Fitz Jenő (szerk.): A Pannonia Konferenciák aktái IV. Bronzes Romains figurés et appliqués et leurs problemes techniques - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 27. A Pannon konferenciák aktái 4. (Székesfehérvár, 1984)
J. Wielowiejski: Bericht des Plinius des Älteren über die Legierung der römischen Bronzegefässe im Lichte der chemischen Analyse
Alba Regia, XXI, 1984 J. WlELOWIEJSKI BERICHT DES PLINIUS DES ÄLTEREN ÜBER DIE LEGIERUNG DER RÖMISCHEN BRONZEGEFÄSSE IM LICHTE DER CHEMISCHEN ANALYSE Die seit Willers’ Zeit (1901, 1907) in der Literatur herrschenden Meinung besagt, daß die meisten uns bekannten römische Bronzegefäße aus den letzten Jahrhunderten V. u. Z. und den 1. Jh. u. Z. in Capua oder in sogenannten kampanischen Werkstätten gefertigt sein sollten. Ausgangspunkt waren einige Bemerkungen in schriftlichen Quellen. Cato der Ältere schrieb, daß die besten Bronzegefäße für den Haushaltbedarf in Capua zu kaufen sind (De agricultura, 135). Plinius der Ältere bei der Beschreibung der Kupferlegierungen in seinem enzyklopedischen Werk der kapuanischen Bronze (aes Campanum) diesen den Vorzug gegeben hat, denn sie waren als Gefäße für den täglichen Bedarf am besten geeignet (NH, XXXIV, [20], 95). In Capua bereitete man das Gießerz so vor, daß zum flüssigen Kupfer plumbum argentarium im Verhältnis 10 Pfund 100 Pfund Kupfer (= 9,1% plumbum argentarium) gegeben wurde. Wichtig ist auch eine weitere Nachricht des Plinius: „einer Bronzegattung ähnlich der kampanischen begegnet man in vielen Gegenden Italiens und in den Provinzen, aber man gibt je 8 Pfund Blei zu und schmilzt es — durch den Holzmangel, auf der Kohle (NH, XXXIV, [20] 96). Die Zugabe beträgt also ca. 7,4%. Einige Forscher behaupten, daß es sich nicht um Blei sondern um plumbum argentarium handelte (Piaskowski 1957, 111; Picon—Condamin—Boucher 1957, 161). Plinius hat noch drei weitere Bronzearten beschrieben. Als neueste bezeichnete er die Topflegierung (ollaria), die sicherlich zur Gefäßproduktion diente (NH, XXXIV, [20], 98). Dieses Gießerz verfertigte man so, daß man bei der Schmelze 3 oder 4 Pfund plumbum argentarium (= 2,9—3,8%) zugab. Eine vierte Bronzeart war zum Guß der Statuen und Tische geeignet (temperatura statuaria et tabularis (NH, XXXIV, [20], 97—98). Sie setzte sich aus zwei Drittel Kupfer und einen Drittel Bruchbronze zusammen; man gab auch plumbum argentarium in der Menge 12,5 Pfund (= 13%) zu. Eine fünfte (temperatura formalis) (NH, XXXIV, [20], 98) interessiert uns nur in geringeren Grade, da sie zur Verfertigung von Gußformen diente. Man gab zum Kupfer den zehnten Teil Blei (plumbum nigrum) (= 8,7%) und den zwanzigsten Teil plumbum argentarium (= 4,4%) zu. Wie man sieht, ist die Hauptfrage der in den Pliniusrezepturen angegebenen Bronzen die Zusammensetzung von plumbum argentarium. H. Blümner (1886, IV/1, 181), der diese Bezeichnung buchstäblich übersetzte, war der Meinung, daß es sich um Blei mit Silbereinmischung handelte. M. K. C. Bailey (1932, 33) dagegen, auf ein anderes Textfragment des Plinius zeigend (NH, XKVIII [34], 1960), wo von der Legierung des argentarium, das sich aus einer Hälfte von Weissblei (Zinn) und von Schwarzblei (Blei) sich zusammensetzte, die Rede war, glaubte, daß dies auch plumbum argentarium betrifft. Diese Meinung teilen auch anderen Forscher. Zum Beispiel sollte nach J. F. Healy (1978, 212) die Verhältnisse von Kupfer, Zinn und Blei in der kampanischen Bronze wie 100 : 4 : 4 und in der Topf bronze wie 100 : 1,5—2,0 : 1,5—2,0 sein. J. Piaskowski (1957, 111) bezeichnete plumbum argentarium als Legierung aus Zinn und Blei, die zu je 50% die beiden Metalle oder 33% Blei und 67% Zinn enthielten. Im allgemeinen ist die Frage von fertigen Zinn- und Bleilegierungen schwer zu entscheiden, denn sie fehlen in der Form der für den Handel bestimmten Barren in Fundmaterial. Die uns bekannten Barren aus Kupfer, Blei und Zinn sind meistens in ziemlich reinen Metall erhalten. D. Brown (1976, 39—40) meint, daß wenn plumbum argentarium wirklich eine Legierung war, es fraglich ist, ob man sie immer unter Beibehaltung derselben Proportionen von Blei und Zinn verfertigte; warscheinlich war sie eine nicht näher bezeichnete Legierung beider Metalle. Brown schließt aber nicht aus, daß plumbum argentarium eine nur in einigen Werkstätten benutzte Bezeichnung war, von denen Plinius seine Informationen schöpfte. Die Entdeckungen von großen Mengen von Bronzege-9 Alba Regia XXI. 129