H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

VI. Die Lehren des Fundes von Kunbábony und seiner Parallelen für die awarenzeitliche Forschung

VI. DIE LEHREN DES FUNDES VON KUNBÁBONY UND SEINER PARALLELEN FÜR DIE AWARENZEITLICHE FORSCHUNG Im Zuge der Aufarbeitung des Fundes haben wir, abgesehen von einigen Gegenständen, fast jedes sei­ner Stücke eingebettet in das awarenzeitliche Fund­material des 7. Jh. untersucht. Zwar ist es ein berecht­igter Einwand, daß „wir bisher weder aus Südrußland, noch aus dem Karpatenbecken das Gemeinvolk der Granulationsverzierungen tragenden Fürsten ken­nen"972 und daß sich „Fertigung und Dekor der Für­stenfunde grundlegend von der Mehrzahl der Gräber­feldfunde unterscheidet".973 Und doch möchten wir betonen, daß die Vorstellung, die hinter dieser Aussa­ge steht, nicht zutrifft. Unsere Fürstenfunde schwe­ben nicht einem luftleeren Raum, wodurch sie sich einem beliebigen Zeitraum zuordnen ließen. Es trifft zu, daß einige Typen der Würdezeichen, die nur von den Fürsten getragen werde dürften ausschließlich in den Komplexen der Gräber von Kaghanen, Führern ähnlichen Ranges zu finden sind; doch bilden die alleinstehenden vornehmen Bestattungen bzw. die Gräber der Führungsschicht einzelner Gräberfelder die Glieder einer Kette, durch die ein Gutteil des Materials der Fürstengräber mit dem Fundgut des Gemeinvolkes verbunden ist. Die Beziehung besteht nicht durch eine einmalige Übertragung; einzelne Gegenstände fremden Ursprungs wurden nicht im­mer in ihrer Gesamtheit, sondern lediglich einzelne ihrer Zierelemente in die Praxis der awarischen Kunst übernommen. Die Verzierungen an den Gürteln mit Zellwerk und steinbesetzten Pseudoschnallen der Fürsten von Kun- bäbony und Bocsa entstanden mit geringfügigen Ab­weichungen in ein und derselben Werkstatt aus ähn­lichen Elementen. Zwar nicht die Beschlagtypen, die den Rang das khagans bezeichneten, aber dafür zahl­reiche andere Pseudoschnallentypen in gepreßter, vergoldeter Ausgabe wurden ebenfalls getragen, und die Benützung dieser Gürtel ist laut Zeugnis einzelner 972. BÁLINT: 1978, 199. 973. DAIM: 1987, 83. unserer Gräberfelder verbreiteter als die der echten Pseudoschnallen.974 Die enge Beziehung zwischen den beiden Fürstengräbern wird übrigens auch daran deutlich, daß in das Grab des Khagans jenes Schwert mit den von Kügelchen eingerahmten Zellwerkver­zierungen an seiner Parierstange (Kat. 13.) gelangte, die zusammen mit Beschlägen gefertigt wurden, die denen des Gürtels von Bocsa entsprechen. Von kaum wahrnehmbaren Unterschieden abgesehen stimmt die Einrahmung der beiden Köcheröffnungen überein, und wahrscheinlich zur gleichen Zeit entstanden die -sogar in ihren kleineren Abweichungen identischen - je drei kleinen Blechriemenzungen (Kat. 46 a-c) der beiden Funde. Die Formen der spitzendenden Rie­menzunge am Blechgürtel von Kunbäbony trafen wir in der Regel unter den Pferdegeschirrgarnituren des 7. Jh. an. Die Scheibenbeschläge mit Glaseinlage am Blechgürtel von Bocsa hingegen können als Vorfah­ren der für die Mittelawarenzeit so typischen Gürtel­beschläge mit Steineinlagenimitation angesehen wer­den. Eine Garnitur, die mit unserem Paar Riemenzungen (Kat. 42.) mit in perlengerahmten Fassungen verbor­gener Vernietung verwandt ist, fanden wir im Kreise der Gürtelgarnituren mit Nietkopfverzierung des Grä­berfeldes Alattyän und nicht zuletzt in dem Goldbe­schlag mit Ringanhänger des Ungarischen National­museums. Auf Analogien zur gegensätzlichen „P"- Form unseres ähnlich verzierten Taschenhalter- Paares stießen wir unter den Stücken des Gräberfel­des Peszéradacs-Kunpeszér. Mit identischen Niete hatte man die Befestigung der Schwerthalterung in Grab 30 des Gräberfeldes Kunpeszér und in Grab 2 von Kunbäbony gelöst. Im Kreise der awarenzeitlichen Funde aus Westun­garn trafen wir auf die Parallelen unseres Messers mit Zahnschnittmuster und seines Halterungsbeschlags (Kat. 58., 53.) sowie des ihm verwandten Messers und 974. LÁSZLÓ: 1955, 287. 215

Next

/
Thumbnails
Contents