Müller-Walter Judit: Mehr als Lebensgeschichten. Schicksale (Pécs, 2010)

Die Geschwister Frau Schramm, geborene Therese Arnold und Maria Arnold (später Frau Schraub). Sie kamen in Püspöknädasd (heute Mecseknädasd) zur Welt. Therese Arnold am 12. Dezember 1919 (Resi) und Maria Arnold am 22. November 1925. Sie wohnen beide bei ihren "Ich habe häufig nachgedacht, warum ich so viel habe leiden müssen, und doch bin ich so alt geworden. Ich wusste nicht, dass das so kommen wird. Dort habe ich immer nur geweint und geweint und geweint, ja so war das. " (Tante Resi) Tante Marisch heute Tante Resi: Bei uns wohnten die Befehlshaber der Russkis, wir kochten für sie. Der "Nacsalnyik" , der Chef, sagte zu mir: „Resi geh nicht weg, geh nicht, egal was sie sagen." Er wusste es sicher schon wohin wir gehen mussten. Er musste dann eben mal nach Pest reisen, er sagte den anderen, dass sie auf mich aufpassen sollen. Ich war gerade bei meinen Eltern beim schlachten der Schweine, so sind sie gekommen uns zu holen, wir mussten nach Pécs, davor mussten wir uns auf dem Marktplatz von Nädasd versammeln. Auf dem Weg dorthin traf ich drei kleine Russki Soldaten, die bei uns wohnten. Sie sagten sofort: "Resi dawaj bistra domoj" (Resi komm geh schnell nach Hause) Du musst für uns kochen, aber ich wagte nicht zurück zu gehen. Meine Schwester Marisch ist einmal abgehauen auf dem Weg nach Óbánya, aber als sie hörte, dass auch ich dort war kam sie zurück, damit ich nicht alleine bin. "Ich wusste nichts über meine Familie, ich wusste nicht ob sie noch leben oder bereits gestorben sind oder ob man sie ausgesiedelt hat, aber ich entschied mich zurück zu kehren, es mag kosten was es mag, ich dachte ich werde sie doch irgendwie, irgendwann finden, egal wo sie sind." ( Tante Marisch) Tante Resi heutzutage An der ungarisch-russischen Grenze mussten wir aussteigen und dort war gerade eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind, sie holte gerade Wasser. Der Russki war gerade dabei uns zu zählen, und weil wir nicht genügend waren, so viele wie wir im Wagen sein sollten, es sollten vierzig sein und es fehlte einer, nahm er die Frau von dort drüben einfach mit. Sie musste einfach mitkommen, und ihr Kind blieb alleine dort. Das war so. Offiziell hieß es immer wir werden nach Bácska zur Meisernte gebracht. Aber das war nicht Bácska, wir waren sehr weit davon entfernt. Das fühlte ich und das sagte ich auch immer, dass wir nicht nach Bácska

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