Fitz Jenő (szerk.): Kunst und Mythologie der Landnehmenden Ungarn - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 23. (Székesfehérvár, 1979)

ARCHÄOLOGISCHE BEWEISE DES SEELENGLAI!HENS DER UNGARN ZUR ZEIT DER LANDNAHME (Vorläufiger Bericht) Es ist unnötig weitläufig zu beweisen, daß die reli­giösen Vorstellungen der Völker verschiedener Lebens­führung oder verschiedener gesellschaftlicher Ent­wicklung, vollständig verschieden sind. Die — für das Ungartum so wichtigen, — sich mit der heid­nischen Religion der ost-eurasischen Völker befas­senden modernen religionsgeschichtlichen Werke beschreiben eben deshalb nicht zusammenfassend die Religionen der einzelnen Sprachfamilien, sondern trennen die religiösen Anschauungen der in der nörd­lichen Tundra und in der Taiga lebenden sibirischen Jäger- und Fischervölker und Renntier züchtenden Gemeinschaften von jenen den weiter südlich, im Gebiet der Wald- und der Grassteppe wohnenden großtierzüchtenden und Hirtenvölker, sowie den im Norden Europas ansässigen und bereits seit dem 2. Jahrtausend v. u. Z. Ackerbau betreibenden Finn­­ougrier. Da die Urungarn bereits im 2. Jahrtausend v. u. Z. sein früheres Jäger- und Fischerleben aufgege­ben und es teilweise mit der Landwirtschaft ver­tauscht hatte, später aber ein nomadisches, bzw. halbnomadisches Leben führte, ist es offentschtlich, daß seine religiösen Vorstellungen mit jenen der großviehzüchtenden und ackerbautreibenden Völker verwandt sind. Zur Zeit der Landnahme war jedoch die Organisation des religiösen Lebens noch höher entwickelt. Die Quellen weisen unzweifelbar darauf hin, daß die Ungarn bereits vor der Eroberung des Karpatenbeckens eine frühe Staatsorganisation be­saßen. Diese Herrscherordnung war auf eine hier­archische personale Abhängigkeit aufgebaut, weshalb mehrere Züge der ungarischen Urreligion erschlossen und dargestellt werden können, welche nur den „Staatsreligionen” der türkischen, kasarischen und mongolischen Reiche eigen waren, wie z. B. die göttliche Abstammung des Herrschers, das im Dien­ste des Herrscherhauses stehende und wahrhaft seine Beständigkeit aufrechterhaltende Schamanen­­tum, d. h. Schamanen, die eigentlich vornehme Wür­denträger des Herrschers waren, usw. Den Charakter der ungarischen Urreligion ver­suchten wir bereits in einer anderen Arbeit zu be­schreiben, hier wollen wir bloß ein Element der ältesten Vorstellungen skizzieren. Es verblieben nämlich auch in dieser sehr entwickelten Urreligion Elemente, welche in weiter Vergangenheit wurzeln. Zu diesen gehört die frühe Vorstellung über die verschiedenen Seelen des Menschen, die einst auf Erden überall verbreitet war, und deshalb auch in ganz Nord-Eurasien nachweisbar ist, dessen einzelne religionsgeschichtliche Zonen ansonsten recht gut abgrenzbar sind. Es handelt sich um solche Vorstel­lungen der heidnischen Religion, welche weniger an die wirtschaftlich-gesellschaftliche Entwicklungsstufe gebunden sind, als die sonstigen Erscheinungen des religiösen Lebens. Die Differenz der Entwicklungs­stufen kann natürlich auch hier erfaßt werden, da der auf die Seelenvorstellungen zurückgreifende Ahnen­kult nur in den bereits höher entwickelten Kulturen erscheint, hingegen er kaum Spuren bei den Jäger- Fischervölkern Nordsibiriens hinterlassen hat. Der Glaube der landnehmenden Ungarn an den Seelendualismus im Zusammenhang mit dem völ­kischen Glauben wurde bereits entsprechend von Ákos Szendrey, Vilmos Diószegi, Mihály Hoppál und Imre Katona be­handelt. Bezüglich ihrer Resultate entstanden den­noch Zweifel sowohl unter den Wissenschaftlern der Völkerkunde, als auch der Archäologie. Es hat sich nämlich von einem Teil unseres Volksglaubens her­ausgestellt, daß diese vom Westen nach Osten vor­drangen, sie also — ich muß nochmals betonen, daß nur ein Teil von diesen — zu einer Beweisführung nicht geeignet sind. Andererseits wurde in Frage gestellt, ob 23

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