A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 30-31/2. (1993)
FÁBIÁN J. Gyula–RICZ Péter: Újabb adatok az avarok úgynevezett reflex íjáról (Íjtanulmány a bácskai avar kori leletek alapján)
NEUE ERKENNTNISSE IN BEZUG AUF DEN SOGENANNTEN REFLEXBOGEN DER AWARENZEIT (Bogenstudie aufgrund der awarenzeitlichen Funde in der Batschka) (Resümee) Mit der 1930 veröffentlichten Arbeit von Károly Cs. Sebestyén, in welcher er aufdeckte, daß es sich bei den in awarenzeitlichen Gräbern zu findenden Knochenplatten um Beschläge handelt, die zur Versteifung des Bogens dienten, eröffnete sich die Möglichkeit der Rekonstruktion des awarenzeitlichen Bogens. Damit befaßten sich sowohl in Ungarn, als auch im ehemaligen Jugoslawien zahlreiche Experten aus Theorie und Praxis. Unsere vorliegende Arbeit weicht insofern von den bisherigen ab, daß sie, gestützt auf archäologische und ethnographische Forschungen, mit den Mitteln der Flexibilitätslehre versucht, die bis dato erlangten Kenntnisse über den awarischen Bogen zu erweitern. Aus dieser Annäherung ist der Bogen eine flexible Wurfkonstruktion, deren Funkton und Effektivität mit zwei Datengruppen beschrieben werden kann. Die erste Datengruppe besteht aus der Gesamtheit der vorab registrierten Faktoren (die Charakteristika des Bogenschützen usw.), die zweite aus der Menge der Faktoren, die sich den vorgenannten anpassen (die Maße des Bogens). Um es etwas vereinfacht zu sagen, stellt die Bogenfertigung eine Optimierung des Verhältnisses zwischen oben genannten Faktoren auf praktischem Wege dar. Infolge der Komplexität dieser Aufgabe ist es zweckmäßig, die Arbeit mit Hilfe eines Computers vorzunehmen, der die Wirkungsweise des Bogens simuliert. Da der Computer sehr schnell arbeitet, lassen sich innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Bogenkombinationen untersuchen, unter denen dann leicht die günstigsten ausgewählt werden können. Erwähung verdient in diesem Zusammenhang, daß von der Computeranalyse in gewisser Hinsicht die von Generation zu Generation überlieferten, mehrhundertjährigen Erfahrungen der Bognermeister ersetzt werden. Drei typische Zustände sind für den Bogen gültig: unbespannt, bespannt, angespannt. Ist irgend einer der drei bekannt, so sind die beiden anderen zugehörigen Zustände bereits nicht mehr beliebig und auf dem Wege der Errechnung zu bestimmen. Zu Beginn unserer Studien des awarischen Bogens sichteten wir die zur Verfügung stehenden Grabfunde. Hinweise auf die Form und Abmessungen des Bogens liefern die einzigen Bogenüberreste, das Verhältnis zwischen den Gruppen der zur Verstiefung dienenden Knochen. Dies wird vom Grundriß des Grabes festgehalten. Doch selbst im Falle ungestörter und fachgerecht freigelegter Gräber wird der Forscher vor die Frage gestellt, ob die Funde den bespannten oder unbespannten Zustand des Bogens widerspiegeln. Aus der Batschka (Wojwodina) sind von etwa einem Dutzend Fundorten Bogenknochen-Beigaben bekannt, unter denen die Funde der Gräberfelder Gombos (Bogejovo) I. (laut älterer Literatur) sowie Bácstopolya (Backa Topola)-Bankert herausragen. Die Freilegung des Gräberfeldes Topolya wurde von den Experten des Städtischen Museums zu Szabadka (Subotica), László Szekeres und Péter Ricz, vorgenommen. Pál Vellenreiter, Museologe aus Zombor, erschloß das erste der vier aus Gombos bekannten Gräberfelder, die Aufarbeitung und Publikation des Fundgutes aber verdanken wir Jisip KoroSec. Im sarmatisch-awarischen Gräberfeld von Topolya-Bánkert kamen aus insgesamt 13 der 166 freigelegten awarenzeitlichen Bestattungen Bogenknochen zum Vorschein. In der 137