A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 5. (Szeged, 1999)

RÁCZ Zsófia: A madaras-téglavetői avar temető (Kőhegyi Mihály ásatása 1959-62)

der Eier. Im Fall des Grabes 63 konnte die Hälfte einer Ei­schale mit eingeritztem Muster rekonstruiert werden. Gefäße fand man in 12 Gräbern: 2 Männer, 4 Frauen und 5 Kinder bekamen Speisebeigaben in Töpfen. Alle dies­bezüglichen Gräber befanden sich im Südteil des Friedhofs, während im Nordteil Gefäße fehlen (Abb. 15. 1). Beraubungen und Zerstörungen. 10 Gräber wurden noch in der Awarenzeit ausgeplündert. Auf die systematische Be­raubung weisen folgende Indizien: 1. Zumeist zielte der Raubtrichter direkt auf den Oberkörper der Bestatteten. 2. Die übersehenen Beigaben zeigen noch den Reichtum der beraubten Toten. 3. Die beraubten Gräber bilden im Gräber­feld zwei auffallende Gruppen (Abb. 15. 2). Weitere vier der archäologisch untersuchten Gräber waren beim Sandabbau stark in Mitleidenschaft gezogen worden. AUSWERTUNG DES FUNDMATERIALS. RELATIV- UND ABSOLUTCHRONOLOGIE Die belegungschronologische Analyse des Gräberfeldes wird durch die Tatsache beeinträchtigt, daß wohl mehr als ein Drittel der Nekropole vor Beginn der Notgrabungen zer­stört worden war. Dennoch ergeben sich einige Erkenntnis­se, denn das Fundmaterial zeigt ein geschlossenes Bild und einige Grabgruppen konnten in ihrer Vollständigkeit unter­sucht werden. Die Auswertung des Fundgutes erlaubt es, die Belegung der Nekropole zu rekonstruieren und gestattet dazu einige weiterfuhrende kulturhistorische Aussagen. Das typologische Spektrum des Materials und die Größe der Grabgruppen lassen annehmen, daß der Gräberfeldteil relativ kurz belegt worden ist. Bei den Männergräbern re­präsentieren zwei Gräber jeweils den Beginn und das Ende der Belegung der Nekropole, da die darin befindlichen Gür­tel typochronologische Merkmale der vorangehenden bzw. nachfolgenden Phasen zeigen. Am Anfang der Gräberfeld­benutzung steht das Grab 1. Der darin gefundene Gürtel verfügt über zahlreiche Nebenriemen, wenngleich die Rie­menzungen zu den jüngsten Varianten gehören, nicht zu den älteren, schmäleren, vom Typ Martynovka-Cadjavica. Au­ßerdem enthielt das Grab 1 einen Reflexbogen mit schmalen Beinversteifungen, die für die Frühawarenzeit charakteri­stisch sind. Am Endpunkt der Belegung steht das Grab 32, das bereits gegossene Riemenzungen der Spätawarenzeit I enthielt. Bei den aus Gold (Grab 17, 67) und aus Bronze (Grab 44) gepreßten Zopfspangen, wie auch bei dem aus Blech geschnittenen Gürtelzierat (Grab 23, 29, 44, 55, 67, 73, 74) handelt es sich um Fundtypen der Mittelawarenzeit. Eher früh, ähnlich wie Grab 1, datieren die Gräber 29 und 74 mit verzierten Köcherbeschlägen aus Bein und gepreßten Gürtelverzierungen, sowie die Gräber 17 und 23 mit gepreß­ten Zopfspangen und Säbeln. In das chronologische Umfeld des Grabes 32 datieren die Gräber 28, 44 und 55. Sie ent­hielten Bögen mit breiten Beinversteifungen, Ohrringe mit rhomboidem Querschnitt, Melonenkernperlen und einen ge­drechselten Taschenverschluß. Der Frauenschmuck zeigt fast ausschließlich neue Modeerscheinungen im Karpaten­becken. Lediglich die Blechkugelanhänger lassen sich aus der Frühawarenzeit ableiten. Die Ohrgehänge mit Glasper­len, die kleinen Melonenkernperlen und die gepreßten Agraffen sind charakteristische Funde der Mittelawarenzeit. Die Datierung des einfacheren Fundmaterials erfolgt auf­grund kleinerer Veränderungen an Schmuck und Keramik. Älteres Fundmaterial stammt aus den Gräbern 34, 40, 61, 80: Ohrgehänge mit Blechkugelanhängern, runde Ohrgehän­ge aus rundstabigem Draht, Hirsekornperlen, ein gepreßtes Agraffenpaar. Jüngere Typen erbrachten die Gräber 4, 27, 31,51 und 63: Gelbe Keramik, ovale Ohrgehänge, Ohrge­hänge mit rhombischem Drahtquerschnitt und Melonen­kernperlen (Abb. 15. 3-4; Abb. 16. 1-4). Die Belegung scheint an mehreren Stellen des Gräberfel­des gleichzeitig anzusetzen. Neben diesen früheren Gräbern befinden sich auch jüngere Bestattungen. Es ist zu betonen, daß sich auch das Grab 32 mit gegegossenen Gürtelbeschlä­gen hinsichtlich seiner Lage und Orientierung gut in den Grä­berfeldplan einfügt, also kein Hiatus zwischen den früheren Gräbern und dem Grab 32 bestehen dürfte. Absolutchronologisch ist das Gräberfeld von Madaras in die letzten Jahrzehnte des 7. und das erste Drittel des 8. Jahrhunderts zu stellen. Charakteristische Beigaben der Männergräber sind die verschiedensten Waffen. Aus den insgesamt 15 Gräbern mit Waffen stammen 3 Säbel, 7 Reflexbögen, 3 Köcherbeschlä­ge und in allen 15 Gräbern eiserne Pfeilspitzen. Der hohe Anteil an Waffen in der Nekropole von Madaras erlaubt es, von einem "militärischen" Charakter des Gräberfeldes zu sprechen. Viele andere Gräberfelder, deren Belegung eben­falls am Anfang der Mittelawarenzeit beginnt, zeigen einen deutlich niedrigeren Anteil an Waffen. Diese Unterschiede zwischen den Gräberfeldern hinsichtlich der Waffenbeigabe haben wohl soziale und politische Gründe, wenngleich die äußeren Ursachen dafür unsicher sind. Parallelen für den Schmuck und die Waffen von Madaras finden wir in Bestat­tungen mittelawarischer Vornehmer, die fallweise auch Münzen enthielten (Ozora-Tótipuszta, Igar, Dunapentele, Gyenesdiás, Iváncsa, Szeged-Átokháza) und in den großen Gräberfeldern wie Alattyán, Jászapáti und Tiszafüred). ANTHROPOLOGISCHE A USWERTUNG Die anthropologische Auswertung des Skelettmaterials von Madaras besorgten P. Lipták und A. Marcsik. Die untersuchte Serie von Madaras zeigte sich als sehr heterogen, wobei sowohl Individuen des europiden wie auch des mongoliden Formenkreises angetroffen wurden. Dabei zeigte sich ein Unterschied in den Typenspektren der Männer- und Frauengräber. Bei den Männern ist die croma­gnoide Komponente stärker vertreten, bei den Frauen die zentralasiatische. Die eigentlichen mongoliden lagen im südlichen und mittleren Teil des Gräberfeldes (außer Grab 85). Die Schädel der reichen Gräber sind sinid oder euro­po-mongolid, nur im Fall der Gräber 28 und 32 liegt ein eu-

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