Ujváry Zoltán: Kultusz, színjáték, hiedelem (Miskolc, 2007)
Játék és maszk. Dramatikus népszokások I.
366 Spieíe und'Masken im Jahres Brauchtum Tiere umgebracht wurden, besonders in Ostungarn und in Siebenbürgen bekannt waren. Wenn wir auch die bei den nationalen Minderheiten und den benachbarten Völkern bekannten Beispiele in Betracht ziehen, so erweitert sich das Verbreitungsgebiet der Gerichts- und Hinrichtungsspiele auf das Karpatenbecken. Die den Kerninhalt dieser Spiele bildende Hinrichtung und Tötung gehören zu den typischen Charakteristika der Faschingsbräuche. Die Hinrichtung des verurteilten Sträflings kann mit jenen Vermummungsbräuchen in Verbindung gebracht werden, die um die Winterund Frühlingswende ausgeübt wurden. Auf den gleichen Grundgedanken darf auch das in ganz Europa verbreitete Hahnensch lagen (ung.: kakasütés) zurückgeführt werden, dessen Vorhandensein ini ungarischen Brauchtum wahrscheinlich einer fremden Einwirkung zu verdanken ist. Im Verlauf der vergangenen ein bis anderthalb Jahrhunderte haben die verschiedenen Variationen dieser Spiele, indem sie sich teils um neuere Momente bereicherten, teils reduzierten, das Repertoir der dramatischen Volksbräuche erweitert. Im europäischen Volkstum kommen in breiten Kreisen Bräuche vor, bei denen ein oder mehrere Darsteller in einer Tiermaske oder als Tier verkleidet auftreten. Es sind zahlreiche Varianten der teriomorphen Masken bekannt. Obwohl wir für die dramatischen Bräuche in Europa und innerhalb dieser für die teriomorphen und antropomorphen Masken bei dem einen oder anderen Volk aus der diesbezüglichen Fachliteratur des Landes einen Überblick gewinnen können, lässt eine Erforschung der Zusammenhänge und Beziehungen noch auf sich warten. Infolge der Mannigfaltigkeit in der Auffassung der Forscher, die sich mit den Masken beschäftigen, sowie in ihren Forschungstendenzen sind in der Fachwissenschaft die unterschiedlichsten Interpretationen und Maskentheorien bekannt. Ausserdem tragen zu dieser Vielfalt noch jene individuellen, häufig „national" ausgerichteten Erklärungen bei, die ihren Ursprung oft in einer naiven Auffassung haben. Forschungen, die bis zum Beginn der menschlichen Kultur vordringen, führen die Herausbildung der teriomorphen Masken bis in das Paläolithikum zurück. Die Tatsache, dass das gejagte Wild in jener Zeit ausserordentlich wichtig war, mag als Beweggrund dafür gedient haben, es zu verewigen, um es dann zu wandeln und sich selbst mit dem Tier zu identifizieren. Es darf auch angenommen werden, dass der Mensch, der um das Erlegen des Wildes bemüht war, mit der Tiermaske auch gewissen magischen Tätigkeiten nachkam, und somit die teriomorphe Maske für den Menschen zum Mittel der Transsubstation wurde. Bei der Interpretation von Tiermasken betrachteten die Forscher oftmals das Auftreten des fraglichen Tieres in dem bestimmten Volk als primären Gesichtspunkt. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, dass sich die Tiermasken im Verlaufe der Jahrhunderte bzw. Jahrtausende wesentlich modifiziert und verändert haben bis hin zu dem Zeitpunkt, wo ihre wissenschaftliche Untersuchung einsetzt. Einige Tieraten sind aus grossen Gebieten vollkommen verschwunden, oder zumindest ist ihre Bedeutung im Leben des einen oder anderen Volkes recht minimal geworden. Mit der Untersuchung der ungarischen Tiermasken und der mit ihnen verbundenen Überlieferungen ist es meiner Meinung nach gelungen, einige Missverständnisse zu zerstreuen, welche sich in Bezug auf das Fehlen von teriomorphen Maskenbräuchen in Ungarn bzw. auf deren fremden Ursprung in der ungarischen Volkstradition innerhalb der internationalen Fachliteratur verbreitet hatten und allgemein akzeptiert wurden. Die Spiele mit Ziegenmasken sind in der Tradition der europäischen Völker weit verbreitet. Der Kult um die als heiliges Tier des Dionysos angesehene Ziege kann bei den unterschiedlichsten Ereignissen im Volksleben beobachtet werden. Die Forscher sind der Ansicht, dass der Ausgangspunkt für die Spiele mit Ziegenmasken in Südeuropa oder noch eher an der Grenze zwischen unserem Kontinent und Asien zu finden ist, und dass die Ziegenmaske zu den archaischsten gehört. Bei der Untersuchung von Material aus der Neuzeit verursacht jene Tatsache gewisse Schwierigkeiten, dass die Ziegenmaske vielerorts durch die Wisentbeziehungsweise durch die Rindermaske abgelöst wurde, und selbst die Forscher häufig keinen Unterschied zwischen diesen treffen. So traten die Ziegen-, die Turon- und die Turka-Mzskc nebeneinander. Die Vermummung als Ziege ist auf dem ungarischen Sprachgebiet in Ostungarn und in der ungarischen Volkstradition in Transsylvanien anzutreffen, doch kommt sie auch in den sich an Oberungarn anschliessenden Randgebieten vor. Man verkleidete sich vorwiegend in der Faschingszeit als Ziege. In ihrem Verbreitungsgebiet sind uns mehrere Arten und Formen der Ziegendarstellung bekannt. Am allgemeinsten ist jene Form der Ziegenmaske, wenn sich der Darsteller auf die Knie niederlässt, sich nach vorn gebeugt auf seinen rechten Ellenbogen stützt und in der Linken eine Axt hält, welche den Kopf der Ziege imitieren soll. Der nächste Haupttyp der Ziegendarstellung ist die Turka-Maske, deren wichtigster Bestandteil ein aus Holz gefertigter Tierkopf ist. Das Unterkiefergelenk dieses Kopfes kann mit Hilfe einer Schnur bewegt werden. Diesen auf einem Stock befestigten Kopf hält der Darsteller, auf beiden Beinen stehend, oft nach vorn gekrümmt. Hauptelemente dieses Spiels sind das Colinda-Singen und der Turka-Tznz. Im Lichte der bisherigen Forschungsergebnisse sieht es so aus, als ob die Turka-Vermummung in der rumänischen Volkstradition in erster Linie auf dem Gebiet von Siebenbürgen und im Kreis der Rumänen in Ungarn bekannt ist. Aufgrund der Ähnlichkeit in ihren Formen scheint eine Identifizierung der Turca, Capra und Bre^aia ganz offensichtlich, und demzufolge wäre es möglich, die moldauischen und muntenischen zwischen den rumänischen Turca und Turka in Siebenbürgen und Ungarn festzustellen. Ich bin aber der Ansicht, dass der Unterschied wesentlich grösser ist,