Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Gaál, Károly: Der Stand und die Zielsetzung der Fischerei-Forschung in Österreich

den Gerätebestand. Als ich vor einigen Jahren die Fischerei auf dem Mondsee (Westösterreich) untersuchte, entdeckte icli dort die selbe Arbeitsgemein­schaftsform, deren Kontinuität sich von der Gegenwart bis zurück ins Mit­telalter verfolgen lässt. Der Charakter der Arbeitsgemeinschaftsformen weist keinerlei ethnische Züge auf, wie es die ungarische Forschung lange ver­mutete, sondern ist einfach von der mittelalterlichen Wirtschaftsorganisa­tion des Benediktinerordens geprägt, welche zur Zeit ihres Aufbaus auf modernster Wirtschaftsplanung beruhte. (Hier wirft sich die Frage auf, ob man damals diese Fischereiart als eine volkskundliche Erscheinung, oder als ein zeitgemässes Fischereiunternehmen betrachtet hätte.) Analog zum Plattensee existierten auf dem Mondsee bei den Berufsfischern die Grossgeräte und bei den Kleinfischern in den Ufergebieten die Kleingeräte. Dieses kleine Beispiel erhärtet die Forderung, von der überwiegend auf den Kleinraum ausgerichteten Betrachtungsweise Abstand zu nehmen und die schon erwähnte interdisziplinäre Zusammenarbeit anzustreben. Die Nach­barwissenschaften unserer volkskundlichen Disziplin haben viele Angaben bereit, zu denen wir aus unseren eigenen Forschungsergebnissen schöpfend nicht gelangen können. Die Klärung vieler, für uns wichtige Fragen hängt von uns allein, von unserer interdisziplinären Kontaktfreudigkeit ab. Des weiteren ermöglichen uns die Terrainforschungen eine Gerätesammel­tätigkeit. Wir lernen dabei nicht nur die Einzelstücke, sondern auch die Geräteeinheiten kennen und erkennen. Es gibt hunderte Beispiele dafür, wie sich Forscher durch Einzelerscheinungen irreführen Hessen. Dabei braucht man bloss zu bedenken, dass kein Gerät allein benützt wird. Es leben immer aktive und passive Geräte mit- oder nebeneinander, sie ergän­zen einander, hängen organisch zusammen und bilden so eine Geräteein­heit.5 Manchmal genügt es, dass aus irgend einem Grund nur ein einziges Gerät verändert oder ausgewechselt werden muss — und schon erhalten alle anderen Stücke innerhalb der Gerätegemeinschaft eine andere Funk­tion, vor allem aber gewinnen sie einen anderen sozialen Rang. Innerhalb der Gerätegemeinschaften unterscheiden wir: aktive Geräte (Fanggeräte, die unmittelbar zur Durchfürung des Fisch­fanges benützt werden) ; passive Geräte (Boote, Bekleidung, Hebeeinrichtungen etc. ; sie ermög­lichen die Benützung der aktiven Geräte); Ergänzungs- oder Zusatzgeräte (dienen zur Herstellung und Reparatur der akt. und pass. Geräte). 5 GAÁL 19<>9 7* 99

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