A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 17-18. (1979)

KRASINSKA, Eva – KANTOR, Ryszard: Derenk és Istvánmajor lengyel telepes falu néprajzi kutatása

DERENK ÉS ISTVÁNMAJOR LENGYEL TELEPES FALU NÉPRAJZI KUTATÁSA 357 FORSCHUNGEN ZUR VOLKSKUNDE IN EINEM POLNISCHEN DORFE IN UNGARN (Auszug) Im vergangenen Jahrhundert enstand in Polen ein lebhaftes Interesse für die Land­sleute, die in den verschiedenen historischen Epochen ausgewandert waren und sich ausser­halb der Landesgrenzen angesiedelt hatten. Ein Auswanderungsziel polnischer Bauern war Ungarn. Schon vor dem ersten Weltkrieg haben Historiker und Sprachforscher in Oberun­garn mehrere polnische Sprachinseln entdeckt. Bisherigen Angaben zufolge leben augen­blicklich Einwohner polnischer Herkunft in einigen Dörfern am Bódva-Fluss und in Emőd­Istvánmajor, die vor 1941 in Derenk sesshaft waren. Derenk liegt westlich des oberen Bódva­Laufes im nördlichen Karstgebiet des Komitats Borsod. Seine letzten Einwohner waren die im 18. Jahrhundert angesiedelten Polen. Den neuesten Forschungen zufolge war Derenk im Mittelalter ein von Ungarn bewohntes Dorf, das 1710 durch die Pest entvölkert wurde. Gy. Dénes nimmt an, dass nach der Seuche vielleicht Gorale (im polnischen Bergebiet le­bende Hirten) das leerstehende Dorf in Besitz nahmen, die aus dem der Zips benachbarten polnischen Gebiet stammten. Die Polen haben sich innerhalb einiger Jahre stark vermehrt, unter den neuen Lebensverhältnissen hat sich ihr wirtschaftliches, gesellschaftliches und kul­turelles Leben bald entfaltet. Es entfaltete sich auch ihre traditionelle Lebensweise als Wald­bauern. Zwischen den beiden Weltkriegen hatten sie im benachbarten Wald einen Wildpark angelegt, schliesslich wegen Bildung eines geschlossenen Jagdgebietes — bessere Lebensbe­dingungen sichernd — das ganze Dorf ausgesiedelt. Die meisten von ihnen zogen nach Ist­vánmajor, einem Zentrum der herrschaftlichen Güter in der Ebene südöstlich des Bükk­Gebirges, wo ihre anfangs geschlossenen Dorfgemeinschaft ihre traditionelle Kultur wei­terhin pflegte. Das Studium der Kultur von Istvánmajor haben wir im Herbst 1977 begonnen. Zuerst wurden die Beziehungen zwischen dem Geschichtsbewusstsein und der Gegenwart analy­siert. Aus den mündlichen Überlieferungen der Dorfbewohner geht eindeutig hervor, dass ihre Vorgänger ein vernichtetes Dorf in Besitz nahmen, und dass Derenk ausschliesslich mit polnischen Leuten neu angesiedelt wurde. Sie finden auch eine richtige Erklärung für den Ursprung des Dorfnamens „Derenk". Er stammt vom slawischen Wort „drenka", „dreh", d. h. Herlitze, die in der Umgebung des Dorfes in grossen Mengen vorkommt. Diese pol­nische Gemeinschaft sondert sich auch heutzutage von den sie umgebenden von Ungarn bewohnten Gebieten ab, sowohl in ihrer Sprache als auch im nationalen Bewusstsein und in ihrer Kultur. Ihre alltägliche Sprache ist Polnisch mit slowakischen und ungarischen Einschlägen. Sich selbst bezeichnen sie mit verschiedenen Namen: slov'enin, Slawe, Slowake, Lendjelski. Es ist beachtenswert, dass die Bezeichnung slov'enin, Plural slov'ene ein uralter Name ist, der einst bei jedem slawischen Stamm beaknnt war. Ihre Existenz in Derenk gaben der Ackerbau, die Wiesen und der Wald. In ihrem wirtschaftlichen Leben kam es zu mehreren wesentlichen Änderungen. Infolge der Lehens­aufhebung haben sie ihre Rechte auf Lichtungen, Weiden, im allgemeinen auf die Nutzung des Waldes verloren. Die Schafzucht — einst ein wichtiger Faktor ihres Lebens, wahr­scheinlich noch aus der alten Heimat mitgebracht und in der Erinnerung auch heute noch lebend — wurde nicht fortgesetzt. Die Entwicklung des Ackerbaus wurde von den geogra­phischen Gegebenheiten des Gebirgslandes und den demographischen Umständen stark beinflusst ebenso wie die Tierzucht vom Mangel an Getreide. Die Weiden reichten für die

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