Petercsák Tivadar: A képes levelezőlap története (Miskolc, 1994)

DIE GESCHICHTE DER ANSICHTSKARTE

chichtliche Anschauung eines gegebenen politischen Systems. Die historischen Karten der Millennium-Serie lassen die Stimmung der „glücklichen Friedensjahre" wiederer­wachen und stellen die glorreichen Ereignisse des Landes dar. In den Jahren der Jahr­hundertwende erschienen Ansichtskarten in Verbindung mit den großen historischen Jahresfeiern. Die mit dem Jahrestag der Herrschaft von Franz Josef verbundenen An­sichtskarten preisen die Einheit der Monarchie und idealisieren den guten König. Damit wurde die Ansichtskarte zum Mittel der Agitation, der Wahlpropaganda. Zur Zeit des ersten Weltkrieges wurde die damals außerordentlich moderne Ansichtskarte in den Di­enst der Kriegshetze und der Anfeuerung zum Kampf gestellt. In den Jahrzehnten zwi­schen den beiden Weltkriegen diente sie irredentischen und revisionistischen außenpolitischen Zielen. Während des zweiten Weltkrieges sank die Rolle der Ansichts­karte, nach dem Weltkrieg allerdings hatte sie im Interesse des Wiederaufbaus eine bedeutende mobilisierende Wirkung. Im Wahlkampf wurde die Ansichtskarte auch von der Ungarischen Kommunistischen Partei benutzt, aber auch in den Jahren um 1950 fand sie Anwendung bei der Propaganda für die Abgaben und dem Kampf gegen die Kulaken. Zur Wende des XIX.-XX. Jahrhunderts und zu Beginn unseres Jahrhunderts waren von den Verlegern fast alle bedeutenden staatlichen und örtlichen Ereignisse, Personen, beziehungsweise Naturkatastrophen auf Ansichtskarten verewigt worden und entweder zum Zeitpunkt des Ereignisses oder kurz danach herausgegeben. Schon Ende des XIX. Jahrhunderts wurden über die großen Industriemessen der Welt und über Ausstellungen innerhalb des Landes Serien von Ansichtskarten heraus­gegeben. Diese stellen auf Stichen oder Photografien die Pavillons und das Panorama der Messen dar. Oft wurde auch ein auf die Spezialität der Ausstellung hinweisendes Wahrzeichen, beziehungsweise das Wappen der Stadt auf das Bild gedruckt. In den Jahren nach 1910 wurden auch die ausgestellten Produkte dargestellt. Kunst Die Ansichtskarte ist seit ihrem Erscheinen auch eines der populärwissenschaftlichen Mittel der Kunst. Durch ihre Billigkeit konnten die Werke der klassischen und zeitge­nössischen Künsüer der großen Masse übermittelt werden. Die Tätigkeit der Privatver­leger wurde durch das Geschäftsinteresse geleitet, deshalb erschienen neben den wirkliche Kunstwerke repräsentierenden Karten auch die dem Geschmack der breiten Masse dienenden Reproduktionen geringwertiger Werke. Die im Sezessionstil gefertigten Ansichtskarten der Wiener Werkstätte gehören noch heute zu gesuchten Raritäten. In der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts gelangten die Karten der großen europäischen Kunstverleger, auf denen die Gemälde und Skulpturen des Louvre, des British Museums, des Pradó und Escorial propagiert werden, auch nach Ungarn. Auch in unseren heutigen Tagen verringerte sich die Bedeutung der Ansichtskarten über die Meisterwerke der ungarischen Kunst nicht. Die Ansichtskarten mit Darstellungen über Schauspieler und Theaterszenen fanden immer großes Interesse. Besonders die Sammler kauften gern Ansichtskarten, auf denen das Porträt eines beliebten Schauspielers der Zeit, die Szene eines erfolgreichen Thea­terstückes oder Filmes festgehalten war, aber auch die Durchschnittsmenschen sandten häufig solche Ansichtskarten an ihre Bekannten. Im allgemeinen ist das Thema der Ansichtskarten eine Kunstgattung, die den Geschmack der Masse widerspiegelt (Volkss­tücke, Operetten), über Dramarollen wurden sehr viel weniger Karten herausgegeben.

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