Ujváry Zoltán: Kultusz, színjáték, hiedelem (Miskolc, 2007)

Játék és maszk. Dramatikus népszokások III.

692 SpieCe und Masken an den Arbeitsstätten Spiele bei der Totenwache waren. Im letzten Abschnitt dieser Tradition treffen wir sie in ihrem erhalten gebliebenen Zustand nur noch stellenweise, z. B. in Tokaj-Hegyalja, an. An das Fest der Weinlese schliesst sich ein Umzug an, in dessen Rahmen jene maskierten Gestalten auftreten, die wir in anderem Zusammenhang im Faschingsumzug und auch in den Überlieferungen zu anderen Anlässen angetroffen haben. Die maskierten Gestalten des Umzugs wollen die Zuschauer amüsieren und den ganzen Aufzug farbiger gestalten. Hier erscheinen zahlreiche Figuren antropomorpher Masken; so z. B. der wandernde Händler der Rastellrinder, (ung.: drótostót), der Glaser (ung.: ablakostól), der Zigeuner, die schwangere Frau, der Schrankenwärter, der Bettkr, der Betyár und die besonders beachtenswerte türkische Maskengestalt. Unter den teriomorphen Masken war der Bär recht häufig. Als recht interessante Überlieferung der Weinlesebräuche gilt in einigen Gemeinden der Gegend Tokaj-Hegyalja das Erscheinen des Bacchus, Dieser Brauch ist gemeinsam mit dem Fassbindertanz und den Tanzbären aus fremdem Brauchgut nach Tokaj-Hegyalja gelangt Ähnlich wie die Weinlese ist auch das Schlachtfest Abschluss einer Arbeitsphase. Mit diesem Anlass sind im ganzen Land Bräuche mit lustigen Masken verbunden. Die Teünehmer am Schlachtfest sahen diesen Maskenszenen nicht nur zu, sondern sie schalteten sich auch häufig ins Spiel ein. In Verbindung mit dem maskierten Mummenschanz zum Schlachtefest ist es wichtig zu betonen, dass die Spiele und Szenen in geschlossenen Räumen, Zimmern, aufgeführt wurden. Diese so eigentümliche Situation und der gabenheischende Charakter dieses maskierten Mummenschanzes prägte die Spiele zum Schlachtefest stark. Dies brachte aber höchstens in der „Regie" der Spielaufführung einen Wandel mit sich, ansonsten können in den Überlieferungen zum Schlachtefest die verschiedensten maskierten Gestalten und Szenen beobachtet werden. Hier treffen wir teriomorphe Masken ebenso wie Genregestalten an. Es kommen hauptsächlich stumme Szenen vor, für Dialoge gibt es kaum ein Beispiel. Die häufigsten Gestalten waren der Zigeuner, die schwangere Frau, die weiss verhüllte Gestalt, der wandernde Händler und unter den teriomorphen Masken die Ziege, das Pferd und der Bär. Ein wichtiges Spezifikum des maskierten Mummenschanzes zum Schlachtefest verbirgt sich in der Zahl und der Zusammensetzung seiner Teünehmer. Während sich die Teünehmer an den Spielen zur Hochzeit, in der Spinnstube oder zu anderen Gelegenheiten aufgrund ihres Geschlechts, ihres Alters oder durch den Anlass selber auf gewisse Gruppen beschränkten (Hochzeitgäste, bestimmte Altersgruppe von jungen Burschen und Mädchen in der Spinnstube usw.), und gewisse Personen auf diese Weise — mangels verwandtschaftlicher Beziehungen oder da sie der gegebenen Altersgruppe oder Gemeinschaft nicht zugehörten — nur zufallig oder überhaupt nicht weder aktiv noch passiv an den früher in irgendeiner Form ausgeübten oder beobachteten dramatischen Spielen mitmachen konnten, hatten an den Maskenszenen der Bräuche beim Schlachtefest alle Jahre wieder alle Glieder der Gemeinschaft teil. Eben aus diesem Grunde spielte das Schlachtefest als Anlass eine wichtige Rolle in der Überiieferung dramatischer Volksbräuche und im Weitererhalten der Spiele und maskierten Mummenschänze. Tief in der Seele eines jeden Menschen schlummern die Neigung und das Bedürfnis nach dem Spiel. Dies zeigt sich immer wieder in den unterschiedlichsten Situationen und zu den verschiedensten Anlässen. Das Spiel macht den Menschen frei, erleichtert ihn und in mancher Hinsicht wandelt es ihn um; er ist für eine kürzere oder längere Zeit nicht derjenige, der er vorher war. So bleibt es kern Zufall, dass sich auch an den traurigen Wendepunkten des menschlichen Lebens das Bedürfnis notwendig macht, die innere Spannung des Augenblicks zu lösen, und diese kann das Spiel gleich einem Ventil ableiten. Und obgleich die Spiele an der Bahre des Toten sowohl in ihrem Inhalt als auch in ihrer Form sanfter sind als die Spiele zu anderen Anlässen, bleibt ihre Funktion dennoch die gleiche, und es ist gut vorstellbar, dass es — wie auch Beispiele anderer Völker daruf hinweisen - im Trauerhaus einst besondere dramatische Spiele gegeben hat. So sind für den Brauch der Totenwache nahezu im gesamten ungarischen Sprachgebiet jene Momente bekannt, die mit dem Spiel und dem Vergnügen in Verbindung stehen, wodurch sie auch in ihrer Form und Funktion völlig von der Toten- und Bestattungszeremonie abweichen, die den Ernst des Ereignisses und die Stimmung der Trauer ausdrückt. In der ungarischen Überiieferung darf es als recht gewohnt angesehen werden, dass man sich während der Totenwache mit Kartenspielen, Erzählungen und Anekdoten gegenseitig unterhalten hat. Auch für die Aufführung von dramatischen Spielen mit Masken gibt es Beispiele. Den Berichten nach wurde durch das Spiel und die Unterhaltung die Stimmung im Trauerhaus gelöster. Die im Kult wurzelnde Handlung in der Erscheinung antropomorpher oder teriomorpher Masken gelangt, nachdem sie die Funktion ihres einstiges Ritus eingebüsst hat, in die Sphäre des Spiels, und je weiter sie sich von ihrer früheren Idee entfernt, umso eher wird für sie der Begiff der Parodie und der Komödie charakteristisch. Hier werden uns auch die Spiele im Trauerhaus zur Lehre. In der vorliegenden Arbeit habe ich den Versuch unternommen, einen Überbück über die dramatischen Bräuche des ungarischen Volkes und seine schauspielhaften Szenen mit und ohne Masken zu geben. Die hier vorgestellten zahlreichen Beispiele und ihre funktionale vergleichende Gegenüberstellung mit den parallelen Traditionen in den Völkern des Karpatenbeckens und Europas beweisen, dass das Ungarntum während seiner mehr als Tausend Jahre im Karpatenbecken auch in seiner Volkskultur eine feste Verbindung zu seinen Nachbarn und im allgemeinen zu den europäischen Völkern unterhielt. Obwohl sich zur Aufdeckung der interethnischen Beziehungen und der historischen Formen dieser Kunstgattung noch weitere Forschungen nötig machen, tut sich uns in den Varianten der dramatischen Bräuche die reiche Tradition des ungarischen Volksspiels auf. Zoltán Ujváry

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