Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)

Luts, Arved: Über die Erforschung des volkstümlichen Fischfangs in Estland

als Erwerbszweig. Diese Festeilungen fanden in den Werken späterer Forscher auch bezüglich der estnischen Meeresküste ihre Bestätigung. Interessant ist auch die Bemerkung von RÄNK über den auffallenden Internationalismus der primitiven Fischerei, was kaum durch Kulturent­lehnungen, sondern durch die Gleichartigkeit der Naturbedingungen und der menschlichen Erfahrung zu erklären sei. G. RÄNK publizierte als erster den teils im 20. Jahrhundert geübten kollektiven Schleppnetzfang auf der Insel Muhu. Die Wurzeln dieser Form reichen in die Zeit der dörflichen Gemeinschaftsarbeit zurück 14.Die Angaben von RÄNK hat der Folklorist R. VIIDALEPP ergänzt15. Von den Werken die Folkloristen, die sich hauptsächlich auf die mit der Fischerei verbundenen Glaubensvorstellungen beziehen, verdient lediglich eines genannt zu werden, nähmlich „Gedanken-, Tat- und Worttabu bei den estnischen Fischern” von O. LOORITS aus dem Jahre 1939. Hierher gehört auch eine spätere Abhandlung von I. TAL VE über Votivfische1'1. Eine Auswahl von im Folklore—Archiv befindlichen Schilderungen aus dem Leben der Fischer und Seeleute ist ebenfalls 1939 veröffentlicht wor­den . Von den sowjetischen Ethnographen wandte A. MOORA als erster seine Aufmerksamkeit auf die Fischerei, und zwar im Zusammenhang mit der Erforschung der estnisch-russischen Beziehungen.17 Er untersuchte gründ­lich die Fangarten nordwestrussischer Fischer in estnischen Gewässern und veröffentlichte dazu eine Karte. In noch grösserem Umfang benützte A. MOORA Material über die Fischerei in einem Werk zur ethnischen Ge­schichte des am Peipussee gelegenen Gebietes18. Ein ganzes Kapitel befasst sich darin mit der Frage der Fischerei. Verglichen mit dem Werk von RÄNK enthält MOORAS Arbeit zahlreiche ergänzende Angaben - beis­pielsweise über die Techniken des Netzknüpfens, über primitive Sperrfang­geräte, über Grossreusen usw. Bemerkenswert ist die Darlegung der Orga­nisationsformen des Fischfangs bei MOORA. Das gesamte Material wird mit Angaben aus anderen Gebieten Estlands und seiner Nachbarländer verglichen. Besonders wertvoll sind die theoretischen Folgerungen des Autors: bei der Entstehung und Entwicklung ethnischer Beziehungen ist der Charakter der Wirtschaft von wesentlicher Bedeutung, denn sie bestimmt die wirtschaftlichen Beziehungen und Interessengebiete. Da aus verschie­14 RÄNK 1930. S. 281—290. Rank 1938. 15 VIIDALEPP 1941. Nr. 2—4. 10 TALVE 1951. S. 3—49. 17 MOORA 1950. S. 45—54. 18 MOORA 1904 S. 308. 108

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