Müller-Walter Judit: Mehr als Lebensgeschichten. Schicksale (Pécs, 2010)

r Imau L 1 Als wir in den 50-er Jahren in Bicsérd wohnten, widerfuhr uns noch eine große Überraschung. Mein Taufpate war in Erdőmecske Ratsmitglied, und wir erhielten einen Brief vom Gericht, dass man Janos Molitor, der nach Deutschland ausgesiedelt wurde, suche. Mein Taufpate erzählte mir, dass sie zurück nach Ungarn geflohen sind und jetzt in Bicsérd wohnen. Damals zitierte der Rat von Bicsérd meinen Vater vor sich. Er hatte keine Ahnung weshalh man ihn hereinberuft, aber natürlich ist er erschienen. Er musste sich ausweisen, und man sagte dann folgendes zu ihm: " Als man euch ausgesiedelt hat, hat ein Polizist ihr Geld und ihre Geldbörse weggenommen. Der Polizist wurde damals festgenommen und musste seine Strafe absitzen. Hier ist die Geldbörse und das Geld, das Gericht möchte es nicht länger aufbewahren. Sie möchten es lieber zurückgeben. Aber hier ist auch das Protokoll, wenn sie etwas dazu sagen könnten, wie das alles geschehn ist damals?" Mein Vater erzählte es ihnen. Der Richter fragte ihn auch: "Es ist so viel Zeit verstrichen und sie erinnern sich an jedes einzelne Detail, wie im Protokoll?" Mein Vater antwortete ihm, dass er das alles so lange er lebe nie vergessen könnte. So erhielt er dann, nach vier Jahren seine Geldbörse, mit dem Geld darin zurück. Heute bewahre ich sie, ich habe sie meinem Sohn vererbt, zum Andenken. In Räcmecske in den 1930-er Jahren, vor der Kneipe der Molitors. In der Mitte der Großvater, neben ihm die Großmutter Tante Resi. Die Familie zog nach ihrer Aussiedlung im September 1947 nicht wieder zurück nach Erősmecske. György Molitor mit seiner jüngeren Schwester Teri und seiner Mutter, geborene Maria Lauer. Erdősmecske, der 1940-er Jahre.

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