Fitz Jenő (szerk.): Kunst und Mythologie der Landnehmenden Ungarn - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 23. (Székesfehérvár, 1979)

Schamane die Pflicht hatte, die entwichenen und verlorenen Seelen aufzuspüren und zurückzuführen. An Hand der beträchtlichen Anzahl der Trepanatio­nen bei unseren Vorfahren kann vermutet werden, daß eine der Hauptaufgaben auch der ungarischen Schamanen das Auffinden der verlorenen Seelen, und die damit verbundene magische Heilung war. Symbolische Trepanationen werden überall ge­funden, wo die Ungarn ihre Lager hatten ; demgegen­über finden wir chirurgische Trepanationen in einem beschränkten Kreis, undzwar in jenen Gebieten, wo die prächtigen Taschenplatten zum Vorschein ka­men. Mutmaßlich standen den Mitgliedern des Für­stenhauses nicht nur die besten Goldschmiede, sondern auch die besten chirurgisch geschulten Schamanen- Heiler zur Verfügung. Das Befördern der Seele des Reitpferdes ins Jen­seits: Bestattung mit Pferden und Pferdegeschirr. — Die Bestattungen mit Pferden und Pferdegeschirr der Altungarn können ohne die Vorstellung der Frei­seele nicht richtig verstanden werden. Es ist bekannt, daß unsere Ahnen mit ihrem Pferd bestattet wurden. Es wurde jedoch niemals der ganze Pferdekörper be­graben, sondern immer nur die abgezogene Pferde­haut mit dem daringelassenen Schädel und den von der Mittelhand bzw. von der Mittelfußregion ab­wärts liegenden Knochen. Diese Pferdehaut wurde entweder ausgestopft und — als Symbol des lebenden Pferdes — neben den Toten gelegt, oder wurde sie zusammengefaltet am Fußende des Verstorbenen an­geordnet. Es mußte also der Glaube walten, daß das Reit­pferd aus seinen ins Grab gelegten Teilen wieder auf­leben kann. Die uns zur Verfügung stehenden ethno­graphischen, vergleichenden Angaben weisen auch wirklich dahin, daß jenen Tieren, die als gleich­wertig mit dem Menschen galten, gleiche Seelen zugesprochen wurden. Im Norden, bei den Jäger­völkern, gab es zahlreiche, zwei Seelen besitzende Tiere, da nicht bloß die Nutztiere: die verschiedenen Hirscharten als beseelt betrachtet wurden, sondern auch die für den Unterhalt so unentbehrlichen Pelztiere und besonders der als heilig geltende Bär. Bei den großtierhaltenden Völkern ist diese Skala enger, sie sahen besonders die gezüchteten Tiere, hauptsächlich das Pferd und das Rind als Wesen an, die eine dem Menschen ähnliche Seele haben. Die Freiseele der Tiere wohnt ebenfalls im Schädel, des­halb war es wichtig bei den verschiedenen Zeremonien den Schädel aufzubewahren. Auch unsere Ahnen waren dieser Überzeugung, deshalb konnten die ausgesteck­ten Pferdeschädel die Häuser der Arpaden-Zeit schätzen, oder wurden die alten Gräberfelder von den H undeschädeln bewacht, welche mit der Schnau­ze gegen Westen, dem Heim der Dämonen gerichtet vergraben waren ; der Schädel war der Sitz der Seele und symbolisierte das ganze Tier. Bei den Pferdebestattungen wurde gelegentlich des Totenmahles das Fleisch des Reitpferdes verzehrt; das wesentliche war, daß der Schädel, der Sitz der Kopfseele, unbeschädigt bleibe, da das Tier auch nicht körperlich in das Totenreich einzieht, sondern bloß sein Schatten dahin gelangt. Bei solchen Teil­bestattungen der Pferde gelangte die Freiseele des Reitpferdes durch den ins Grab gelegten Schädel neben seinen ins Jenseits reisenden toten Herrn, und wenn ins Pferdefell noch einzelne Stücke seiner edlen Organe eingerollt wurden, dann waren die Träger auch seiner Körperseele im Grab zugegen. Dabei ist es überraschend, daß Bestattungen, wobei bloß der Sattel und die Zügel ins Grab gelegt wurden, fast ebenso häufig sind wie die wirklichen Pferdebestat­tungen, d. h. wo die Pferdeknochen mit beigelegt sind. Der Verstorbene konnte die Sattel- und Zügel­beigaben ohne das Pferd nur dann gebrauchen, wenn der Schamane gelegentlich der Bestattung die Seele des Pferdes — durch eine entsprechende Zeremonie - heraustrieb und seinem Herrn nachschickte. Bei den an der Wolga lebenden mit den Finnen verwandten und bei verschiedenen Tiirkvölkern wurde in dieser Absicht kaltes Wasser über den Rücken des Pferdes gegossen, wobei es ein Schauer überlief ; dies wurde als ein Zeichen angesehen, daß seine Seele es verlassen hatte, weil aus Erfahrung bekannt war, daß auch der Schamane erschauderte, wenn seine Tranceseele sich entfernte. Das Pferdegeschirr im Grab ist nicht als einfache Reisebeigabe zu betrachten, es wurde dahingebracht, weil gelegentlich der Bestattung der Schamane die Pferdeseele ins Jenseits befördert hatte. Es mochten praktische Gründe mitgespielt haben, z. B. das Bewahren eines guten Reitpferdes, daß es nicht wirklich geopfert wurde. Das Haupt­sächliche ist jedoch, daß eine höher entwickelte Glau­bens- und Phantasiewelt es nicht als notwendig er­achtete, das Tier tatsächlich zu töten, da ja das Über­führen der Pferdeseele an den gewünschten Ort mit­tels entsprechenden Zeremonien gesichert werden konnte. Auch bei den wirklich durchgeführten Tierop­fern wurde nicht der Körper des Tieres, sondern seine Seele den Geistern angeboten; da diese Völker tief überzeugt waren, daß ein Lebewesen ohne Freiseele nur kurzfristig am Leben bleibt, wurde es langsam zur Gewohnheit, daß das Opfertier nicht wirklich getötet, sondern nur seine Freiseele den Geistern oder Göttern als Opfer dargebracht wurde (z. B. bei den östlichen Ostjaken). Alldies mochte sich bei den Pferdebestattungen gleicherweise abgespielt haben; nur so kann erklärt werden, daß auch in den Grä­bern der sichtlich wohlhabenden Verstorbenen keine Pferdeknochen, manchmal sogar kein Pferdegeschirr gefunden wird, trotzdem daran nicht zu zweifeln ist, daß die Angehörigen des Verstorbenen unbedingt dafür sorgen mußten, daß die Seele des Verstorbenen und gleichzeitig seines Reitpferdes, ins Jenseits ge­lange, weil ansonsten sein Gespenst und seine Rache sie immerfort verfolgt und in Schrecken versetzt hätte. Meines Erachtens stützten sich die verschiede­nen Arten der Bestattungen mit Pferden auf ein und denselben Glaubenshintergrund: die verschiedenen Zeremonien bezweckten einheitlich, die Freiseele des Pferdes in die irgendwo im weiten Westen liegende 29

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