Ujváry Zoltán: Kultusz, színjáték, hiedelem (Miskolc, 2007)

Játék és maszk. Dramatikus népszokások III.

Spiet und Maske * * * (Dramatise fíe VoIksSraucfie III. 691 Nachahmen der herumziehenden Bärentänzer auf den Märkten zurückzuführen ist. Das Verbreitungsgebiet der Verkleidung als Storch sdmmt mit dem der Verkleidung als Pferd, Ziege und Bär überein. Die Verkleidung als Storch hing aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Volksglauben an den Storch zusammen. Einen Zusammenhang mit dem Fruchtbarkeitskult stellt die die Paarung imitierende Szene dar. Die Parodie auf die Bestattung zählte im Brauchgut des Volksspiels zu den wirkungsvollsten und am häufigsten vorgetragenen Spielen. Der Scheintote oder der ihn vertretende Gegenstand kamen sowohl in den Umzugsspielen als auch in den Zimmerszenen vor. In den Umzügen wurde die Bestattungsparodie vereinfacht, hier fehlte die das Wesen des ganzen Spiels ausmachende Predigt. In den Zimmerszenen hingegen stellten Spiel und Rede eine enge Verbundenheit dar. Als „Schauplatz" boten die Spinnstube und ihr Publikum die richtige Situation, um die Szenen zur Parodie auf die Bestattung vorzutragen. Die Funktionsanalysen weisen darauf hin, dass die Totenspiele sowie die mit dem Tod verbundenen possenhaften und komödienartigen Szenen, indem sie aus der Spinnstube heraustreten, in die Welt einstiger Kulte zurückführen. Für die Vorführung von Spielen zur Nachahmung der Hochzeit war die Spinnstube von ihrer Stimmung her ausserordentlich gut geeignet. Das Medium der Spinnstube machte im Kreise der dort anwesenden jungen Mädchen und Burschen das Werben und Heiraten zum ständigen Gesprächsgegenstand, sodass das Interesse an derlei Spielen ganz natürlich war. Diese Spiele ahmen die wirkliche Zeremonie bis ins Extreme nach, wobei sie diese parodisieren und das erhabene Thema durch starke Obszönitäten zur Komödie degradieren. Hierdurch wird auch der kunstartige Charakter der Scheinhochzeit in starkem Masse bestimmt. Als immer wiederkehrende Figur in den ungarischen Volksspielen galt in Nord- und Ostungarn, in der Grossen Ungarischen Tiefebene sowie sporadisch vorkommend in Siebenbürgen der Betyár (ung.: betyár). Diese Gestalt trat nicht nur in den Maskenszenen, die in den Spinnstuben und zu Hochzeiten aufgeführt wurden, auf, sondern auch in einzelnen Varianten der Krippenspiele. Zum Teil trat der Betyár als Nebenfigur in diesen Szenen auf. Bekannt sind aber auch die eigenständigen Betyárenspiele. In diesen kommt es zu einer gewissen Gesellschaftskritik: die sich gegen die Macht wendenden Betyárén gehen zugrunde. Bei der romantischen Variante des Betyárenspiels kann die Einwirkung des Volksschauspiels beobachtet werden. Der Betyár stellt in der ungarischen Folklore eine ganz besondere volkstümlich-historische Figur dar. In den Volksspielen ist er jene verallgemeinerte Gestalt, die einen aufgrund der volkstümlichen Anschauung charakterisierten Typ vertritt. Im europäischen Traditionsgut sind die Bi/jwengestalten, die Volkshelden und Räuber gaunerische Figuren von unterschiedlichem Charakter, und von dem auch historisch belegten positiven Helden bis zur Gestalt des gemeinen Räubers kommen in den Volksspielen und ganz allgemein in der Folklore die unterschiedlichsten Figuren vor. Auch in ihrer Verkörperung gibt es Abweichungen. So kann man von der einfachen Statistenfigur bis hin zum eigenständigen Betyárenspiel und bis zur Räuberszene mit mehreren Rollen zahlreiche Varianten antreffen. Die ungarischen Betyárenspiele stehen für sich allein in der europäischen Volkstradition. Parallelen und Analogien können einzig in verwandten Themen beobachtet werden. Der Betyáré ist das Ergebnis einer ganz eigenartigen inneren Entwicklung im ungarischen Volksspiel im maskierten Mummenschanz und allgemein in der Spinnstube. Was ihre Bedingungen anbelangt, so kann das Vortragen von Schauspielen in der Spinnstube als ideal angesehen werden, denn an anderen Arbeitsstätten lagen ähnliche Bedingungen kaum vor. Daher kann nicht nur im Niveau und in der Ausführung des Vortrags dieser Spiele ein Unterschied beobachtet werden, sondern auch in ihrem Repertoire, und zuweüen auch in ihrer Funktion. Abweichend vom vorhergehenden waren die Bedingungen zur Aufführung von Volksspielen wesendich andere dort, wo körperlich schwerere Arbeit geleistet wurde, wie besonders bei der Ernte. Charakteristisch für die Spiele war die Spontaneität, und manchmal kamen die sich eben zu einer Gelegenheit treffenden Spieler und Zuschauer ihrem Spielbedürfnis nach. Hier wurden keinerlei Vorbereitungen „geplant", und so gründeten sich die Spiele - obgleich sie aus dem Repertoire der dramatischen Volksbräuche schöpften — zumeist auf der Improvisation. Die Scheune, der Schuppen oder die Tenne stellten die „Bühne" dar. Die Erntehelfer und Tabakbinder schalteten sich weitaus eher ins Spiel ein und waren viel mehr „eins" mit den Spielern als die Teilnehmer in den Spinnstuben. Hier wurden den Bedingungen nachkommend vereinfachtere Szenen aufgeführt, und man vergnügte sich tatsächlich in der Gemeinschaft. Als Erntespiele wurden die Scheinhochzeit, Totenszenen und der Bärentanz aufgeführt. Beim Tabakbinden war das Repertoire reicher. Beliebter waren das Barbierspiel, die Bäckerszene, das Gerichtsspiel und die S zene vom betrunkenen Mann und seiner Frau. Es traten die verschiedenen Genregestalten und Figuren aus dem Leben des Volkes auf: Fischer, Müller, Finanzbeamter, Ar\t, Wichter, Schleifer, Zigeuner, Bettler usw. Unter den teriomorphen Masken waren die Ziege und der Bär recht behebt. Beachtenswert sind unter den Spielen beim Maisrebeln die auf den Koitus hinweisende Schweinehirt­Maskerade (ung.: csürhés maskura) und das Hundespiel (ung.: kutyázás). Bei den Spielen, die an den verschiedenen Arbeitsstätten aufgeführt werden, nannten wir auch die Spiele z ur Weinlese und den maskierten Mummenschanz, obwohl diese Spiele nicht fest mit dem Arbeitsprozess verbunden sind. Der Anlass der Beendigung dieser Arbeiten räumt den verschiedenen Umzügen, Spielen und Tänzen aber ihren Platz hier ein. Die besondere Bedeutung der Weinlesebräuche ist dadurch bestimmt, dass die im ganzen Land verbreiteten und im Brauchgut vorkommenden Spiele, maskierten Gestalten und die verschiedenen Szenen allgemein bekannt

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