Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Luts, Arved: Über die Erforschung des volkstümlichen Fischfangs in Estland

den zog er Vergleiche zu Nachbarvölkern, aber auch zu entfernteren Re­gionen Europas. Diese Vergleiche sind allerdings oft mechanisch und formal, ohne Bezug auf die tatsächlichen kulturellen Berührungspunkte.12 Eine Ausnahme bilden, wie schon gesagt, die Feststellungen bezüglich der Gemeinsamkeiten mit den Russen, deren Begründung in der Einleitung mit historischem Material erfolgt. MANNINEN führte in Estland auch das Kartographieren ethnogra­phischen Materials ein. Der damalige Stand der Erfassung von Angaben über die Fischerei ermöglichte es jedoch offenbar noch nicht, diesen Erwerbs­zweig auf Karten umfangreicher darzustellen. Im zitierten Werk ist ledig­lich eine Verbreitungskarte über das Kufenzugnetz vorzufinden, aus der das vorwiegend östliche Verbreitungsgebiet dieses Fanggeräts ersichtlich wird. Als Handbuch hat MANNINENS Werk mit kulturhistorischem Einschlag bis heute seine Bedeutung jedoch nicht verloren. In den 30er-Jahren war G. RÄNK der bedeutendste Forscher in Fragen Fischerei und gleichzeitig der Leiter der entsprechenden Sammeltätigkeit in Estland. Die grösste Beachtung verdient sein Werk über die Fischerei des Peipussee 13 Da er ein engbegrenztes Territorium erforschte, vermochte er mehr in die Tiefe zu dringen und dementsprechend erfolgreich zu sein. Als Quellenmaterial verwendete er auch Archivalien. Im einleitenden Teil des Buches entwirft RÄNK ein Bild von der Fischerei als einem Erwerbs­zweig; dabei zitierter statistische Angaben. Etwas eingehender befasst er sich mit der Siedlungsgeschichte des Peipusufers ; besonders untersuchte ei die Verteilung von Esten und Russen auf Gebieten mit Mischsiedlungen während verschiedener Perioden, beginnend mit dem 16. Jahrhundert. Eine entsprechende Karte ist beigefügt. Der Hauptteil der RÄNK’schen Arbeit ist in Analogie zur Darstellungsweise von MANNINEN aufgebaut, und zwar nach Fangarten, beginnend mit den primitiven Methoden. Zum Unterschied von seinem Vorgänger schenkt er jedoch den Hilfsgerätschaf­ten, z. B. den Booten mehr Beachtung. Auch schildert er die zeitweiligen Behausungen der Fischer auf dem Eis des Peipussees. Das Werk schliesst mit einem ganzen Kapitel über die Haltbarmachung und Zubereitung von Fischen. Die Zusammenfassung erörtert ausschliesslich Fragen der Kultur­entlehnungen. Es wird der Schluss gezogen, dass den Esten die hauptsäch­lichsten Fangarten bereits vor den Kontakten mit Russen bekannt waren. Die Estländer fischten in erster Linie zur Deckung der eigenen Bedürfnisse, die Russen hingegen führten den Grossfang ein und betrieben die Fischerei 12 VIIRES 1970. S. 235. 13 RÄNK 1934. S. 217. 107

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