifüße bzw. deren Fragmente vor denselben Schwierigkeiten wie bei den figürlichen Bronzen im allgemeinen, wenn nicht technische Merkmale (siehe oben) oder eindeutige kunst­geschichtliche Indizien, wie Frisuren(15), Schmuck)16) oder anderes Beiwerk)17) Anhaltspunkte liefern. Verläß­(13) Kaufmann—Heinimann 1977, 120 f. Nr. 189 Taf. 120 f. (Tripusaufsätze aus Augst in Form der bekannten Bacchus­büsten) und ebd. 121. Nr. 190a, Taf. 123 (Attisbüste aus Munzach). Denselben Haken weist auch der Dreifuß aus Nocera auf (Boube—Piccot App. II A Nr. 3). (14) Vgl. auch ibid., 78 mit Anm. 178. — Mit dieser Ansicht gerät man in einen Gegensatz zu älteren Lehrmeinungen und dem Rekonstruktionsvorschlag, den E. Künzl vor einiger Zeit für die Aufhängung des Silberbeckens aus Es Soumäa vorgebracht hat (Künzl 1979, 300 mit Abb. 176). Grundsätzlich ist zu fragen, ob die Anbringung der vier Ringhenkel nicht spätere Zutat ist, um eine den Nomaden geläufige Aufhängung zu ermöglichen. (15) Ein aus Kleinasien stammender, eine Zeitlang im Kölner Kunsthandel und jetzt im dortigen Röm.-Germ. Museum befindlicher Dreifuß zeigt weibliche Aufsatzbüsten mit aus­geprägter Scheitelzopffrisur, die das Stück in das späte 3. Jahrhundert verweisen. liehe und objektive stilistische Kriterien für die zeitliche Einordnung zeichnen sich bisher kaum ab. Eher eine Aus­nahme ist die Erkenntnis, daß Szenen oder Ganzfiguren, anstelle der geläufigen Büsten, ein Indiz für Spätdatierun­gen bilden (Nuber 1979, 3). Die Fundumstände der meisten Stücke sind nicht über­liefert; die gesicherten verweisen mehrheitlich in die erste bzw. zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts. Im Regelfall erhal­ten wir Datierungstermini ante quem, die im Einzelfall, scher weit nach der Entstehungszeit des Tripus liegen kön­nen, wie beispielsweise in den Gräbern von Ballana, wo die Dreifüße offenbar 200 Jahre alt waren, bevor sie ins Grab gelangten (Kent Hill 1951, 345 f.). Abschließend sei noch eine weitere Frage gestreift, nach der Verwendung der Klappgestelle. Im allgemeinen werden sie als TrägerfürRäucher- und Wasserbecken, Platten o.ä. interpretiert. Aus den Vesuvstädten sind mehrfach Abbil­dungen von Gestellen mit verschiedenartigen Einsätzen oder Auflagen veröffentlicht worden (z. B. Tárbeli 1909, Abb. 25,26, 28). Es besteht jedoch keine ausreichende Ge­wißheit, inwieweit diese Einzelstücke ursprünglich zusam­mengehörten und nicht erst für spätere Ausstellungszwecke vereint wurden. Vollständige Dreifüße kommen außerhalb der Vesuvstädte seltener in Siedlungen, dagegen häufiger in Gräbern vor. Gehörten die Dreifüße zur primären Aus­stattung des Scheiterhaufens, reduziert sich der Erkennt­niswert natürlich. Aber auch bei unversehrten Stücken — z. B. aus den pannonischen Wagenfunden — ist bisher kein gesicherter Fundzusammenhang zwischen Gestell und zugehörigem Einsatz nachgewiesen worden (18). Über die zugedachte Funktion im Grab vermögen indessen Grab­steindarstellungen Auskunft zu geben, die den Gebrauch unserer Tripustypen als Tische beim Mahl zeigen, so z. B. in Bonn (Bauchhenss 1979 Nr. 36), Neumagen (v. Massow 1932 Nr. 12 und 310) ober Augsburg (Nuber 1977 Nr. 9). Leider liegt im Normalfall eine Tischdecke über dem Gan­zen, die es verwehrt, Einzelheiten im oberen Bereich zu erkennen. In der Forschung gilt vor allem ein bestimmter Becken­typ (Radnóti 1938 Nr 62; eggers 1951, Nr. 79 ff.), steil­­vvandig mit drei Ringhenkeln, als Standardeinsatz für die Dreifüße (Vierck 1970, 10 ff.). Diese auf den ersten Blick fast zwingend erscheinende Kombination kann kaum All­gemeingültigkeit beanspruchen, denn die Becken werden (16) Eine jugendliche Aufsatzbüste aus Trier (Menzel 1966, 116 f. Nr. 283 Taf. 90) trägt eine Bulla mit Christogramm um den Hals, was für eine Entstehung im 4. Jahrhundert spricht. (17) Auf dem Wiesbadener Dreifußfragment (Nuber 1979, Taf.) ist neben einer Venusstatuette ein Perlrandbecken zu erken­nen ; ein Gefäßtyp, bzw. eine Randverzierung, die ebenfalls ins 4. Jahrhundert verweist. (18) Auch im Falle von Hildesheim (vgl. Anm. 2) hat man die beiden Einzelteile, Platte und Gestell erst später zugeordnet. — In diesem Zusammenhang sei die Vermutung geäußert, ob nicht auch die großen Platten aus dem spätantiken Sil­berfund von Kaiseraugst (Laur—Belart 1963, 14 Nr. 2 Abb. 7 „Meerstadtplatte“ oder 22 Nr. 6) dazu dienten, in Dreifüße gesetzt zu werden; vgl. dazu die Darstellung auf dem Mittel-Medaillon der ebenfalls in diesen Rahmen gehörenden Platte aus Cesena (Strong 1966, 195 Taf. 58 A-B). 55

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