H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

III. Die Requisiten und Rekonstruktion der Bestattung

Ili. DIE REQUISITEN UND REKONSTRUKTION DER BESTATTUNG Eine Eigenheit unserer Fürstenfunde ist es, daß sie alle der Zufall ans Tageslicht brachte und bei ihrer Auffin­dung kein fachkundiger Beobachter zugegen war. Bezüglich der Lage der Funde im Verhältnis zueinan­der sind die Beobachtungen - wenn solche über­haupt erhalten blieben - außerordentlich lückenhaft. Ähnlich ist die Situation auch im Falle des Fürstengra­bes von Kunbábony, und das können auch die noch so gewissenhafte Befragung der Finder sowie die Au- thentifizierungsgrabung am Fundort nicht annähernd aufwiegen. Um also die Bestattung mit mehr oder weniger an die Realität angrenzender Wahrschein­lichkeit rekonstruieren zu können, müssen wir neben den Aussagen der Finder und der Analyse des gesam­melten Materials auch die im Zusammenhang mit den awarenzeitlichen Bestattungsbräuchen stehen­den, im Verlaufe langer Jahrzehnte der Forschung angehäuften Beobachtungen heranziehen. Ja sogar die Bestattungssitten anderer Völker der Zeit bzw. vereinzelt von zeitlich sowie räumlich gleichermaßen entfernter liegenden Nomaden mußten wir darüber hinaus zu Hilfe nehmen. Bei der Auswertung des umfangreichen Materials aus dem Grab 1 von Kunbábony versuchten wir zu bestimmen, welche Rolle die Gegenstände bei der Bestattung gespielt haben könnten, wie sie in die Erde gelangten. So waren wir bestrebt, in erster Linie die zu Lebzeiten auch als Würdeabzeichen verwendeten Waffen, Waffengürtel und deren Zubehör sowie die einfacheren, alltäglichen Gebrauchsgegenstände ge­sondert zu ordnen. Die erhaltenen Funde, von denen ein Teil zum Zwecke der Bestattung gefertigt oder umgestaltet wurde bzw. die man als Beigabe verwen­det hatte, faßten wir als Requisiten des Bestattungs­brauchs zusammen. Zweifellos sind hierunter die Amphore und die Tierknochen einzuordnen, die mit dem Speise- und Trankopfer Zusammenhängen, ebenso das zur Trag­bahre umgestaltete Bett sowie das Zubehör des die­ses bedeckenden kistenartigen Sargdeckels oder Sar­ges (?), ferner die als Totenobolus interpretierbare Silberscheibe. Ebenfalls eindeutig nur für die Bestat­tung gefertigt wurden die Totenringe, die auf die mit goldenen Fingerenden verzierten Handschuhe aufge­schoben waren, und das mit Gold- und Silberblechen geschmückte Gesichtstuch, von dem mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, daß es das Gesicht des Toten bedeckt hat. Letztere ver­suchten wir vom Saum des Kleides und den die Stiefel zierenden Goldblechen zu trennen, dabei mit mehr oder weniger Unsicherheit rechnend. Noch schwieri­ger war es, die erhalten gebliebenen Goldfolien­fragmente unterschiedlicher Feinheit bzw. Dicke zu bestimmen. Es ist nämlich sehr wahrscheinlich, daß die zu Lebzeiten gebrauchten Kleidungsstücke eben­so mit Gold verziert waren wie das zur Bestattung verwendete Leichentuch oder die Kopfunterlage usw. Da jedoch ihre Eingrenzung und Bestimmung ihrer näheren Funktion ein aussichtsloses Unterfangen scheint, behandeln wir sämtliche Goldfolien frag- mente im Rahmen dieses Kapitels. SPEISE- UND TRANKOPFER AMPHORE (Kat. 88.) Vom Anfang des Jahrhunderts stammt unser erster Amphorenfund, der aus den awarenzeitlichen Grä­berfeldern zum Vorschein kam. Zwar stieß man seit­her in der Masse der awarischen Gräber verstreut auf das eine oder andere Exemplar, so scheint es den­noch, daß die einheimische Forschung dem als Sel­tenheit geltenden Fund verhältnismäßig wenig Auf­merksamkeit schenkt. Erklären ließe sich das viel­leicht auch damit, daß es ziemlich schwer ist, die genaue Herkunft und die engen Zeitgrenzen der 61

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