H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)
IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18
schmeides und die verwandten Armbänder ein Erzeugnis der „barbarischen Werkstatt" des Fundes.794 Diese Stücke wurden nach J. Werners Annahme lediglich zum Zwecke der Bestattung angefertigt. Auf der Grundlage der Publikation läßt sich nicht nachprüfen, ob man tatsächlich diese Gegenstände verwendet hat, oder nicht. Sicher ist hingegen, daß der Löffel mit seinem tiefen, eiförmigen Laffenteil, dem breiter werdenden Stiel und einer Länge von 20 cm der Größe nach einem Eßlöffel entspricht. Und zweifelsohne hat auch dieselbe barbarische Werkstatt die kreuzförmigen Zell- und ovalen Steinfassungen nicht ausschließlich zum Zweck der Bestattung auf die Girlandenverzierung am Rande des „Paternus patena" aufgelötet;795 schließlich zeigen sich an den Scharnieren der Armbänder Deformierungen, die nur durch kräftigen Druck bei Gebrauch entstanden sein können. Auch ansonsten erübrigte sich in dem Fund die Fertigung von „Bestattungs-Armbändern" - denkt man nur an das schwere Paar Armreifen mit Drehverschluß, das der großen byzantinischen Schnalle verwandte gravierte Verzierungen trägt. Im Kreise der östlichen Parallelen kennen wir noch aus einem reichen Frauengrab der Gräbergruppe von Ufa einen 28 cm langen vergoldeten Bronzelöffel, der sich in Begleitung von Granulationsgeschmeide befand796 Angesichts seiner gestreckten, ovalen, starken, 5,0 cm breiten Laffe ist auch er für einen Eßlöffel zu halten. Unbekannt sind die Löffel aus Edelmetall auch in den Fürstenbestattungen Westeuropas nicht, so kamen sie beispielsweise aus dem königlichen Kenotaph in Sutton-Hoo vom Beginn des 7. Jh. zum Vorschein.797 Der Goldlöffel unseres Grabfundes wurde also, wie es scheint, nach dem Muster der Sieblöffel der weiblichen Toilettenbestecks angefertigt. Da er aufgrund seiner kleinen Laffe nicht als Eßlöffel angesehen werden kann, ist es wahrscheinlich, daß seine Funktion — auch wenn sich keine Sieblöcher darauf befanden- mit der der Sieblöffel identisch war. In diesem Fall müssen wir hinsichtlich ihrer Zahl auch an eine praktische Funktion denken, daß sie nicht ausschließlich eine gesellschaftliche Stellung repräsentiert haben, ihre wirkliche Rolle aber kennen wir nicht. TASCHENVERSCHLUSS (Kat. 69.) Zwei unbedeutender aussehende Funde des Grabes von Kunbäbony sind die aus rundem Draht gedreh794. WERNER: 1984, 35, Taf. 20, 1, 17-18, 23, 1-2. 795. WERNER: 1984, Taf. 20, 2. 796. ACHMEROW: 1951, 125-126, Abb. 35 1-2. 797. BRUCE-MITFORD: 1975, 126-127, Abb. 102-103, 4 Abb. 80 1. Kunbäbony, 2. Üllő, 3. Kisköre, 4. Szentes-Kaján ten, ursprünglich zusammengehörenden Silberdrahtfragmente. Der in der Mitte abgenutze, zerbrochene und durch den aufoxidierten Eisenrest schwer erkennbare Gegenstand traf in einer ähnlichen Schlaufe zusammen, wie sie an den beiden Enden sichtbar sind. Seine vollständige Länge muß etwa 7,0-7,5 cm gewesen sein (Abb. 80.1.). Seine unversehrte Form ist an den bekannten Parallelen, darunter dem Exemplar aus Grab 27 des Gräberfeldes Kisköre (Abb. 80.3.) gut zu sehen.798 Dieser Fund, der in jeder Hinsicht als Entsprechung gelten kann, unterscheidet sich nur durch die Dichte und Zahl der Windungen zwischen den Schlaufen, durch die Länge der Bahnen. Aus Bronzedraht gefertigt betrug seine Länge wohl etwa 4,5 cm. Seine Definition lautet in der Beschreibung „propellerförmiger Gürtelbeschlag". Er kam in der Umgebung der ungestörten rechten Hand, an der Außenseite des oberen Endes des Oberschenkelknochens, in der Nähe eines Messers zum Vorschein. In dem Grab befanden sich eine zusammen mit Goldblech gepreßte große Riemenzunge mit Rankendekor, runde Beschläge, eine Nebenriemenzunge mit perlenbesetztem Rahmen, je eine ovale Bronze-und Eisenschnalle und an der Innenseite des linken Unterarms außerdem eine halbkreisförmige, aus Goldblech ausgeschnittene, durchbohrte Münzimitation. Abgesehen davon, daß die Anbringung dieses Fundes am Gürtel ohne eine größere Unterlage und längere Nieten unlösbar ist, wäre auch sein Material nicht starr genug, um als „propellerförmiger Gürtelbeschlag" die798. CARAM: 1979, 13, Taf. 8. Taf. 30, 10. 197