Kunt Ernő szerk.: Kép-hagyomány – Nép-hagyomány (Miskolc, 1990)

I. RÉSZTANULMÁNYOK - Kunt Ernő: Ethno-gráfia és foto-gráfia

hintereinander stehenden bzw. sitzenden Personen zum Vorschein." Die traditionelle Sprache der interpersonalen proxemischen Beziehungen ist vor allem Ausdruck der gesellschaftlichen Interessebezienungen. In welch hohem Maße diese proxemische Sprache der bäuerlichen Gesellschaft eigen ist, dafür zeugen z. B. jene - von Wander­oder Amateurfotografen gefertigten - Familien- oder Verwandtschaftsfotos, wo sie durch die Anordnung der Personen zum Vorschein kommt. Ein wesentlicher Gesichts­punkt ist, der - beinahe selbstverständlich wirkend - die Gruppierung der Personen bestimmt: der von den Interessebeziehungen. Wie jedes wichtigeres kollektives Ereig­nis des Bauernlebens - von der Sitzordnung in der Kirche bis zur Reihenfolge das Eintritt in die Schenke, der Platznahme, bei der Sitzordnung um den Hochzeitstisch wie der Reihenfolge am Sarg-eine nötige Gelegenheit der regelnden gesellschaftlichen Machtverhältnisse in der Gemeinschaft ist, ist es der Fall vielmehr bei dem Fotografie­ren. Der Fotograf hat nur selten Gelegenheit, die traditionelle Gruppierung zu beein­flussen, diese den Erwartungen des „populären Geschmacks" entsprechend symmet­risch, um einen betonten Mittelpunkt umzuordnen,-obwohl im letzten halben Jahrhun­dert die Anzahl solcher Bilder immer zunimmt, - auch deswegen, weil die Bauern die Prinzipien der bürgerlichen Gruppierung in zunehmendem Maße übernahmen. Im Mittelpunkt der Bilder stehen oder im Schöße der Mutter, seltener der Groß­mutter sitzen im allgemeinen die kleinen Kinder. Oft werden sie auf einen Stuhl gestellt und damit wird - ebenso wie mit ihrer Kleidung - ausgedrückt, daß sie als kleine Erwachsene angesehen werden, und damit erhebt man sie in die Ebene der Erwachse­nen. Dabei spielt aber ganz gewiß die Vorbeugung der verstellenden, von oben herab­blickenden Wirkung der Kamera eine wichtige Rolle. Größere Mädchen stehen immer neben der Mutter, während junge Burschen an der Seite des Vaters. Burschen und Mädchen stehen immer. Wenn die Eltern da sind, sind sie mit ihnen in einer Reihe oder hinter ihnen. Ältere Frauen, Trauernde, Großeltern sitzen meist im Mittelpunkt. Ebenda neh­men die noch nicht alten aber angesehenen Familienmitglieder, und wenn auch die Eltern da sind, stellen sie sich so, daß sie zugleich den eigenen Eltern näher stehen. Freundinnen stehen Hand in Hand, Kameraden legen einander die Hand an die Schulter oder der eine - der geschätztere - legt die Hand an die Schulter des anderen. Dasselbe machen Geschwister äußerst selten: sie bedürfen keiner Bestätigung der - für sie selbstverständlichen - Verbindungen durch Gesten; so stehen sie einfach nebenein­ander. Auf Hochzeitsbildern kommt es meistens vor, daß der Bräutigam die Hand der Braut in der eigenen hält oder ihr die Schulter umarmt bzw. ihr die Hand auf die Schulter legt. Das kommt bei Eheleuten nur im seltensten Falle vor. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die räumliche, proxemische Anordnung der gesellschaftlichen Lebenswlise der Bauern entspricht und die Bezie­hungen bei anderen Gelegenheiten im wesentlichen durch dieses Modell bestimmt werden: Oft steht das Kleinkind in der Mitte der Gruppe, indem er das Fortleben der Familie demonstriert. In der nächsten Altersklasse wird er aber an die Periphärie gedrängt, d. h. in diesem Alter beginnt jene intensive Sozialisation, wodurch er später vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft wird. Vorläufig ist er aber mehrfach unterge­ordnet: es ist ja ein Kind. Die Eltern - Vertreter der mittleren, am intensivsten arbeitenden Generation ­werden im allgemeinen auf Gruppenbildern stehend dargestellt. Sie verwirklichen und repräsentieren die angenommene, standardisierte Daseinsstrategie der gegebenen Ge­meinschaft. Sie sind es, an derer Arbeitsfähigkeit sich sowohl die heranwachsende, als 4 129

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