H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18

gen, Gürtelbeschlägen, Rosetten und Henkelknöpfen „fand man auch ein größeres, rohrartiges Futteral, an einem Ende geschlossen, darauf mit einem Ring".787 Vermutlich ließe sich bei eingehenderer Untersu­chung der als Messerfutterale oder Heftbesätze publi­zierten Gegenstände die Reihe der Stücke dieses Fundtyps noch erweitern.788 Auf seinen östlichen Ur­sprung und die lange Zeit seiner Benutzung deuten die in der Form ähnlichen Funde mit wahrscheinlich analoger Funktion hin, die auch Jahrhunderte später noch auf dem Gebiet Südrußlands zum Vorschein kamen.789 Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die überwiegende Zahl der Parallelen in Frauengrä­bern gefunden wurde, zumeist in Begleitung von Toilettegegenständen, darunter auch Sieblöffeln. Es erscheint deshalb als Widerspruch, daß dieser Typus auch in unserem Fund auftritt. Und doch läßt sich als sicher annehmen, daß sich auch im Fund von Kunbä- bony eine Tube mit einer den Parallelen analogen Funktion befunden hat, da die aus geripptem Gold­band gefertigte (Kat. 50.) Schlaufenöse ähnlich zu den Exemplaren aus Gátér, Kiszombor und Deszk der Aufhängung gedient haben könnte. Als Bestätigung ihrer Beziehungen zu den Toilettegegenständen kann weiter gelten, daß sie gleichzeitig aus unserem Fund­material verschwinden, und aus spätawarenzeitli­chen Funden kennen wir keine entsprechenden Para- lellen. DER COLDLÖFFEL Außer acht gelassen werden sollen hier auch nicht die übereinstimmenden und eindeutigen Aussagen der Finder, wonach sich im Grab auch ein goldener Löffel befunden hat. Zwar ging er verloren, doch aufgrund der eingehenden Beschreibung durch einen der Finder - von Beruf Dreher -, auf die wir im Kapitel über die Geschichte der Entdeckung des Fundes be­reits verwiesen, bietet sich uns die Möglichkeit einer zumindest ungefähren Bestimmung seines Typs. Den bekräftigten Angaben mehrerer Finder zufolge war der Löffel zusammen mit dem Stiel etwa 200-220 mm 787. CRINCENKO: 1952, Taf. III. ERDÉLYI: 1982, 43. 788. Diesem Zweck kann die Bronzetube mit kaum 1,0 cm Durch­messer, das längliche, gerippt abgerundete Röhrchen des Fundes von Pereäcepino wohl kaum entsprechen, denn es ist auch weesentlich schmaler als unsere Tuben. Deshalb kön­nen wir nicht behaupten, daß sie einem ähnlichen Ziel diente. BOBRINSKI: 1914, Taf. XV. 50. 789. CAWRILOWA: 1965, Taf. XXVI. 3. KENK: 1982. Abb. 27.7. FEDOROW-DAWIDOW: 1966, Abb. 9, 54. lang, der Durchmesser seiner runden Laffe etwa 40 mm. Diese war aus dünnem, aber haltbar erscheinen­dem Goldblech ohne Verzierungen oder Bohrungen gefertigt. Der gedrehte Stiel muß aus schlechterem oder schwächerem Material gewesen sein, an seinem Mittelteil befanden sich Korrosionsspueren. Bezüglich seiner Maße könnte unser Fund den Sieblöffeln der selten vollständigen Toilettegarnituren der awarenzeitlichen Frauengräber vom Anfang des 7. Jh., nahegestanden haben. In diesen Fundkomple­xen kommen neben den Löffelchen manchmal auch eine Stielnadel, das „strigilis"' oder eine Pinzette vor, zu denen sich nicht selten wertvolle Messer, Pinzet­ten, Spiegel oder Taschen gesellen.790 Die Länge die­ser Löffelchen beträgt 13-18 cm, der Durchmesser ihrer Laffe wechselt zwischen 3,5-5,0 cm. Aus der Sammlung des Museums von Kecskemét kennen wir einen 11,8 cm langen, gedrehten Bronzelöffelstiel mit dem Ansatz der Laffe.791 Aus dem Grab 203 des Gräberfeldes Gátér wissen wir von einem bronzenen Sieblöffel ohne Durchbohrung,792 der zwar unver­sehrt zum Vorschein kam, doch nur 11,6 cm lang war. die größte Breite des Löffels ist 24 mm, in den konkaven Laffenteil hatte man am Boden drei Punkte eingeschlagen. Obwohl er nicht durchbohrt wurde, kann er ähnlich zum Exemplar aus Kunbäbony auch nicht als Eßlöffel betrachtet werden. Unter den awarenzeitlichen Fürstenfunden ist uns bisher nur aus dem Fund von Maloje Perescepio ein Goldlöffel bekannt.793 Dieser wurde aus Goldblech gefertigt und ist, nach den hochwandigen Zellen zu schlieben, ähnlich wie die Münzen des Halsge­790. Diese Funde kommen in Ungarn zum überwiegenden Teil in vornehmeren Frauengräbern in der südlichen Hälfte Transda­nubiens und der Tiefebene vor. Die aus ihnen stammenden Sieblöffel-Funde wurden ausgehend von der Datensammlung I. Bönas im Rahmen der Aufarbeitung der spätantiken und frühmittelalterlichen Besteckgarnituren von M. MARTIN zu­sammengefaßt (1984, 109-121). Seiner Ansicht nach wurden aus den von der einstigen romanisierten oder germanisierten Einwohnerschaft vererbten Löffeln, die zum durchpassieren der Trauben nicht mehr verwendbar waren, im Kreise der Frauen der höheren Gesellschaftsschicht Ziergeräte, die man zusammen mit den Toilettengegenständen trug (Op. z. 116). 791. KJM Inv.Nr.: 55.28.144. Nachdem das Original des Inventarver­zeichnisses des Museums in Zweiten Weltkrieg verbrannte, wurde das Löffelfragment unter dem f undort Gátér inventari­siert, läßt sich aber mit der Fundpublikation des Ausgräbers E. Kada nicht identifizieren. Aufgrund von in Druck befindli­chen Archivangaben nehmen wir an, daß dieses Stück zu­sammen mit anderen, nicht identifizierbaren awarenzeitli­chen Funden des Museums aus dem untergegangenen Mate­rial eines der beiden Gräberfelder stammen könnte, die gleichfalls von E. Kada auf dem Gebiet des Gátér benachbar­ten Tiszaüjfalu erschlossen wurden, jedoch ausgeraubt waren und nicht zur Publikation gelangten (HORVÁTH: 1990). 792. KADA: 1906, 212. 793. BOBRINSKI: 1914, Taf. X. 27. 196

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