Janus Pannonius Múzeum Évkönyve (1964) (Pécs, 1965)
Régészet - Kiss, A.: Zur Frage der frühmittelalterlichen Weinbaues im Karpatenbecken
DER FRÜHMITTELALTERLICHE WEINBAU 137 sie sich mit der Anpflanzung von Reben beschäftigt hätten. Nachdem die zweite Möglichkeit ausgeschlossen ist, ist nur das Fortbestehen der römerzeitlichen Weinkulturen denkbar?. Diese Annahme scheint gerechtfertigt weil wir wissen, dass ein Teil der Bevölkerung auch nach der Aufgabe Pannoniens in ihren Siedlungsstätten verblieb. 44 Diese Bevölkerung sicherte wahrscheinlich die Weiterführung des Weinbaues, die Jahr um Jahr wiederkehrende systematische Pflege des Weinstockes und die Weitergabe der sich auf den Weinbau beziehenden Kenntnisse bis in die Spätawarenzeit. Damit war der spätawarenzeitlichen Bevölkerung theoretisch die Möglichkeit gegeben, sich die Kenntnisse des Weinbaus an Ort und Stelle anzueignen. Wir hatten versucht, den im Suidas-Lexikon enthaltenen Bericht von der Römerzeit ausgehend, glaubhaft zu machen, nun wollen wir — als Gegenprobe — prüfen, welche diesbezügliche Angaben uns von der Árpádenzeit zurückblickend zur Verfügung stehen. Die auf 890 gefälschte, tatsächlich aber in den Jahren 970—977 entstandene Arnulfsehe Urkunde, und die 978 erlassene Bestätigung derselben, erwähnt in Pécs und in Somlóvásárhely im Komitat Veszprém Weingärten. 45 Die von König Stephan I. erlassene griechischsprachige Gründungsurkunde des Nonnenklosters in Veszprém-völgy stammt — allgemein anerkannterweise — aus dem Jahr 1002 oder aus der Zeit unmittelbar vorher. 46 Die Forschung hatte auch die Möglichkeit erwogen, dass die Urkunde nicht von Stephan I. stammt, sondern dem Fürsten Gé44 Die These wurde öfter diskutiert. Den gegenwärtigen Stand der Frage hatte jüngst György Székely — mit negativer Stellungnahme 1 — zusammengefasst (TBM XII, [1057] 7—21). 45 Györffy, Gy., Az Árpád-kori Magyarország történeti földrajza (Geschichtliche Geographie des árpádenzerMchen Ungarns), (Bp. 1963) 356; Györffy, Gy., A szávasizentdemeteri görög monostor XII. sízázadi birtokösszeírásai (Grundibestandinskriptionen des griechischen Klosters von Szávaszentdemeter aus dem 12. Jahrhundert.) MTA II, Oszt. Klözl. II. (1952) 328, Anm. 15. 46 Szentpétery, I., Az Árpád-házi királyok okleveleinek kritikai jegyzéke (Das kritische Verzeichnis der Urkunden der Könige aus dem Haus Árpád) (Bp. 1935) I. 1. za angeschlossen werden könnte, 47 der in der Taufe gleichfalls den Namen Stephan erhalten hatte. 48 Die frühe Datierung würde die Glaubwürdigkeit der Arnaulf-sehen Urkunde in dieser Frage bekräftigen. In der Urkunde heisst es, dass Stephan — neben anderen Dotationen — den im Dorfe Paloznak wohnhaften Winzer Mira, 49 und den im Dorfe Patadi wohnhaften Winzer Melegdi 50 dem Kloster schenkte. Die Gründungsurkunde des Benediktinerklosters von Pannonhalma bestätigt, dass Stephan I. die Zehenten des „comitatus" von Somogy dem Orden verliehen hatte. 51 Bei der Aufzählung der Zehent-Quellen nennt die Urkunde auch den Zehent, das auch nach den Weingärten des „comitatus" zu entrichten sei. 52 Aus der Gründungsurkunde des Bistums von Veszprém 53 erfahren wir, dass Stephan I. — unter anderem — auch das in der Nähe der civitas Urhida gelegene Dorf Fyleu mit allen seinen Werten, mit seinen Weingärten dem Bistum geschenkt hatte. 54 Alle diese Urkunden bestätigen, dass es in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts und ganz zu Beginn des 11. Jahrhunderts vermutlich nicht nur an den angeführten Orten, sondern auch anderwärts blühende Weinkulturen gab, deren Bestehen keinsfalls eine Folge der damals noch nicht beendeten staatlichen Organisation und des parallel damit auftretenden westlichen Einflusses sein kann. Mit der Frage des Árpádenzeitlichen Weinbaus hatte sich die Forschung noch nicht ein47 Balogh, A., A veszprémvölgyi görög monostor alapítása. A legrégibb magyarországi oklevél. (Gründung des griechischen Klosters von Veszprémvölgy, Die älteste Urkunde von Ungarn) Regnum VI, (1944—46) 21—30. — An dieser Stelle möchte ich József Gerics Dank für diese Auskunft sagen. 48 Gombos, A., Catalogue Fontium Hist. Hung. I, (Bp. 1937) 16. 49 Pais, D., A veszprémvölgyi apácák görög oklevele, mint nyelvi emlék (Die griechischsprachigfe Urkunde der Nonnen von Vszprémvölgy als Sprachdenkmal). SZIEK II, (Bp. 1938.) 618—620. 50 Pais, D., op. cit. 634—638. 51 PRT I, 590^-591. 52 Ebd. 591. 53 Györffy, Gy., op. cit. 534. 54 Füle, Komi tat Fejér (Bezirk Székesfehérvár)