Fitz Jenő (szerk.): Kunst und Mythologie der Landnehmenden Ungarn - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 23. (Székesfehérvár, 1979)

kalte und dunkle Unterwelt zu senden, einerlei ob die Zeremonie in der uralten, steifen, materiellen Weise durchgeführt, oder bloß symbolisch begangen wurde, oft so, daß ihre Spuren in den Gräbern gar nicht zu entdecken sind. Wir sind hier Zeugen der Umwand­lung einer uralten Gewohnheit im Laufe der geschicht­lichen Entwicklung, als das wirklich und das sym­bolisch durchgeführte Opfer des Tieres nebeneinander bestanden. Das Entwicklungsniveau der Gesellschaft der Ungarn im 10. Jahrhundert und der dement­sprechend fortgeschrittene Glauben boten die Mög­lichkeit dazu, daß die Schamanen verschiedene Zere­monien für die Überführung der Pferdeseele anwen­den konnten, entsprechend den Wünschen der Ange­hörigen, den Forderungen der Vernunft, der wirt­schaftlichen Lage der Gemeinschaft, und dabei das geliebte, wertvolle Tier doch nicht töten mußten. Überraschenderweise hat unsere, auf anderthalb Jahrhunderte zurückblickende Forschung der Land­nahmezeit erst vor 35 Jahren festgestellt, — das Ver­dienst gebührt Gyula László — daß unsere Vorfahren niemals mit einer ganzen Pferdeleiche be­stattet wurden. Die eigenartige Seelenglaube erklärt, weshalb ihnen die Beigabe des Pferdeschädels und Sprunggelenke genügte: der Kopf des Tieres sperrte seine Seele ins Grab, und so konnten die Angehörigen das Gräberfeld in dem Glauben verlassen, daß die Schattenseele des Verstorbenen mit der Pferdeseele zusammen ins weite, schwarze Jenseits ziehen kann, wo sowieso alles nur in Form seines Schattens weiter­lebt. In unserem Volksglauben finden wir bis heute Spuren davon, daß Personen mit überirdischen Bega­bungen bereits zu Lebzeiten in enger Verbindung mit solchen Geistern stehen. Es ist ein Überbleibsel eines, dem Vorstellungskreis unserer Ahnen ähnlichen Glau­bens, daß Peter Köcsön, der teuflische Kutscher, ein Abkömmling der frühen Schamanen, auf toten, mit Stroh ausgestopften Pferden herumzog. Unser Thema wird vielleicht noch besser durch den Fall des Hirten­­j ungens von Ecsegpuszta beleuchtet, der sein Wissen beim „félfa” (eine Art Weltbaum) erwarb und nachts — zur Geisterstunde — auf einem Pferdeschädel rei­tend herumjagte. Weder Peter Köcsön aus Szatmár, noch der Hirtenjunge aus Ecsegpuszta gebrauchten wirkliche Pferde, sondern ritten die Pferdeseelen ; der Hirtenknabe auf der „Kopfseele” des Tieres, wie dies der Schädel zwischen den Schenkeln des Jungen be­weist. Die erwähnte Monographie von Gyula László hatte eine große Änderung der Anschauungen zur Folge, indem er darauf hinwies, daß das ins Grab gelegte Steigbügelpaar Teil des Holzsattels und die Trense Teil des ganzen Zaumes war. Diese ausge­zeichnete Beobachtung ergänzen wir hier dadurch, daß die Beigabe des Sattels und des Zaumes für die Reise voraussetzt, daß auch die Seele des Pferdes, welches dieses Geschirr trug, bei der Bestattung ins Jenseits befördert wurde. Vielleicht war dies auch bei solchen Bestattungen der Fall, wo das Pferde­geschirr nicht beigegeben wurde, es gehörte ja sicht­lich zu den Vorstellungen, daß das Seelenebenbild des Verstorbenen auf dem Seelenschatten des Pfer­des die Welt verläßt und zu seinen Ahnen zieht. Von der feierlichen Aufbahrung des Verstorbenen in seinem Heim und dem Bedecken seines Gesichtes mit dem Totentuch, bis zum letzten Akt beim Grab, wobei seine Seele am Gespensterpferd ins Jenseits einkerhte, entrollt sich vor unseren Augen eine voll­ständige schamanistische Zeremonie, die wir nicht an Hand der Riten eines verwandten Volkes mehr oder weniger eigenmächtig rekonstruiert haben, sondern aus den Gräberfunden der landnehmenden Ungarn mit Sicherheit folgern dürfen. Inzwischen müssen wir selbstredend auch ethnographische Parallele anfüh­ren, welche den Sinn der weiteren Riten beleuchten. Unsere Archäologen bemerkten, daß mit den Män­nern niemals gefüllte Pfeilköcher begraben wurden ; bloß einige Pfeile kamen ins Grab ; selbst bei den vornehmen Bestattungen wurden höchstens sieben Pfeilspitzen gefunden. Diese Zahl gebührte den Her­ren höchsten Ranges, manchmal auch einigen Män­nern bescheideneren Standes, die vielleicht als erste aus ihrem Kreise schieden und deshalb die Aufgabe hatten, das Quartier für den Stamm im Jenseits vor­zubereiten ; es wurde ihnen deshalb bereits gelegent­lich ihrer Bestattung besondere Ehre erwiesen, da sie im Jenseits als Älteste des Dorfes angesehen wurden. Unsere Forschung hatte bisweilen etwas ein­seitig der Pfeil als Zeichen des Ranges betrachtet, doch ist seine schamanistische Rolle ebenso wichtig. Damals war die Gesellschaft auf die Zahl zehn aufge­baut, deshalb mochten die sieben Pfeilspitzen kaum symbolisch den Rang bezeichnen, d. i. diese Männer waren nicht Häupter einer aus zehn oder hundert Männern bestehenden Einheit; die in den Gräbern von Männern verschiedenen gesellschaftlichen Ranges gefundenen Pfeilspitzen gleicher Anzahl weisen in eine andere Richtung. Die Vermutung liegt nahe, daß die neben die Leiche gelegten sieben Spitzen eine schamanistische Bedeutung haben, sie mögen mit dem magischen Weltbild des Alls verbunden sein: sieben war nämlich die Zahl der untereinander liegen­den Schichten der Unterwelt. Die Pfeile bezeugen, daß unsere Ahnen an die Schwierigkeiten der Reise in der Unterwelt glaubten, das Durchdringen einer jeden Schichte war mit Gefahren verbunden, wie dies die Schamanen der Ostvölker nach ihren Untertau­chungen in diese Welten so oft erzählt hatten. Manch­mal, im Falle der Bestattung von Führern oder Quartiermeistern, mochten die Schamanen selber vorgeschlagen haben, daß eben sieben Pfeile dem Verstorbenen mitgegeben werden, damit er die Hin­dernisse der siebenschichtigen Unterwelt bekämpfen und mit Sicherheit die Schattenwelt erreichen könne ; die bösen Dämone stellten ja in erster Reihe diesen hervorragenden Männern die Fallen, um sie auf ihrem Weg aufzuhalten. Die Zahl der Pfeilspitzen symboli­siert nur sehr bedingterweise den gesellschaftlichen Rang des Verstorbenen, und es kann oft festgestellt werden, daß kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Gegenständen, die der Tote zu Lebzei­ten als rangbezeichnend trug und den beigegebenen

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