Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)
Gaál, Károly: Der Stand und die Zielsetzung der Fischerei-Forschung in Österreich
Die Forellen leben in Gewässern, die sehr kalt sind. Tritt der Fluss in die Hügellandschaft ein, so steigt die Wassertemperatur. Die Forellen gehen nicht mehr weiter, auch wenn die Fliessgeschwindigkeit des Wassers für ihre Lebensweise noch geeignet wäre. Die „Forellengrenze” ist ein Beispiel dafür, wie eine Fischartengrenze entsteht, die gleichzeitig immer auch eine Gerätegrenze ist.4 Da diese Fischartengrenzen im Osten Österreichisch beinahe mit den Landesgrenzen zusammenfallen, ist man leicht bereit, sie als ethnische Grenzen zu bezeichnen. Gerade in der Fischereiforschung dürfte aber die Bedeutung ethnischer Faktoren nicht leichtfertig betont werden. Speziell in Österreich ist die geographische und hydrgraphische Grenzwirkung auf Fanggeräte und Fangtechnik vielleicht am vielseitigsten zu beobachten. Um der Forschung eine systematische Grundlage zu schaffen, empfiehlt sich eine Dreiteilung der Fischereiarten in Alpenfischerei, Fischerei in der Hügellandschaft und Fischerei in der Ebene. Die wieder anderen Fischarten und Fangtechniken auf den Alpenseen, den Mittelgebirgsseen und den Steppenseen sind dabei extra zu berücksichtigen. Die erst in den letzten Jahren zu planmässiger Forschung intensivierte Arbeit auf dem Gebiet der Fischerei zeigte, dass wir in Österreich heute dort anfangen bzw. jenen Forschungsstand erst anstreben müssen, den andere Länder schon im vorigen Jahrhundert erreicht hatten. In Finnland, Rumänien, Ungarn, Polen, Russland u. a. erschienen bereits um die Jahrhundertwende grosse Zusammenfassungen zur Fischereiforschung. Heute längst Vergangenes konnte man in jenen Ländern noch in situ erfassen. Wir als Nachzügler sind diesbezüglich auf Rekonstruktionen oder Archivfunde angewiesen. So wird es nötig sein, eine breit angelegte und tiefschürfende Quellenforschung einzuleiten. Neben anderen Möglichkeiten der Quellenfindung ist vor allem eine gründliche Archivarbeit wichtig. Weiters ist es notwendig, die bislang vernachlässigte interdisziplinäre Zusammenarbeit aufzunehmen. Sozial-und Wirtschaftsgeschichte, Kulturgeographie und die Naturwissenschaften können wertvolles Material liefern. Für die Fischereiforschung sind besonders die Ergebnisse der Kirchengeschichtsforschung von entscheidender Wichtigkeit. Die übernationale Wirkung des Zusammenhangs zwischen mittelalterlichen kirchlichen Wirtschaftsorganisationen und Fischer-Arbeitsgemeinschaften spielt bis heute eine nicht zu übersehende Rolle, was anhand nur eines einzigen Forschungsproblems exemplarisch nachgewiesen werden kann. So ist z. B. bis heute nicht genügend klar, wie die Arbeitsgemeinschaften (halászbokor) auf dem Plattensee (Ungarn) entstanden sind. Bis vor einigen Jahrzehnten bestimmte dieses halászbokor die Arbeitsmethoden und auch 4 GAÁL 19«8. S. «5—87 98