H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

III. Die Requisiten und Rekonstruktion der Bestattung

Verwendung der auf einem großen Gebiet, in reichen Formenvariationen vorkommenden Funde zu be­stimmen; so können sie zur Datierung der einheimi­schen Funde lediglich als ergänzendes Detail dienen. Die mit dem Voranschreiten der Forschung zwi­schenzeitlich angewachsene Menge der Funde er­möglicht und macht es gleichzeitig notwendig, einen Überblick der aus einheimischen awarenzeitlichen Funden stammenden Amphoren zu geben, unter besonderem Hinblick auf die große kugelbauchige Amphore des Khagangrabes von Kunbábony (Abb. 16. 5.). Aus dem Reitergrab 193 des von Elek Kada er­schlossenen Gräberfeldes in Gátér kam zusammen mit gepreßten Pferdegeschirrbeschlägen die 47,0 cm hohe Amphore (Abb. 16. 4.) mit Trichterhals, gewölb­ter Seite und etwas zugespitzter Standfläche zum Vorschein.36 Die Authentizität des Fundensembles des Grabes, die Zugehörigkeit der zusammen mit den gepreßten Beschlägen publizierten spätawarischen Funde — gegossene, blattverzierte Schnalle und Be­schlag - zu diesem Grab werden von Ilona Kovrig in Zweifel gestellt,37 was allerdings den verbleibenden Teil des Grabensembles wohl kaum berührt. In der Folge kamen aus dem Grab 56 C des Gräberfeldes Kiskörös-Pohibuj Mackó in Begleitung eines aus Silber gepreßten Lochkranzbeschlags und des knöchernen Besatzes eines schmalendigen Bogens eine 41 cm hohe Amphore (Abb. 16. 3.1.) ähnlichen Typus sowie aus Grab 59 ein Amphorenfragment zusammen mit einem scheibenförmigen Gürtelbeschlag zum Vor­schein. Im Zusammenhang mit den Funden verwies Tibor Horváth auf deren Beziehungen zum Balkan, zu Süditalien und den Randgebieten des Schwarzen Meeres; seiner Beurteilung nach müssen sie unter unsere awarenzeitlichen Funde auch durch diese östliche Vermittlung gelangt sein.38 Auf ähnliche Weise interpretierte auch Gyula Török39 der das Grä­berfeld publizierte, die Funde als solche mediterra­nen Ursprungs, von den Ufern des Pontus stammend. Auf das weitere Fragment einer Amphore mit scharf konturierter Schulter und Standfläche sowie fast zylindrischem Körper stieß man im Grab 333 des Gräberfeldes Csákberény-Orondpuszta. Aufgrund des Fundes und der mit ihm zusammen publizierten, reichlich unterschiedlichen Gefäßtypen hält Nán­36. HAMPEL: 1905, Bd. II. 357; Bd. III. 269. KADA: 1906, 207-208, Abb. 193. d. 37. KOVRIG:1963, 234. Neuere, vorerst nicht publizierte Grabfun­de deuten darauf hin, daß die Lebensdauer des einen oder anderen Gegenstandes auch länger als bisher angenommen gewesen sein könnte und das gemeinsame Vorkommen die­ser Gegenstände bei weitem nicht auszuschließen ist. 38. HORVÁTH, T.: 1935, Taf. XL. 1. 39. TÖRÖK: 1975 a, 295, Abb. 8. 56/c 7. dor Fettich die Tätigkeit weiterlebender römischer Handwerksmeister für erwiesen.40 Wieder einen an­deren Typus vertritt im Kreise der einheimischen Funde die 47 cm hohe Amphore (Abb. 16. 2.) vom Fundort Tiszavasvári-Koldusdomb.41 Ihre Öffnung ist trichterartig, der Hals verengt, der hochaufragende Henkel führt zur Schulter zurück, ihr gestreckter Kör­per wird leicht schlanker, die Standfläche ist abgerun­det. Der Fund kam in der Nähe des Kopfes des ausgestreckten Skeletts zum Vorschein, und im Grab befanden sich außerdem eine Gürtelgarnitur aus Bronzeblech, eine partielle Pferdebestattung und ein Steigbügel mit langer Schlaufe. Diesem Typ steht die aus dem jüngsten Grabfund von Dány stammende, 38 cm hohe, schlanke Amphore (Abb. 16. 1.) mit abgerundeter Standfläche nahe.42 Sie wurde neben dem Schädel gefunden, außerdem waren im Grab ein mit Goldblech gepreßter Schild und doppelt schild­förmige Silber- bzw. Aufhängerbeschläge, Eisen­schnalle, sowie dreischneidige Pfeilspitzen. Aufgrund der in die erste Hälfte des 7. Jh. datierbaren Parallelen gibt die Bearbeiterin des Fundes als Herstellungszeit der Funde des Grabes den Anfang des Jahrhunderts an. Gleichzeitig ist sie der Ansicht, daß die einheimi­schen Amphoren, darunter auch das Fragment aus dem Grab 333 von Csákberény-Orondpuszta, in ei­ner byzantinischen Werkstatt hergestellt wurden.43 Sowohl in ihren Maßen, als auch den Proportionen weicht die große, kugelbauchige Amphore des Kha­gangrabes von Kunbábony entscheidend von den bisher aufgezählten einheimischen Amphorenfunden ab. Die im 6. Jh. auftauchenden und auch im 7. Jh. gebräuchlichen Typenvarianten der Amphoren mit kugeligem Bauch waren in der byzantinischen medi­terranen Welt, ja sogar darüber hinaus weit verbrei­tet. Darunter sind die uns näher berührenden, dem Fund von Kunbábony am nächsten stehenden dieser Typenvarianten in erster Linie aus den Funden der Städte in der Gegend des Schwarzen Meeres gut bekannt. Unter ihnen finden wir gleichsam alle unse­ren Fund kennzeichnenden Kriterien: den in Form eines abgeschnittenen Kegels verdickten Rand, die von der Halsmitte sich nach unten auf die Schulter wölbenden, winkliger werdenden Henkel, die kugeli­ge Schulter und den leicht verengten Bauch, und 40. FETTICH: 1965. 111, Abb. 181. 5 BÓNA: 1971 b, 243. Unter diesen Funden erwähnt er auch die Amphore als byzantinischen Ursprungs. 41. CSALLÁNY: 1963, 54. Awaren in Europa: 1985, 38, Abb. 24. Die Schätze der Awaren (Az avarok kincsei): 1986, 23, Abb. 9. 42. TETTAMANTI: 1980, 157, Abb. 4., Awaren in Europa: 1985. 38, Nr. 10. 43. BÓNA: 1971 b, 243. TETTAMANTI: 1980, 159, 62

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