A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 35-36. (1997)
PORKOLÁB Tibor: Az (arany) középszer költője. A Lévay-recepció néhány sajátosságáról
DER DICHTER DER (GOLDENEN) MITTE Über einige Eigenheiten der Lévay-Rezeption Die Arbeit überschaut die Klischees, Einschachtelungen und Gemeinplätze, aus denen die ungarische Literatur-Geschichtsschreibung das allgemein bekannte (und auch von den Bestrebungen der Rekanonisierungsbestrebungen der letzten Jahre und Jahrzehnte unberührt gelassenen) Lévay-Bild aufgebaut hat: 1. József Lévay, der Mito-Dichter tritt uns entgegen, da ja diese Anthologie vielleicht die einzige Dichtung des Autors ist, über die die Zeit nicht ihren (wohltuenden) Schleier breitete. 1. Lévay regelmäßig in Gesellschaft von Pál Gyulai und Károly Szász - als charakteristischer Lyriker der zweiten Linie der „klassizierenden Schule", der „Goldenen Kreises", meistens konnte er seinen Platz unter den über eine „starke Formenbereitschaft" verfügenden „nachfühlendvermittelnden Typen" und den Arany-Epigonen in der (den) ungarischen Literaturgeschichte(n) einnehmen. 3. Lévay ist als der Schriftsteller mit dem längsten Leben in der ungarischen Literatur zu betrachten. Wie man zu sagen pflegt: „In unserer von Petőfi bis Ady durchwachten Literatur". Er lebte dreiundneunzig Jahre lang. Er wirkte bereits - als Referendar von Bertalan Szemére - in der letzten Landesversammlung der Stände und war noch Zeuge der schweren Jahre des Weltkrieges. Der letzte Abschied von Lévay kann sogar als symbolischer Akt gedeutet werden: Mit ihm ist nämlich ebenfalls das sogenannte „alte Ungarn" zu Grabe getragen worden. Und obwohl auch Kaffka, Babits und Kosztolányi seine Zeitgenossen waren, fehlt in den die ungarische Literatur nach der Jahrhundertwende betrachtenden Arbeiten auffalend das Lévay-Kapitel. Auch in der Literaturgeschichte des Aladár Schöpflin begegnen wir seinem Namen nicht, offensichtlich deshalb, weil nach Meinung des Autors die sich sowohl im poetischen, als auch thematischen Sinne an die Vergangenheit bindende (beinahe anachronistische) altertümliche Dichtung in keiner Form Gestalter der Literatur des neuen Jahrhunderts werden kann. Es fällt jedoch auf, mit welcher Hochachtung die angesehenen Vertreter der sogenannten literarischen Modernität vom „Nestor" der ungarischen Literatur sprechen. Diese demonstrative Hochachtung begründet sich aber auf dem literatursoziologischen Status des Dichters und nicht auf der angenommenen oder tatsächlichen literarischen Leistung. Diese wunderbare Idee, nach welcher die Nachwelt über die Person des ergrauten Barden in einen (schon mystischen) Kontakt mit dem „goldenen Zeitalter" der ungarischen Literatur treten könnte, ist in den meisten mit Lévay in Verbindung stehenden Veröffentlichungen zu finden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser alte Poet mit mäßigem Talent die seiner Person zuteilgewordene Aufmerksamkeit nur dem mit dem patriarchalischen Alter einhergehenden Ansehen, also seiner ausdauernden Anwesenheit als Dichter zu verdanken hat. Lévay wird nicht nur wegen seiner beispiellos langen dichterischen Laufbahn unter die Kuriositäten der ungarischen Literatur eingereiht: der öffentlichen Beurteilung entsprechend ist er als „gesündester und heiterster ungarischer Dichter" zu betrachten. Lévay ist der Dichter der goldenen Mitte, derjenige, der das Lebensideal des Horatius in der ungarischen Literatur am vollständigsten verwirklicht hat. Nach einem skizzenhaften Überblick über die Lévay-Rezeption ergibt sich die Möglichkeit, folgende Schlußfolgerungen zu ziehen: Auffallend ist das von der Kritik und der Literatur-Geschichtsschreibung konstruierte (und zum guten Teil auf einige allgemein bekannte Feststellungen, interpretierende Einschachtelungen reduzierte) 388